Veranstaltung
Prozess gegen ELA
Prozess gegen 17.November
Haftbedingungen
Solidarität Staat&Repression
Presse
Erklärungen
Fotos und Plakate
Hintergrund
Aktuelles
Europäisches Sozialforum in Athen 2006
MAIL
|
junge Welt 12.6.02
Ringen um Gerechtigkeit
Höchstes Gericht Griechenlands verhandelte erneut über die Entschädigung
von Nazi-Opfern
Maren Cronsnest ,
Athen
Stathis Stathas aus dem griechischen
Dorf Distomo hat aufgeschrieben, was am
10.
Juni 1944 geschah: "218 unserer Bürger sind an diesem Tag durch
Angehörige der
Hitler-SS regelrecht abgeschlachtet worden.
Unter ihnen alte Menschen, Schwangere,
noch nicht getaufte Babys. Sie alle opferten ihr Blut für die Freiheit
unserer Heimat, für
Frieden und für die Zivilisation ." Wie
viele andere auch fordert Stathis Stathas
die
Entschädigung der Überlebenden des Massakers und der Hinterbliebenen
durch
Deutschland. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes hat da eine etwas
andere Sicht:
"Das ist einfach durch die Zeit und durch die Geschichte überholt.
Dieser ganze Ansatz,
mehr als fünfzig Jahre später auf Entschädigung zu beharren", äußert
er gegenüber jW .
Ob "rot-grün" oder "schwarz-gelb" - der weiße Fleck im Gedächtnis
scheint innerhalb
der deutschen Bundesregierungen vererbbar zu sein.
Rechtsanwalt Ioannis Stamoulis
hilft auf seine Weise, die Erinnerung der deutschen
Öffentlichkeit aufzufrischen. Die Überlebenden des von der 2. Kompanie
des
SS-Polizei-Panzergrenadier-Regiments 7 angerichteten Massakers und
die
Hinterbliebenen fordern 23 Millionen Euro Entschädigung. Der Oberste
Gerichtshof
Griechenlands, der Aeropag , bestätigte
Mitte April 1999 ein Urteil des für Distomo
zuständigen Landgerichts Livadia , nach
der Deutschland an die 296 Kläger zu zahlen
hat. Im vergangenen Monat fand sich nun das zwanzigköpfige Gremium
des höchsten
Gerichts in Athen zusammen, um zu entscheiden, ob die Eintreibung
deutscher
Schulden fortgesetzt werden kann.
Die Aeropag-Richter hörten sich die Argumentation
beider Seiten mit unbewegter Miene
an. Die deutsche Argumentation blieb dabei unverändert. Die BRD
und Griechenland
arbeiteten bilateral auch innerhalb der EU eng miteinander zusammen,
Griechenland
profitiere doch auch davon - will heißen: Griechenlands wirtschaftliche
Abhängigkeit
erlaubt eine harte Haltung der Bundesrepublik in der Entschädigungsfrage.
Man hätte
doch Anfang der 60er Jahre schon 150 Millionen an Griechenland gezahlt,
damit seien
alle Ansprüche abgegolten.
Eine kleine Überraschung bot sich am Ende der Verhandlung in der
griechischen
Hauptstadt: Die in Deutschland lebende Gordana
Milanovic aus der Stadt Kragujevac
in
Jugoslawien hatte an der Verhandlung teilgenommen und überbrachte
dem
kämpferischen Anwalt Grüße aus ihrer Heimatstadt. Hier waren am
21. Oktober 1941
7000 männliche Personen, darunter auch Schulkinder, von der deutschen
Wehrmacht
erschossen worden. Rechtsanwalt Stamoulis
versprach, die Grüße den griechischen
Opfern der deutschen Besatzung zu überbringen. Frühestens Ende Juni
erwartet er die
Verkündung des Urteils im Fall Distomo .
Wenn die deutsche Bundesregierung klug sei,
"sollte sie schon jetzt mit unserer Regierung ins Gespräch kommen",
rät er. "Wir
werden hartnäckig bleiben. Je länger die gerichtliche Auseinandersetzung
dauert,
desto schlimmer wird es für die Deutschen ."
|