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junge Welt, 12.07.2004
Heike Schrader ,
Athen
Saal bei Plädoyer
geräumt
Griechenland:
Zweiter Prozeß gegen mutmaßliche Mitglieder des ELA angekündigt
Mit Beifall bedachten die Zuhörer das Schlußplädoyer
des als mutmaßliches Mitglied des "Revolutionären Volkskampfes,
ELA" angeklagten Christos Tsigaridis Ende
vergangener Woche. Der schon zur Zeit der Militärjunta aktive Widerstandskämpfer
erklärte, er würde keinen Moment seiner Vergangenheit zu bereuen.
"Nur ein nicht geführter Kampf ist ein verlorener ."
Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Brilli ließ daraufhin den Saal
räumen.
Im " Prozeß ELA" stehen in Athen seit Februar
dieses Jahres fünf Menschen vor Gericht ( jW
19. Februar 04). Christos Tsigaridis ,
Michalis Kasimis ,
Angeletos Kanas , Konstantinos Agapiou und Irini Athanasaki wird "Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung"
sowie "Teilnahme an Sprengstoffattentaten und Mordanschlägen" vorgeworfen.
Das laufende Verfahren konnte keine stichhaltigen Beweise für eine
Schuld der Angeklagten erbringen. Zwar hatte Christo Tsigaridas
als einziger der Angeklagten die "politische Verantwortung" für
ELA-Zugehörigkeit übernommen. Er hatte allerdings die Organisation
schon 1990 verlassen, so daß er wegen
der Mitgliedschaft juristisch nicht mehr verfolgt werden kann. Für
eine konkrete Beteiligung eines der Angeklagten an auch nur einem
der Anschläge liegen dem Gericht nach der Anhörung von 400 Zeugen
der Anklage keine Beweise vor. Zudem zweifeln nicht nur die Angeklagten
und ihre Verteidiger die Rechstaatlichkeit des Verfahrens an. Auch
die als Prozeßbeobachterin im Juni anwesende
deutsche Rechtsanwältin Silke Studzinsky
sprach von groben Verstößen gegen Rechtsnormen. So sind den Zeugen
der Anklage nach eigenen Aussagen vor ihrer Vernehmung durch die
Ermittlungsbehörden Fotos und Namen derjenigen vorgelegt worden,
die sie belasten sollten ( jW 8. Juli 04).
Trotzdem scheint der griechische Staat fest entschlossen, sein "Terrorismusproblem"
durch das Wegsperren der "üblichen Verdächtigen" ein für alle Mal
lösen zu wollen. Sollte es in dem laufenden Verfahren mangels Beweisen
nicht zu einer Verurteilung kommen, wird nun ein zweiter Prozeß ,
gestützt auf "neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit weiteren Anschlägen
des ELA", vorbereitet. Mit der Einleitung des neuen Verfahrens schlägt
die griechische Justiz gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Für
drei der fünf Angeklagten läuft Anfang August, also kurz vor den
Olympischen Spielen, die gesetzliche Höchstgrenze von 18 Monaten
für eine Untersuchungshaft ab. Sollte der laufende Prozeß
bis dahin nicht beendet sein, müßten die Angeklagten auf freien Fuß gesetzt werden. Mit
der Einleitung eines zweiten Verfahrens können erneute 18 Monate
Untersuchungshaft verhängt werden.
Im neuen Prozeß soll wieder einmal auch
Iannis Serifis mit auf der Anklagebank sitzen. Der bekannte Anarchosyndikalist
wurde erst im vergangenen Jahr im Prozeß
gegen mutmaßliche Mitglieder der "Revolutionären Organisation 17.
November" aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
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