Pressezensur geplant
Ein neuer Gesetzestext
soll in Griechenland das Abdrucken von Bekennerbriefen unter Strafe
stellen / Pasok und Linke dagegen
Athen
( taz ) - Soll die Veröffentlichung von
Manifesten terroristischer Organisationen in den Massenmedien verboten
werden oder nicht? Mit diesem Thema beschäftigte sich in dieser
Woche das griechische Parlament.
Initiiert von der
konservativen "Nea Demokratia " liegt ein
Gesetzentwurf vor, an dessen Ausarbeitung maßgeblich die Abgeordnete
Dora Bakojannis mitwirkte. Ihr Mann war Pressesprecher der Partei
und wurde im September vergangenen Jahres von der Terrororganisation
"17. November" ermordet. Der "17.November" benennt sich nach dem
Datum des Studenten Aufstands gegen die Militärdiktatur im Jahre
1973.Seit 15 Jahren aktiv, ist es bisher der griechischen Polizei
nicht gelungen, auch nur eines einzigen seiner Mitglieder habhaft
zu werden.
Alle Anschläge
dieser Untergrundorganisation sind jeweils von seitenlangen Manifesten
begleitet. Sie werden in erster Linie der Athener Tageszeitung ' Eleftherotypia '
zugespielt und ungekürzt den griechischen Lesern präsentiert. Gerade
darauf wies Dora Bakojannis während der
Parlamentsdebatte hin: "In keinem anderen europäischen Land wird
den Ansichten von Terroristen eine derartige Öffentlichkeit gewährt
wie bei uns." Ein Publikationsverbot von Texten terroristischer
Organisationen soll nun diesen Umstand beseitigen helfen.
Eindeutig negativ
zu dem geplanten "Antiterrorgesetz" äußerte sich jedoch bereits
die "Vereinigung der Athener Tageszeitungen". Sie lehnt es ab, Selbstzensur
zu üben. Der ehemalige Justizminister der PASOK, Jannis Skpularikis ,
sieht in dem Entwurf nicht eine Einschränkung der Pressefreiheit,
sondern auch die Gefahr des Mißbrauchs
durch den Staat: "Terror ist ein weiter Begriff. Jeder verleiht
ihm den Sinn, der ihm beliebt."
Die Chancen, daß der Gesetzentwurf bei der für Februar geplanten Abstimmung
eine Mehrheit im Parlament findet, sind ohnedies gering. Die Pasok , die Linkskoalition und die Grünen lehnen ihn entschieden
ab.
Robert Stadler
27.01.90 taz
60 Zeilen robert stadler
TAZ-Bericht S.8
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