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Massenmord bagatellisiert
Erschießung von 3000 italienischen Kriegsgefangenen durch deutsche
Wehrmachtssoldaten bleibt ungesühnt. Von Frank Brendle
Der Massenmord an über 3000 italienischen Soldaten im September
1943 bleibt ungesühnt. Die Staatsanwaltschaft München hat das Strafverfahren
gegen einen der daran beteiligten, noch lebenden Wehrmachtsoffiziere
eingestellt. Diesem wurde zwar die Erschießung von mindestens 13
gefangenen Offizieren nachgewiesen, die Tat sei aber »nach sittlicher
Wertung nicht notwendig auf tiefster Stufe« anzusiedeln. Vielmehr
könne der Beschuldigte aus »einer menschlichen Schwäche« heraus
gehandelt haben, so die Staatsanwaltschaft. Das Internetmagazin
german-foreign-policy veröffentlichte am Dienstag die bereits Ende
Juli ergangene Einstellungsbegründung. Nachdem die italienische
Regierung im September 1943 mit den Alliierten einen Waffenstillstand
geschlossen hatte, begann die Wehrmacht mit der Entwaffnung und
Inhaftierung italienischer Soldaten. Dagegen setzten sich auf der
griechischen Insel Kephallonia über 10000 Italiener zur Wehr, die
aber nach einigen Tagen kapitulieren mußten. Mindestens 3 000 Gefangene
wurden anschließend von der Wehrmacht, die diesen Widerstand als
Verrat betrachtete, umgebracht. Der Oberkommandierende General Hubert
Lanz wurde 1948 in Nürnberg zu zwölf Jahren Haft verurteilt, aber
schon nach drei Jahren entlassen. Alle anderen Täter blieben unbestraft.
Die Münchner Staatsanwaltschaft erkennt in der Tat keine niederen
Beweggründe. »Es ging vielmehr um militärische Belange, die zur
Erschießung führten«, so die Behauptung. Für die Sicht der Wehrmachtsverbrecher
lassen die Staatsanwälte Verständnis erkennen. Die Italiener seien
„keine normalen Kriegsgefangenen“ gewesen, sondern „Verräter“. Deren
Ermordung sei mit den Hinrichtungen deutscher Deserteure vergleichbar.
Zwar seien die Erschießungen auch nach den Regeln der Wehrmachtsjustiz
nicht legal gewesen. Daß der Beschuldigte, der damals Leutnant war,
einen rechtswidrigen Befehl befolgt habe, zeuge von „menschlicher
Schwäche“ und könne nicht als Mord gewertet werden, allenfalls als
Totschlag. Dieser sei aber verjährt. Daß die Staatsanwaltschaft
sowohl die Mentalität als auch die Wortwahl der faschistischen Verbrecher
übernimmt, hat in Italien breite Empörung ausgelöst. Die Zeitung
Repubblica wirft der Staatsanwaltschaft vor, sie schreibe „die Geschichte
des Zweiten Weltkrieges in revisionistischem Sinn um“, legitimiere
eines der größten Massaker des Dritten Reiches und drohe die Neofaschisten
zu ermuntern. Der italienische Verteidigungsminister Arturo Parisi
sieht damit „die Wahrheit der Tatsachen und das Urteil der Geschichte
verdreht.“
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