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junge Welt, 01.09.2000
Deutschland
klagt gegen Kriegsopfer
Antikriegstag:
Griechische Justiz berät über deutschen Einspruch gegen Zwangspfändung.
jW-Bericht
Am
heutigen Freitag berät der Oberste Gerichtshof Griechenlands in
Athen über die Klage der deutschen Bundesregierung gegen den Versuch
der griechischen Justiz, Zwangspfändungen bei deutschen Einrichtungen
in Griechenland vorzunehmen. Anfang Juni hatte ein Gerichtsvollzieher
unter Polizeischutz Räume des Goethe- Instituts in Athen vermessen
und damit Maßnahmen zur Zwangsvollstreckung eingeleitet. Hintergrund
ist eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Athen vom 4.
Mai, der eine Entschädigungsklage von rund 300 Klägern vor einem
griechischen Gericht bestätigte. Dieses hatte Deutschland wegen
eines Massakers im Zweiten Weltkrieg an Bewohnern des mittelgriechischen
Dorfes Distomo zur Zahlung von umgerechnet
rund 55 Millionen Mark verurteilt. Der griechische Außenminister
Michalis Stathopoulos
forderte ebenfalls im Juni in einem Zeitungsinterview von Deutschland,
neue Verhandlungen über griechische Reparationsansprüche aus der
Zeit des Zweiten Weltkriegs aufzunehmen.
Während des Zweiten
Weltkrieges wurden 1 770 griechische Dörfer zerstört, 400 000 Häuser
niedergebrannt, mehr als eine Million Menschen kamen ums Leben,
darunter waren über 56 000 von Wehrmacht und SS Ermordete, mehr
als 100 000 starben in deutschen Konzentrationslagern.
Junge Welt dokumentiert
im folgenden Auszüge einer Chronik deutscher Massaker in Griechenland
aus dem in griechischer und deutscher Sprache 1999 in Athen erschienenen
"Schwarzbuch der Besatzung".
2.
6. 1941: Der erste Massenmord: Die Nazis exekutieren 300 Bewohner
von Kandanos / Chania und machen das Dorf dem Erdboden gleich.
23.
10. 41: Im Messovouno / Eordaias bei Kozani werden 165 Männer erschossen (1943 werden 250 und 1944
150 Frauen hingerichtet), das Dorf wird in Brand gesetzt und dem
Erdboden gleichgemacht.
25.
10. 41: Die Nazis ermorden 98 Männer im Alter ab 15 Jahren in Kilkis .
Die Dörfer werden bis zur letzten Hütte zerstört.
8.
1. 42: Exekution der ersten zwölf Gefangenen im Lager Pavolos
Melas (Thessaloniki).
10.
3. 43: In Kastoria werden 63 Geiseln erschossen.
15.
3. 43: Von Thessaloniki aus beginnt der Abtransport griechischer
Juden nach Deutschland; er wird bis zum 10. 8. 44 fortgesetzt. Insgesamt
werden 69 151 griechische Juden nach deutschen Konzentrationslagern
abtransportiert. Nach dem Krieg komen 2 000 zurück. Der Verhaftung entkomen
8 226 Menschen.
13.
bis 16. 9.43: Deutsche Soldaten erschießen 451 Personen in der Provinz
Viano Lassithio /Kreta.
13.
12. 43: Der größte Massenmord. Deutsche Soldaten ermorden in Kalavryta
1 104 Männer ab 14 Jahren, insgesamt werden in der Region 1 460
Menschen hingerichtet.
23.
3. 44: Das Dorf Eleftherochori bei Giannitsa wird
total zerstört und niedergebrannt, alle Bewohner werden erschossen,
auch Kleinkinder.
5.
4. 44: In Kleissoura bei Kstoria werden 270
Frauen, Kinder und alte Männer exekutiert. Die Ortschaft wird niedergebrannt.
In Larissa werden 65 Personen aus dem gleichnamigen Lager erschossen.
23.
4. 44: Massenmord in Pirgous / Eordaia : 318 Frauen und
Kinder werden in Pyrgous / Eordaia
( Katranitsa ) bei Konzani
erschossen.
1.
5. 44: Exekution von 200 Kämpfern, zumeist Kommunisten, auf dem
Schießplatz von Kaissariani .
10.
6. 44: In Distomo bei Livadia werden 96 Frauen
und Kinder sowie eine unbekannte Anzahl von Personen in der Umgebung
umgebracht.
26. 6. 44: In Kynouria / Arkadia werden 212 Einwohner
erschossen. Insgesamt werden 500 Einwohner getötet.
13. 8. 44: In Rethymon wird das Dorf Anogia dem
Erdboden gleichgemacht, 24 alte Männer werden abgeschlachtet.
22. 8. 44: In Rethymno /Kreta werden 323 Personen erschossen.
16. 4. 45: Auf
der Insel Kos werden nach dem Urteil eines deutschen Militärgerichts
ein Mann und zwei Frauen erhängt.
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