Gladio
Gladio (vom lateinischen Wort für Schwert)
war der Name einer Geheimoperation von NATO und CIA während
des Kalten Krieges. Besonders in Italien aber auch in anderen europäischen
Ländern wurden Schläfer ausgebildet, die im Falle einer
Besetzung des Landes durch Truppen des Warschauer Vertrags Guerillaoperationen
und Sabotage durchführen sollten (sogenannte "stay-behind"-Operationen).
Zu diesem Zweck wurden geheime, illegale Waffendepots angelegt.
Die Mitglieder von Gladio wurden unter anderem aus militärischen
Spezialeinheiten, Geheimdienstkreisen und Rechtsextremisten rekrutiert,
letztere teilweise mit bekanntem kriminellem Hintergrund.
In Italien war der Einsatz von Gladio auch für
den möglichen Fall einer demokratischen Regierungsübernahme
durch die Kommunistische Partei Italiens gedacht, die zeitweilig
die stärkste Partei im italienischen Parlament war.
Siehe dazu auch Operation Demagnetize der CIA in
Italien und Frankreich sowie die sogenannte Strategie der Spannung
in Italien.
Der genaue Umfang der Operation ist bis heute ungeklärt.
Ebenso ist unbekannt, ob sie nach dem Ende des Kalten Kriegs vollständig
eingestellt wurde und was mit der gelagerten Ausrüstung passiert
ist. Eine offizielle Aufarbeitung hat bis heute (2005) in keinem
der beteiligten Länder stattgefunden.
Der Historiker und Gladio-Forscher Dr. Daniele Ganser
sagte in einem Interview: "(...) arbeiteten in anderen Ländern
dieselben Organisationen mit Verbrechern und Terroristen zusammen,
um Attentate zu verüben, welche der Manipulation der Bevölkerung
dienen sollten. In Italien geschah dies, offenbar auch in Frankreich,
in der Türkei, auch in Deutschland und Belgien. In Griechenland
war die Geheimarmee in den Militärputsch von 1967 verwickelt.
Es war nicht die Ausnahme, sondern die Regel. In 8 von 15 Staaten
wurden die "Stay-behind"-Truppen gegen die eigene Bevölkerung
eingesetzt. Dies war möglich, da die Untergrundgruppen nicht
vom Parlament kontrolliert wurden und die Bürger nichts von
den Geheimarmeen wussten."
Der Öffentlichkeit erstmals bekannt wurde Gladio,
als der damalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti
am 3. August 1990 im Rahmen einer Parlamentsanfrage die Existenz
einer "Operation Gladio" des militärischen Geheimdienstes
SISMI bestätigte. Im Oktober des selben Jahres gab er unter
dem Druck der an die Öffentlichkeit gekommenen Briefe des von
den Roten Brigaden entführten und ermordeten Politikers Aldo
Moro zu, dass die Operation entgegen seiner ursprünglichen
Aussagen noch bis in die späten 70er Jahre lief und dass die
NATO maßgeblich an der illegalen Operation beteiligt war.
Literatur
Leo A. Müller, Werner Raith (Hrsg.): Gladio,
das Erbe des Kalten Krieges. Der NATO-Geheimbund und seine deutschen
Vorläufer. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3499129930
Daniele Ganser: Nato's Secret Armies: Operation
Gladio and Terrorism in Western Europe. Frank Cass, London 2005,
ISBN 0714685003
Von " http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio"
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