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Widerstand und Revolution in Griechenland

Griechenland zählt zwar zu den beliebtesten Urlaubsländern der Österreicher, über seine moderne Geschichte ist hierzulande aber meist recht wenig bekannt. In den 1980er und frühen 90er Jahren war Griechenland das Land mit den massivsten und härtesten Klassenauseinandersetzungen in Europa. Aber auch zuvor (auch und besonders während und nach dem 2.Weltkrieg) kann es auf eine wechselhafte und spektakuläre Geschichte von Befreiungskämpfen zurückblicken.

1821/30 vom Osmanischen Reich unabhängig geworden, im 1.Weltkrieg gemeinsam mit Serbien auf Seiten der Entente, wurde Griechenland in der Zwischenkriegszeit von einer reaktionären Diktatur beherrscht. Als Zielgebiet des italienischen Imperialismus (Anspruch auf das Mittelmeer als mare nostra) wurde es 1940 von italienischen Truppen angegriffen. Während der italienischen Armee eine Zeit lang erfolgreich Widerstand geleistet wurde, mußten die Truppen der griechischen Diktatur 1941 vor der überlegenen deutschen Militärtechnologie rasch kapitulieren. Griechenland wurde besetzt, wobei sich Deutschland auf das als Luftwaffenbasis für den östlichen Mittelmeerraum bedeutende Kreta und auf die strategisch wichtigen Hafenstädte Athen/Piräus und Saloniki (remember Kurt Waldheim) konzentrierte und den Rest den verbündeten Italienern und Bulgaren überließ. Die italienischen Truppen waren mit der Zeit von erheblichen Zersetzungserscheinungen betroffen. Wie sehr, zeigte sich beispielhaft bei der Ermordung von Pantelis Pouliopoulos, einem Führer der griechischen Trotzkisten: Der ehemalige Generalsekretär der Griechischen Kommunistischen Partei (KKE), der von den italienischen faschistischen Besatzern zum Tode verurteilt wurde, sprach derart überzeugend zu den italienischen Soldaten des Erschießungskommandos, daß diese sich weigerten, ihn zu erschießen. (Die faschistischen Offiziere mußten das schließlich selbst erledigen.) Nach der italienischen Kapitulation 1943 besetzte die Wehrmacht ganz Griechenland.

In allen Teilen Griechenlands entwickelte sich bald ein erbitterter Widerstand gegen die Besatzer, über den die bürgerlichen und monarchistischen konservativen Kräfte rasch die Kontrolle verloren. Die Führung übernahm die Linke, v.a. die KKE, die sich zum Teil den Weisungen Stalins, der eine Beschränkung des Kampfes auf die Kriegsziele der Alliierten forderte, entzog. In der Folge ging der 2.Weltkrieg in Griechenland in einen Bürgerkrieg über, in dem die Arbeiter und Bauern Griechenlands unter der Führung von dissidenten kommunistischen Kräften für ein sozialistisches Griechenland kämpften. Ihre Gegner waren Monarchisten, ehemalige faschistische Kollaborateure und v.a. die britischen Interventionstruppen, die von der Sowjetunion und der Führung der Kommunistischen Partei unterstützt wurden.

Der Sieg der britischen Militärmacht war kein Sieg für "Demokratie und Freiheit" (wofür die Alliierten ja angeblich kämpften), sondern einer der Reaktion, der mit massiver Unterdrückung und Bürgerkrieg, mit der Wiedererrichtung eines reaktionären sozialen und politischen Regimes endete, das schließlich in den 1960er und 70er Jahren erneut in eine Militärdiktatur mündete. Der vorliegende Artikel von Julia Masetovic stützt sich weitgehend auf Beiträge aus der britischen Zeitschrift Revolutionary History (Volume 3, No 3, Spring 1991 und Volume 3, No 4, Autumn 1991). Er beschäftigt sich vor allem mit zwei Aspekten des griechischen Widerstands: 1) mit der Revolte der Soldaten und Seeleute der griechischen Streitkräfte im Nahen Osten; und 2) mit dem bewaffneten Widerstand in Griechenland, der von der britischen Armee im Dezember 1944 auf Anweisung Winston Churchills zerschlagen wurde.

