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Europäisches Sozialforum in Athen 2006
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Minenfeld bei Lagina (Evrou)
Ich war über Ostern in Lagina, einem kleinen Dorf am Evros in der
Nähe von Soufli. Dort befindet sich über dem Ort ein Minenfeld.
Über den Evros kommen regelmäßig Leute, meist Wirtschaftsflüchtlinge
die in der EU eine bessere Zukunft für sich suchen. Probleme gibt
es dort nicht, so daß die einheimische Bevölkerung nichts gegen
diese Leute hat. Die Minenfelder sind mit Zäunen umgrenzt und mit
deutlichen Warnschildern versehen. In der Vergangenheit kam es vor,
daß Flüchtlinge reingelaufen sind. Das passiert seit dem Aufstellen
des Zaunes nicht. Auf meine Frage, weshalb man die Minenfelder nicht
wegräumen würde reagierten die Griechen mit Unverständnis. Deren
Problem besteht nicht in irgendwelchen Flüchtlingen. Die halten
die Türken für eine Bedrohung und deshalb behalten sie die Minenfelder.
Man sagte mir, daß es auf der anderen Seite des Evros auch welche
gebe. Selbst gesehen habe ich die nicht.
Geschichte der Minenfelder in Griechenland
indymedia-athens 04.10.2006:
1. Geschichte:Nordgriechenland würde während des Bürgerkrieges
1946-1949 sehr breitflächig vermint. Diese Minenfelder, mit Minen
gegen Menschen, waren nicht kartografiert und würden erst während
der 70er Jahre gesäubert nachdem mehre Jäger und Bauern getötet
worden sind. Der „Kalte Krieg“ und das Dogma „der Gefahr vom Norden“
hat die Minenfelder an den Bergdurchgängen der nördlichen Grenzen
mit Jugoslawien und Bulgarien „nötig gemacht“. Bis Ende der 90er
wurden auch diese Minenfelder gesäubert, nachdem mehrere Menschen
- meistens Flüchtlinge – dadurch getötet worden waren. Diese Minenfelder
waren ganz unsichtbar, da ihre Markierungen im Laufe der Jahre zerstört
wurden und die Bäume und Büsche sie versteckten. Nach 1974 und der
Zypern-Affäre wurde die Gefahr zu einer „aus dem Osten“, so dass
diesmal die Ostgrenzen Griechenlands vermint wurden. Auf den Inseln
im Osten Griechenlands wurden die Minenfelder schnell gezaubert
bis 1978, nachdem sie aber erst das Leben vieler Bewohner gekostet
haben. An den Grenzen zur Turkei existieren sie noch heute.
2. Aktuelle Lage: Griechenland hat die Otawa-Resolution von 1997
unterschrieben, über das Verbot von Minen gegen Menschen. Im Jahr
2002 hat das Parlament das bestätigt. Trotzdem hat Griechenland
heute noch Minenfelder entlang des Flusses Evros. 2003 wurde die
Säuberungs-Aktion entlang des Flusses begonnen, sie geht sehr langsam
vorwärts, da die Minenfelder gemischt sind (zusammen mit gegen Panzer)
und die Witterungsbedingungen (schwerer Winter und Überflutung des
Flusses) die Arbeit immer wieder behindern. Die jährlich stattfindenden
Überflutungen von des Flusses Evros bringen immer neue Gefahren
weil sie ständig leichte Minen transportieren und sie außerhalb
der Minenfelder rollen, verteilen sie diese entlang des ganzen Flusses.
Griechenland hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2008 alle Minenfelder
mit Minen gegen Menschen zu räumen, und nur solche mit Minen gegen
Gerätepanzer zu belassen. Einschätzungen des Militärs sprechen vom
Jahr 2011, also drei Jahre vor der von der Otawa-Resolution vorgegebenen
Grenze des Jahres 2014. Das Militär vermeidet genaue Angaben zu
Mengen der Minen und dem Zustand der Minenfelder in Evros. Im Februar
2001 haben griechische Offiziere die Angaben von 1,5 Millionen Minen
gegen Menschen als zu hoch eingeschätzt. Im März 2002 haben sich
hohe Beamte des Außenministeriums geweigert, jegliche Zahlen zu
benennen. Und eine Untersuchung des Parlaments, die nicht öffentlich
gemacht wurde sagte, dass Griechenland noch 2,5 Millionen Minen
gegen Menschen besitzt. 2001 kam heraus, dass Griechenland 18.000
DU (Uran Minen) besitzt, die natürlich gegen Waffen sind aber eine
Explosion wäre eine grosse Gefahr für die Bevölkerung. 2003 hat
Griechenland und die Turkei einen Vertag unterschrieben für die
gegenseitige Abschaffung der Minenfelder an den jeweiligen Grenzen.
