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Europäisches Sozialforum in Athen 2006
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junge Welt, 19.02.2004
Heike Schrader ,
Athen
Anklage ohne Beweise
Griechenland:
Prozeß gegen mutmaßliche Mitglieder des "Revolutionären Volkskampfes"
Seit
vergangener Woche läuft in Griechenland der zweite große " Terroristenprozeß ".
Vier Männern und einer Frau wird die Mitgliedschaft
im "Revolutionären Volkskampf" ( Epanastatikos
Laikos Agonas , ELA) und die Beteiligung
an Anschlägen vorgeworfen.
Der 1975 gegründete ELA verstand sich als Teil der Massenbewegung
des Volkes gegen das System. Sein Ziel war die Entwicklung dieser
Bewegung "bis zum revolutionären Sturz des kapitalistisch-imperialistischen
Systems und zur Errichtung einer sozialistischen Herrschaft des
Volkes".
In einer zwanzigjährigen Phase der "bewaffneten Propaganda" griff
der ELA hauptsächlich symbolische Ziele an. Seine Bomben und Brandsätze
verursachten Sachschäden an Gebäuden von internationalen Konzernen
und an Fahrzeugen von Angehörigen britischer und US-amerikanischer
Militärs. Nicht nur die Unterstützung der einheimischen, auch die
Solidarität mit der internationalen Arbeiterbewegung war Motiv für
die Aktivitäten des ELA. Als Reaktion auf den Tod der RAF-Gefangenen
im deutschen Hochsicherheitsgefängnis Stammheim setzten Mitglieder
der Organisation im Oktober 1977 das Warenlager der AEG im Norden
Athens in Brand. Bei einem Schußwechsel
mit Zivilpolizisten kam dabei der mutmaßliche Gründer des ELA und
Herausgeber der Antipliroforise (Gegeninformation) Christos Kasimis , ums Leben. Die Verbreitung von Informationen und
die "Ideologisierung" der Massenbewegung gehörten zu den Schwerpunkten
der ELA-Aktivitäten . Die 42 Ausgaben der Antipliroforis
waren auch an ausgewählten Kiosken und in Buchhandlungen erhältlich.
Erst seit Anfang der 90er Jahre ging der ELA gezielt auch gegen
Personen vor. Bei Angriffen auf Einrichtungen der Sondereinheiten
der griechischen Polizei (MAT) wurden Polizisten getötet und verletzt.
1995 stellte die Organisation ihre Aktivitäten ohne eine öffentliche
Erklärung ein.
Christos Tsigaridis ist der einzige Angeklagte,
der eine Verbindung zum ELA zugibt. Der 64 Jahre alte Rentner wurde
im Februar 2003 festgenommen, erlitt jedoch in der Untersuchungshaft
einen Herzanfall und wurde im Mai vergangenen Jahres unter Auflagen
aus dem Gefängnis entlassen. Die anderen vier Angeklagten bestreiten
jede der Anschuldigungen. Michalis Kasimis nimmt an, daß er allein wegen seines Bruders Christos, der bei dem Anschlag
auf das AEG-Lager getötet wurde, angeklagt ist. Die anderen drei
Angeklagten sind auf Grund der Aussage der Hauptbelastungszeugin
Sofia Kiriakidou vor Gericht. Sie beschuldigt ihren Exehemann Angeletos Kanas sowie die beiden
Mitangeklagten Konstantinos Agapiou
und Irini Athanasaki ,
führende Mitglieder des ELA gewesen zu sein. Angeblich hat sie die
drei beim Bombenbauen beobachtet.
Der 52jährige Angeletos Kanas
bezeichnet die Beschuldigungen als Hirngespinste, die seine Exfrau
aus Eifersucht und Rachegelüsten erfunden habe. Konstantinos
Agapiou führt seine Verhaftung auf seine
politische Vergangenheit als aktiver Kämpfer im Widerstand gegen
die Militärdiktatur in Griechenland zurück. Irini
Athanasaki "verdankt" ihren Platz auf
der Anklagebank nach eigener Einschätzung der Tatsache, daß
sie sich geweigert hat, mit den Geheimdiensten zusammenzuarbeiten
und ihren früheren Lebenspartner Agapiou zu belasten.
Mehr als 400 Zeugen sind aufgeboten, um den Angeklagten die Mitgliedschaft
in einer kriminellen Vereinigung, die Beteiligung an zwei Morden,
17 Mordversuchen und 69 Sprengstoffanschlägen nachzuweisen. Die
wenigsten werden allerdings Wesentliches zum Prozeß
aussagen können. Andere Beweise, wie Fingerabdrücke oder Waffenfunde,
gibt es ebenfalls nicht.
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