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Savas Xiros ( Rev.Organisation
17.Nov):
An den Griechischen Justizminister
Verhör unter Psychopharmaka
Am
29. Juni 2002 explodierte eine Bombe in den Händen von Savas
Xiros. Der Aktivist der griechischen "Revolutionären Organisation
17. November" (17N) wurde festgenommen und schwer verletzt ins Krankenhaus
gebracht. Noch während er mehr tot als lebendig auf der Intensivstation
lag, kümmerten sich schon Spezialisten der griechischen "Antiterroreinheiten"
um ihn. Die Savas Xiros bei den Verhören ohne Hinzuziehung eines
Anwaltes abgerungenen Informationen führten zur Verhaftung weiterer
Genossen und wurden trotz seines Protestes im Prozess gegen insgesamt
19 mutmaßliche Mitglieder der 17N als Beweismittel der Anklage zugelassen.
Der im Dezember 2003 zu sechs Mal lebenslänglich verurteilte Savas Xiros versucht nun zu beweisen,
dass ihm seine Aussagen unter dem gesetzeswidrigen Einsatz von Pharmazeutischen
Mitteln abgepresst wurden. Auch führt er seine bleibende Behinderung
nicht nur auf die Folgen der Explosion, sondern ebenso auf die Behandlung
durch die "Antiterrorexperten" zurück. In mehreren Eingaben an die
griechischen Minister für Justiz und Gesundheit forderte der fast
blinde und auf einem Ohr taube Savas Xiros
drei Untersuchungen, die laut Angaben von Ärzten die von ihm behauptete
Manipulation des Gehirns durch eine Injektion von Sodium
Amital in die Halsschlagader nachweisen
könnten. Mit einer Magnetischen Angiographie
(Gefäßbeschreibung) Gehirntomographie könnten durch das Serum verursachte
bleibende Schäden von Gehirnzellen nachgewiesen werden. Eine Triplex
der Karotide würde die Verhärtung und Verengung der Halsschlagader
als Auswirkung einer Tropf-Injektion in dieselbe aufzeigen. Der
seit seiner Verurteilung in Isolationshaft gehaltene politische
Gefangene klagt über chronische Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und
Halluzinationen, er auf die verminderte Funktion der Halsschlagader
und die Schädigung von Gehirnregionen zurückzuführen sind. Obwohl
Savas Xiros
seit seiner Festnahme insgesamt 11 Mal operiert wurde und noch mindestens
weiter vier Operationen anstehen, wurden ihm die geforderten Untersuchungen
bis heute verweigert. Darüber hinaus hat nicht einmal der Patient
selbst Einsicht in alle Unterlagen bisheriger ärztlicher Untersuchungen.
Einige der Untersuchungsergebnisse sind nach Angaben seines Anwaltes
lediglich den Behörden der griechischen "Antiterrorabteilung" zugänglich.
Am 7. Dezember wandte sich Savas Xiros
zum dritten und nach eigenen Worten letzten Mal an die griechischen
Minister für Justiz und Gesundheit. Nachfolgend ein Auszug aus seinem
Schreiben, dass die Geschehnisse seit seiner Verhaftung beschreibt.
Alles geschah getreu dem griechischen Gesetz, so hört man, während
viele versuchen, die schwarze Phase der Verhöre unter Einsatz von
Psychopharmaka
an einem mit dem Tod Ringenden, mit Handschellen Gefesselten auf
der Intensivstation, aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Bezeichnenderweise
legalisierte das Gericht später diese "Behandlung" durch die Aussage,
dass mit den Verhören meinem wahrscheinlichen Tod zuvorgekommen
werden musste. Anschienend brauchte man Beweise, um mich sogar posthum
noch verurteilen zu können. Aber auch lebendig konnte man mich ohne
jedes Verhör, lediglich mit dem, was bei mir gefunden wurde, verurteilen.
(...)
