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07.10.89
taz
Pasok ist Zielscheibe der Presse
Griechenlands
konservative Zeitungen schreiben Bakoyannis-Attentat der Pasok zu
Die Sozialisten sprechen
von schmutziger Propaganda /
Konservative Nea Demokratia hält sich zurück
Aus Athen Robert Stadler
Von den Attentätern
im Mordfall des griechischen Abgeordneten Pavlos Bakoyannis, der
in der vergangenen Woche von der "Revolutionären Organisation 17.
November" auf offener Straße erschossen wurde, fehlt bisher jede
Spur. Die Athener Tagespresse spürte indes bereits "Schuldige" auf:
Hinter dem "17. November" stehe die "Panhellinische Sozialistische
Bewegung", die Pasok; die Zeitung 'Ethnos' ortete auf der Titelseite
sogar den Mörder ganz genau: den Schauspieler und Autor Periklis
Korovesis. Auch Mikis Theodorakis meldete sich nach dem Anschlag
zu Wort und behauptete, den "moralischen Urheber" für den Mord an
Bakoyannis zu kennen. Er wies dabei, ohne einen Namen zu nennen,
eindeutig in Richtung Andreas Papandreou.
Im Zusammenhang
mit den Polizeiermittlungen wurde die Wohnung eines engen Mitarbeiters
von Papandreou, Michalis Ziangas, durchsucht. Eine Athener Tageszeitung
hatte von Waffen berichtet, die dort angeblich versteckt seien.
Gefunden wurde jedoch nichts und Ziangas klagte wegen Verleumdung.
Nicht zum ersten
Mal wird von Teilen der konservativen Presse der Versuch unternommen,
die Pasok als heimlichen Auftraggeber des "17. November" zu diffamieren.
Auf die dadurch entfachte öffentliche Diskussion reagierte die Organisation
in ihrem letzten "Manifest": "Wir sehen schon voraus, daß das Zusammenfallen
unseres Anschlags mit der Überantwortung Papandreous an ein Sondergericht
einigen Blättern ein Vorwand sein wird zu behaupten, hinter unserer
Organisation verberge sich die Pasok." Seit Jahren geistert die
Vorstellung durch die Presse, daß die Pasok "Terroristen" schütze
wie auch Vermutungen, hinter den "Terroristen" steckten die Sozialisten.
Außerdem stützen sich derartige Überlegungen darauf, daß noch kein
Mitglied des "17. November" gefaßt werden konnte.
Aus dem Zusammenhang
gerissen lassen sich einige Passagen aus den Manifesten des "17.
November" als Pasok-freundlich interpretieren. Auch die Tatsache,
daß der "17. November" im Jahre 1981, nach dem Wahlsieg der Sozialisten
für zwei Jahre seine Aktivitäten einstellte, diente einigen als
Anhaltspunkt für diese "Theorien". Der Faden wird bis in die Zeit
der Diktatur zurückverfolgt: Die von Papandreou im Ausland kontrollierte
"Panhellenische Befreiungsbewegung" (PAK) habe nach der Gründung
der Pasok 1974 ihr Dogma vom bewaffneten Kampf zur Umgestaltung
des Systems in Griechenland nicht aufgegeben. "Illegal" operiere
sie innerhalb der Partei weiter, und der Kopf des "17. November"
rekrutiere sich aus ihren Reihen, so der Tenor.
Als Reaktion auf
diese Spekulationen sprach die Pasok von "schmutziger Propaganda",
und KP-Chef Charilaos Florakis sagte: "Niemand darf eine Verbindung
zwischen dem Attentat und einer politischen Partei, wie die Pasok
eine ist, herstelllen." Politiker der konservativen Nea Demokratia
enthielten sich der Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen die Pasok,
die in ND-nahen Medien veröffentlicht wurden. In ihren Reihen diskutiert
man vor allem die Möglichkeiten einer Terrorgesetzgebung. Sollte
sie bei den Wahlen die absolute Mehrheit erlangen, denkt sie an
Verschärfungen nach dem Vorbild Italiens oder der BRD.
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