Hintergründe

Eine Besonderheit Griechenlands, die wir auch in Jugoslawien finden, gegenüber anderen faschistisch besetzten Ländern ist, daß es zuvor einem blutigem Militärregime ausgesetzt war. Das Regime von General Metaxas und König Georg II. hat die Arbeiterbewegung brutal unterdrückt und ihre Führer und Kader in Kerkern auf Inseln interniert. Das zwang die KKE in eine bedrohliche Klandestinität, die die Kommunikation mit Moskau instabil und empfindlich machte. Was die griechischen Kommunisten (wie ihre Genossen im benachbarten Jugoslawien) an den Direktiven der Stalinschen Führung nicht verstanden, war, daß nach dem Tod von Metaxa seine Nachfolger und Henker zu "demokratischen Verbündeten" geworden sein sollten und die Wiedereinsetzung des Königs ein positiver Faktor für die Befreiung der Menschheit sei.

Unmittelbar nach dem deutschen Angriff gab die KKE den Slogan einer verfassungsgebenden Versammlung aus. Das stellte automatisch die "Königsfrage", die Frage, ob Griechenland wieder Monarchie werden sollte. Der König war im Exil, unter dem Schutz von Churchill. Die Forderung der verfassungsgebenden Verfassung setzte ein Hindernis zwischen dem inneren Widerstand und dem exilierten Monarchen, und sie war ein Hindernis für die Annahme der Politik, die die stalinistische Komintern der KKE diktierte. Ab 1942 wurden die Kommunikationen nicht nur zwischen Moskau und der KKE schwierig, sondern auch zwischen der Parteiführung und den Führern der Partisanen. Die KKE begann den Versuch, die Aktivitäten der Partisanen, die in den Bergen und den Arbeitervierteln in den Städten immer stärker wurden, zu kontrollieren und zu zentralisieren. Die Kämpfer wurden von den sogenannten Andartes und Kapetanios geführt, die populär wurden, weil sie die Forderungen der armen Bauern und Pächter aufgriffen.

Der griechische Widerstand (des Proletariats, des Kleinbürgertums und der armen Bauern) ist nicht durch eine organisatorische Entscheidung entstanden. So kletterten in der Nacht vom 30. auf den 31.Mai 1941 zwei Studenten auf die Akropolis und rissen das Hakenkreuz herunter. Für den Historiker Andre Kedros wurde das zum "Symbol der griechischen Verweigerung der Unterwerfung". Zu dieser Zeit organisierten oder provozierten Armeeoffiziere oft die Auflösung der verschiedenen Teile der geschlagenen griechischen Armee. Die ersten Guerrillagruppen entstanden am Land und waren mit Gewehren und Munition ausgerüstet, die sie meist ohne Widerstand auf den Schlachtfeldern und entlang der Straßen, wo die Armee geschlagen wurde, aufsammelten.

Es gibt eine Tradition des ländlichen Kampfes in Griechenland. Der "Bandit" wurde lange als Befreier und Beschützer angesehen und von den Armen verehrt. Kedros berichtet, wie die Dorfbewohner "bewaffnete Banden als ein Gegenmittel zu Armut und Unterdrückung", die durch die Besatzung verursacht oder verstärkt wurden, hervorbrachten. Kleine Gruppen wurden mehr oder weniger überall ins Leben gerufen. Sie wurden spontan gebildet und entwickelten ihre eigenen Führungen. Manche waren junge Männer mit militantem Temperament, andere haben sich ihre Sporen durch die Flucht aus den Konzentrationslagern von Metaxa während des Rückzugs der Armee verdient.

