Veranstaltung
Prozess gegen ELA
Prozess gegen 17.November
Haftbedingungen
Solidarität
Staat&Repression
Presse
Erklärungen
Fotos und Plakate
Hintergrund
Aktuelles
Europäisches Sozialforum
in Athen 2006


MAIL

junge Welt, 01.09.2000

Deutschland klagt gegen Kriegsopfer

Antikriegstag: Griechische Justiz berät über deutschen Einspruch gegen Zwangspfändung. jW-Bericht

Am heutigen Freitag berät der Oberste Gerichtshof Griechenlands in Athen über die Klage der deutschen Bundesregierung gegen den Versuch der griechischen Justiz, Zwangspfändungen bei deutschen Einrichtungen in Griechenland vorzunehmen. Anfang Juni hatte ein Gerichtsvollzieher unter Polizeischutz Räume des Goethe- Instituts in Athen vermessen und damit Maßnahmen zur Zwangsvollstreckung eingeleitet. Hintergrund ist eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Athen vom 4. Mai, der eine Entschädigungsklage von rund 300 Klägern vor einem griechischen Gericht bestätigte. Dieses hatte Deutschland wegen eines Massakers im Zweiten Weltkrieg an Bewohnern des mittelgriechischen Dorfes Distomo zur Zahlung von umgerechnet rund 55 Millionen Mark verurteilt. Der griechische Außenminister Michalis Stathopoulos forderte ebenfalls im Juni in einem Zeitungsinterview von Deutschland, neue Verhandlungen über griechische Reparationsansprüche aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufzunehmen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden 1 770 griechische Dörfer zerstört, 400 000 Häuser niedergebrannt, mehr als eine Million Menschen kamen ums Leben, darunter waren über 56 000 von Wehrmacht und SS Ermordete, mehr als 100 000 starben in deutschen Konzentrationslagern.

Junge Welt dokumentiert im folgenden Auszüge einer Chronik deutscher Massaker in Griechenland aus dem in griechischer und deutscher Sprache 1999 in Athen erschienenen "Schwarzbuch der Besatzung".

2. 6. 1941: Der erste Massenmord: Die Nazis exekutieren 300 Bewohner von Kandanos / Chania und machen das Dorf dem Erdboden gleich.

23. 10. 41: Im Messovouno / Eordaias bei Kozani werden 165 Männer erschossen (1943 werden 250 und 1944 150 Frauen hingerichtet), das Dorf wird in Brand gesetzt und dem Erdboden gleichgemacht.

25. 10. 41: Die Nazis ermorden 98 Männer im Alter ab 15 Jahren in Kilkis . Die Dörfer werden bis zur letzten Hütte zerstört.

8. 1. 42: Exekution der ersten zwölf Gefangenen im Lager Pavolos Melas (Thessaloniki).

10. 3. 43: In Kastoria werden 63 Geiseln erschossen.

15. 3. 43: Von Thessaloniki aus beginnt der Abtransport griechischer Juden nach Deutschland; er wird bis zum 10. 8. 44 fortgesetzt. Insgesamt werden 69 151 griechische Juden nach deutschen Konzentrationslagern abtransportiert. Nach dem Krieg komen 2 000 zurück. Der Verhaftung entkomen 8 226 Menschen.

13. bis 16. 9.43: Deutsche Soldaten erschießen 451 Personen in der Provinz Viano Lassithio /Kreta.

13. 12. 43: Der größte Massenmord. Deutsche Soldaten ermorden in Kalavryta 1 104 Männer ab 14 Jahren, insgesamt werden in der Region 1 460 Menschen hingerichtet.

23. 3. 44: Das Dorf Eleftherochori bei Giannitsa wird total zerstört und niedergebrannt, alle Bewohner werden erschossen, auch Kleinkinder.

5. 4. 44: In Kleissoura bei Kstoria werden 270 Frauen, Kinder und alte Männer exekutiert. Die Ortschaft wird niedergebrannt. In Larissa werden 65 Personen aus dem gleichnamigen Lager erschossen.

23. 4. 44: Massenmord in Pirgous / Eordaia : 318 Frauen und Kinder werden in Pyrgous / Eordaia ( Katranitsa ) bei Konzani erschossen.

1. 5. 44: Exekution von 200 Kämpfern, zumeist Kommunisten, auf dem Schießplatz von Kaissariani .

10. 6. 44: In Distomo bei Livadia werden 96 Frauen und Kinder sowie eine unbekannte Anzahl von Personen in der Umgebung umgebracht.

26. 6. 44: In Kynouria / Arkadia werden 212 Einwohner erschossen. Insgesamt werden 500 Einwohner getötet.

13. 8. 44: In Rethymon wird das Dorf Anogia dem Erdboden gleichgemacht, 24 alte Männer werden abgeschlachtet.

22. 8. 44: In Rethymno /Kreta werden 323 Personen erschossen.

16. 4. 45: Auf der Insel Kos werden nach dem Urteil eines deutschen Militärgerichts ein Mann und zwei Frauen erhängt.