Anklage gegen
griechische Presse
Athen ( taz )
— Am Mittwoch dieser Woche wurde der Leiter der linksliberalen Athener
Tageszeitung ' Eleftherotypia ', Serafim
Fyndanidis , in seinem Haus festgenommen
und vor den Staatsanwalt gezerrt. Ihm wird vorgeworfen, das "Gesetz
über den Schutz der Gesellschaft gegen das organisierte Verbrechen"
übertreten zu haben. Grund für das Eingreifen der Justiz war die
Veröffentlichung eines Bekennerschreibens der griechischen Untergrundorganisation
"17. November", in der diese sich zu Anschlägen in den vergangenen
Wochen bekannte.
Ende letzten Jahres
hatte die konservative Nea Demokratia
mit ihrer Mehrheit im Parlament einen Gesetzentwurf verabschiedet,
der es dem Staatsanwalt ermöglicht, das Publizieren von "Ankündigungen,
Manifesten oder jeder anderen Art von Äußerungen" terroristischer
Gruppen zu verbieten.
Protestreaktionen
in der griechischen Medienlandschaft und aus den Oppositionsparteien
gegen jede Einschränkung der Pressefreiheit begleiteten die vorübergehende
Verhaftung Fyndanidis '. Die Vereinigung der Athener Tageszeitungsredakteure
hatte bereits 1989 einen Antrag auf Selbstzensur im Hinblick auf
Bekennerschreiben mit großer Mehrheit abgelehnt. Die griechische
Justiz hat inzwischen Strafanzeige gegen weitere sieben griechische
Tageszeitungen gestellt, die im Anschluß
an ' Eleftherotypia ' das Bekennerschreiben ebenfalls veröffentlicht
hatten. Robert Stadler
08.06.91
taz 42 Zeilen robert
stadler
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