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Deutscher Vernichtungskrieg gegen die EAM

Fatale Folgen für die griechische Bevölkerung. Von Martin Seckendorf

Die Bildung der Nationalen Befreiungsfront im September 1941 war ein entscheidender Vorgang während der faschistischen Besetzung Griechenlands. Zu keiner Zeit haben die Besatzer die historische Dimension dieses Vorgangs vollständig wahrgenommen. Für sie war EAM eine Tarnorganisation der Kommunistischen Partei Griechenlands. Nur selten erscheint in den Meldungen der Besatzer der Name EAM. Häufig wird einfach von „kommunistischen Aktivitäten“ ausgegangen. General der Flieger Wilhelm Speidel, der Befehlshaber Südgriechenland, schrieb am 5. Juli 1943: „Durch ihre unstreitig großen politischen Erfolge hat die kommunistische Bewegung in ganz Griechenland, besonders aber in und um Athen, an Stärke, an Schlagkraft und vor allem an Ansehen gewonnen.“ Die Verengung auf „kommunistisch“ hatte für die Bevölkerung fatale Folgen. Jeder Grieche, der gegen die Besatzung und für die Befreiung war, galt als kommunistisch beeinflußt.

„90 v. H. Griechen“, schrieb Speidel am 5. Juli 1943, „stehen heute nahezu geschlossen den Besatzungsmächten gegenüber und sind offen zum Aufstand bereit.“ Ein Kommunistenleben aber war den Besatzern nur wenig wert. Im September 1941 hatte der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, angewiesen, da ein „Menschenleben in den betroffenen Ländern vielfach nichts gilt“, sei die Ermordung von „50–100 Kommunisten“ eine angemessene Reaktion auf einen von Partisanen getöteten Deutschen. Diese Haltung führte bei „Säuberungsunternehmen“ der Wehrmacht zu flächendeckenden Verwüstungen und politisch undifferenzierten Massenmorden. So wurden als Reaktion auf Partisanenattacken und „kommunistische Betätigung“ allein im Oktober 1941 im Gebiet um Thessaloniki mehr als 800 Zivilisten getötet und zehn Dörfer zerstört. Ab Mitte 1943 bemühten sich die Besatzer, den Terror zielgenauer einzusetzen. Das flächendeckende Zerstören und politisch blinde Morden behinderte die Ausdehnung der Kollaboration und stärkte den Widerstand.

Die „neue“ Linie, nur noch die „richtigen“ Griechen zu töten, erläuterte der Generalstabschef der Heeresgruppe E, August Winter, im Dezember auf einer Offiziersberatung: „Es geht leider nicht an, alle Leute zu köpfen.“ Bei „Sühneaktionen“ müsse man sich an die „wahrhaft Schuldigen halten, aber nicht völlig unbeteiligte Ortschaften dem Erdboden gleichmachen.“ Dies führe nur zur Verstärkung des Widerstands. Im Befehl der Heeresgruppe heißt es dazu, nach Widerstandsaktionen seien neben den „Tätern“ Personen zu töten, „die ohne mit der einzelnen Tat in Verbindung zu stehen, trotzdem als mitverantwortlich anzusehen sind. Mitverantwortlich sind in erster Linie solche Personen, die sich zum Kommunismus bekennen.“ Alle 1,6 Millionen EAM-Mitglieder und deren Familienangehörige waren Todeskandidaten.