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Europäisches Sozialforum in Athen 2006
MAIL
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Konkret 08/77,
S. 21
Andreas
Papandreou
Die Sprache der
Macht
Der griechische
Sozialisten-Führer sagt, was er von der Europäischen Gemeinschaft
hält
Die Länder Südeuropas
sind periphere, abhängige Randgebiete des globalen Kapitalismus.
Ein Teil ihrer gesellschaftlich geschaffenen Werte wird ihnen zum
Verbrauch in den nördlichen Metropolen entzogen. Ihre ökonomische
Entwicklung ist unausgeglichen und nach außen gerichtet. Die Länder
Nordafrikas und des Nahen Ostens haben die politischen und militärischen
Fesseln ihrer Abhängigkeit zerbrochen, sehen sich aber ständig der
Gefahr ausgesetzt, in den alten Status, wenngleich in neuen und
subtileren Formen, zurückgestoßen zu werden, wenn sie ihre wirtschaftliche
Unabhängigkeit nicht erreichen, also eine eigenständige, ausgeglichene
ökonomische Entwicklung.
Daher haben die
Staaten des Mittelmeerraums ein gemeinsames Schicksal, und sie haben
gemeinsam die Gelegenheit und die Verpflichtung, ihre Ressourcen
kooperativ zu nutzen, sie im Rahmen gemeinschaftlich ausgearbeiteter
Strategien effektiv werden zu lassen.
Was heißt das konkret?
Es heißt erstens, daß die südeuropäischen Staaten gut daran täten,
nicht der EG beizutreten, beziehungsweise, wenn sie bereits Mitglied
sind, ihren Austritt vorzubereiten. Denn die EG ist der gemeinsame
Markt des Monopolkapitals, und eine Mitgliedschaft bedeutet langfristig,
daß sie abhängig bleiben, daß sie Randgebiete des Weltkapitalismus
bleiben -jedenfalls bis Westeuropa selbst sozialistisch umgestaltet
wird. Das bedeutet jedoch nicht, daß die südeuropäischen und nordafrikanischen
Staaten ihre Beziehungen zur EG nicht beibehalten oder entwickeln
sollten. Allerdings nur unter Bedingungen, die eine eingeständige
ökonomische Entwicklung garantieren. Ohne nationale Wirtschaftsplanung
ist das nicht möglich. Die Mittelmeer-Länder müssen also die Kontrolle
über ihren Außenhandel und Kapital-Bewegungen selbst behalten.
Zweitens heißt
das, daß die Mittelmeer-Anrainer ihre Kräfte vereinen müssen, um
einem internationalen Preissystem zu widerstehen, das ihnen ihre
Reichtümer raubt. Sie müssen ihre Kräfte vereinen, um internationalen
Institutionen wie der Weltbank oder dem International Monetary Fund
zu widerstehen, die die Vorherrschaft des westlichen Monopolkapitals
stützen. Ihre Strategie maß auf dem Prinzip beruhen, daß die einzige
Sprache, die der Kapitalismus versteht, die Sprache der Macht ist.
Drittens heißt
das, daß die Mittelmeer-Länder ihre Investitionspläne und Handelspolitik
koordinieren müssen, zum Wohl der ganzen Region. Langfristig kann
das sehr gut zur Entwicklung eines Gemeinsamen Mittelmeer-Marktes
führen, oder gar zu einer mediterranen Wirtschaftsgemeinschaft.
Viertens heißt
das, daß sie ein großes und modernes Forschungs-Zentrum zur Entwicklung
von Technologien errichten sollten, die den Völkern des Mittelmeerraumes
nutzen. Denn letztlich ist die Technologie das einzige Mittel, die
Infiltration westlichen Kapitals zu stoppen.
Aber das alles
hat eine Grundvoraussetzung: Daß wir den Weg einer sozialistischen
Veränderung unserer Gesellschaften gehen. Eine eigenständige nationale
Entwicklung, die den Bedürfnissen unserer Völker gerecht wird, ist
im Kapitalismus nicht möglich. Aber Sozialismus, die sozialistische
Veränderung unserer Gesellschaften, kann nicht ohne politische und
militärische Unabhängigkeit erreicht werden. Die Befreiung aus dem
Netz politischer und militärischer Abhängigkeit von den USA und
der NATO ist eine notwendige Bedingung.
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