Die Türkei besitzt keine Minenfelder auf ihrer Seite des Evros Flusses.
Trotzdem hat Griechenland im Jahr 2004 von Deutschland 20 Spezial-Fahrzeuge
gekauft des Typs „Scorpion“die sehr schnell Minen verteilen können,
und lassen innerhalb kürzester Zeit Minenfelder entstehen die nicht
kartografiert werden, und deswegen sehr schwer dann geräumt werden
kann. Ergänzend dazu hat das Griechiesche Militär Interesse geäußert
für den Kauf von intelligenten synthetische Minen gegen Menschen,
die sehr schwer entdeckt werden können und erst nach 10 Jahre in
der Erde sich selbst zerstören. So können wir sagen, dass im Fall
einer griechisch -türkischen Krise wieder Minenfelder gegen Menschen
schnell entstehen werden. In Evros befinden sich die Minenfelder
nicht auf der Grenze sondern in einem Abstand von ein paar hundert
Metern .Da wo der Fluss nicht die Grenze ist, werden die Grenzen
durch Fälle gezeichnet und von einem Graben ein Meter tief und kleine
Pfeiler jede paar Meter beidseitig. Auf beiden Seiten der Straßen
befinden sich Militärwege für die Kommunikation der Grenzsoldaten.
Danach gibt es Felder und erst danach Minenfelder, die mit dünnem
Stacheldraht umzäunt sind und die bekannte Totenköpfe Markierung
haben. Die Minenfelder werden jede 500 bis 1000 Meter unterbrochen
von einem schmalen Weg, der den Eingang zur der verbotenen Zone
verbindet, und parallel zu dem Grenzgraben verläuft, da kommt man
nur rein mit Erlaubnis des Militärs.
3. Opfer:die Flüchtlinge kommen meistens nachts an die Grenzen
in geschlossenen Lkws. Ihre Fluchthelfer zeigen ihnen die Richtung
und sagen da wäre Italien. Die Menschen glauben es, da sie Wochen
des Eingesperrtseins hinter sich haben und die Orientierung verloren
haben. Sie durchqueren den Graben der Grenze sehen die Grenzlichter
und vor den Autolichtern der Militärautos haben sie Angst und versuchen
lieber durch die Zäune zu laufen. Dort werden sie getötet von Minen.
2005 sind 6 Flüchtlinge getötet worden durch Minen und etwa 20 wurden
verletzt. 2004 wurden von offizieller Seite 8 Tote gezählt und 9
Verletzte. 2003 –11 Tote und 5 Schwerverletzte. Seit 1990 sind beim
Evros 74 Menschen von Minen getötet worden und 180 schwerverletzt
worden. Die Minen räumen seit 1950, das Jahr ihrer Gründung haben
über 30 Tote, Militärs und Mitarbeiter. Viele Unfälle haben nie
das Licht der Öffentlichkeit erreicht, also könnten die Zahlen niedriger
sein als die realen Zahlen liegen. Die Flüchtlinge die in Evros
festgenommen werden, werden wenn sie glück haben in die Lager gebracht,
sonst werden sie in den Polizeiwachen eingesperrt und zweimal im
Monat werden sie „zurückgeschickt“, also illegal vom Militär und
Polizei wieder in die Türkei geschickt. Die Minen Opfer die verletzt
wurden, werden erst hospitalisiert und dann abgeschoben meistens
in ihre Heimatländer, ohne jeweils für den zugefügten Schaden eine
Entschädigung zu kriegen. Ein türkischer Bürger hat den griechischen
Staat angezeigt nachdem er beide Beine 2004 bei einer Minenexplosion
an der griechisch-türkischen Grenze verloren hatte, als er aus Versehen
in ein Minenfeld trat. Sein Anwalt sagt, Griechenland als EU Mitglied
dürfte keine Minen gegen Menschen besitzen.
Entfernung Minenfeld von Lagina vom Evros
Das Minenfeld von Lagina ist schätzungsweise ca. 1 km vom Flußbett
entfernt. Oben auf einem Hügel (wenn man zur Landstraße fährt, die
dann nach rechts nach Soufli führt). Der Fluß kann dort mit Sicherheit
nicht hin. Sollten die Türken mit Panzern über den Fluß, werden
sie auf den gut ausgebauten Straßen bequem an den gut ausgezeichneten
Minenfeldern vorbeirollen können. Meine Vermutung ist, daß die Griechen
einfach die mit der Räumung verbundenen Kosten sparen wollen. Wenn
- trotz Umzäunung - ab und an ein Mensch raufgerät, ist das halt...
Pech ?
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