Und natürlich ist es auch weder gesetzeswidrig, noch etwa dem Wunsch
nach Rache geschuldet, dass ich, ungeachtet meiner zerstörten Hand,
der gebrochenen Rippen, des Asthmas, der chronischen Kopfschmerzen,
Schwinde und Instabilität, blind und taub nach 65 Tagen auf der
Intensivstation in eine Isolationszelle, nicht größer als eine Toilette,
die bei jedem Regenfall unter Wasser stand im noch im Umbau befindlichen
Gefängnis verlegt wurde. Und natürlich glaubte niemand, dass es
an dem Einsatz von Psychopharmaka liege, wenn ein 40jähriger Mann
mit einer langen Geschichte, die die Gesellschaft über mehrere Jahrzehnte
hinweg beschäftigt hatte, nun plötzlich keinen graden Satz mehr
herausbrachte.
Blind und taub wurde ich vor Gericht gestellt. Ich konnte nicht
eine Zeile der Gerichtsakten lesen. Was um mich herum vorging, nahm
ich in einem Nebel wahr, ohne dass ich in der Lage war, die Bedeutung
von Gesagtem zu erfassen oder etwa Fragen zu stellen. Man hinderte
mich mit allen Mitteln daran, etwas zu den an mir begangenen Folterungen
auf der Intensivstation zu sagen. Mir wurde teils mit Sarkasmus,
Ironie oder Beleidigungen, teils mit eisigem Schweigen begegnet.
Andere bewarfen mich mit jedem erdenklichem Dreck. Meine Anwesenheit
im Gerichtssaal diente ausschließlich der Rechtfertigung des Verfahrens.
Heute, zweieinhalb Jahre nach dem Prozess, habe ich 11 Operationen
hinter mir, vier weiter liegen noch vor mir. Die meisten von ihnen
hätten vermieden werden können, wenn es nicht um die bewusste und
rachsüchtige Verschleierung der Wahrheit mit allen Mittel ginge.
Stattdessen wird der Öffentlichkeit, unter Verschweigen der Probleme,
denen ich in meiner Zelle täglich ausgesetzt bin, das Bild eines
gesunden Menschen vorgegaukelt. Ärztliche Untersuchungsergebnisse
verschwinden, Anzeichen für Beschwerden werden nicht registriert
oder ignoriert. Andererseits tauchen Bescheinigungen für Untersuchungen
auf, die nie gemacht wurden. Meine Leberschwellung und die Schmerzen
in Leber und Nieren werden als "im natürlichen Rahmen liegend" bezeichnet.
Gegen das Asthma kriege ich Kortison, also auch hier kein Problem.
Meine Ohren warten auf zwei weiter Operationen, ebenso meine Hände,
mögen sie warten bis zum Sankt Nimmerleins
Tag. Nach sieben Operationen an den Augen habe ich eine Sehkraft
von 10 Prozent auf dem einen, das andere ist blind. Ich erkenne
Gesichter in einem Abstand von 30cm, also sehe ich. Die von Ärzten
bescheinigten Herz- und Nervenprobleme werden nirgends erwähnt,
also existieren sie nicht, trotz meiner beiden Schlaganfälle, der
chronischen Kopfschmerzen, der Schwindelgefühle. Zusammen mit der
fast gänzlichen Blindheit und Taubheit verhindern diese Probleme
jede individuelle Aktivität oder die Teilnahme an Aktivitäten einer
Gruppe und bedeuten für mich eine Isolation in der Isolation.
Ich werde nicht auf Papiere oder Bescheinigungen antworten, die
bestätigen sollen, dass die eine oder andere Untersuchung erfolgt
ist. Meine gesundheitliche Situation erfordert eine sofortige Verlegung
ins Krankenhaus, um die oben geschilderten gesundheitlichen Probleme
systematisch zu behandeln. Bis dahin wird jede andere Antwort als
Übereinstimmung mit und Fortsetzung der Folter mit dem Ziel meiner
endgültigen Auslöschung bewertet.
Die Wahl liegt bei Ihnen.
Savas Xiros
am 7. Dezember 2004
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