Jedenfalls hat sich die KKE anfangs nicht der Organisierung, Zentralisierung und Entwicklung dieser Gruppen gewidmet. Sie blieb den Anweisungen Moskaus ergeben. Sie betrachtete die Formierung einer "nationalen Front" gegen die Besatzung als ihre erste Aufgabe. Sie war dabei nicht erfolgreich, hauptsächlich deshalb, weil sie trotz ihrer Anstrengungen keine konsequente Politik zur Frage der Wiedererrichtung der Monarchie formulieren konnte. Das war ein sehr sensibler Punkt für die eigenen Unterstützer. Und es war auch ein sehr sensibler Punkt für die politischen Kräfte der angestrebten "nationalen Front", die mit der Bourgeoisie und den Landbesitzern verbunden waren. Diese wollten weder mit der Monarchie und ihren britischen "Beschützern" brechen, noch konnten sie.

Die EAM (Nationale Befreiungsfront) wurde schließlich im September 1941 gegründet, aber sie war nicht die erhoffte "nationale" Front. Außer der KKE beteiligten sich nur zwei sehr kleine sozialistische Formationen, zwei genauso kleine "demokratische" Organisationen und die Gewerkschaften. Trotzdem akzeptierte die EAM nur eine "nationale" Basis für den Kampf. Sie lehnte die Berücksichtigung der sozialen Befreiung ab und richtete sich an die "Nation" - unabhängig von Klassen. Sie konzentrierte sich auf den Versuch, die Unterstützung der oberen Schichten der Gesellschaft zu gewinnen, und ignorierte die Forderungen der Arbeiter.

Der Wunsch, eine "geeinte Nation" (die nicht geeint war) gegen die Besatzer aufrechtzuerhalten und die Klassenkräfte der Volksopposition gegen die Besatzer und die mit ihnen kollaboriernden Teile der Bourgeoisie zu vernachlässigen, hat die Arbeiter und die unteren Schichten der Bevölkerung aber nicht davon abgehalten, den Rahmen der Organisation, die die KKE anbot, zu verwenden. Instinktiv benutzen sie letztere für den Kampf für ihre Forderungen. Der Zustrom von Kämpfern gab der EAM genau den proletarischen Charakter, den sie so sehr vermeiden wollte.

Griechischer Widerstand

Die Arbeiter demonstrierten zu Tausenden am 18. Oktober 1941, dem ersten Jahrestag der italienischen Invasion. Im Dezember 1941 nahmen die Studenten den Kampf auf. Am 26. Jänner und 17. März 1942 gingen die verwundeten Kriegsveteranen, ein besonders unterdrückter Teil der Armen, auf die Straße, unterstützt von Aktivisten der geheimen EAM, die in Uniformen des Krankenhauspersonals versteckt waren. Die Organisation weitete sich aus und entwickelte sich weiter. Am 15. März 1942 gab es in verschiedenen Städten (einschließlich Athen) Streiks für wirtschaftliche Forderungen. Andere Streiks folgten, z.B. der von 40000 öffentlich Bediensteten, in dessen Führung trotzkistische Aktivisten waren. Im August 1942 gab es einen Streik von Düngemittel-Arbeitern in Piräus. Gleichzeitig führten die Kleinbauern am Peloponnes erfolgreich eine Reihe von Demonstrationen durch. Die KKE entschied sich, eine Handvoll von Aktivisten abzustellen, um die Partisanen, die Andartes, im Rahmen der Nationalen Volksbefreingsarmee (ELAS), dem bewaffneten Arm der EAM, zu organisieren.

Ein Bericht der deutschen Abwehr vom November 1942 stellt fest, daß sich ganze Bezirke Griechenlands in der Hand der Partisanen befanden, die Verräter exekutieren, die das Getreide verteilen, das sie durch verpflichtende Abgaben sammeln, daß sie die Dorfbewohner dazu aufrufen, frei ihre Vertreter zu wählen und alle ihre Probleme demokratisch zu diskutieren. Der Kampf der Andartes wurde zu einem Faktor im ländlichen Klassenkampf, durch die Dynamik der Ereignisse und gegen die Absichten ihrer politischen Führer. Die Partisanengruppe, die vom gefeierten Aris Velouchiotis geführt wurde, nahm an spektakulären Sabotageaktionen im Kommunikations- und Transportbereich teil, was die deutsche Militärmaschinerie desorganisierte.

Es ist nicht möglich, hier die Geschichte der Massenbewegung in Griechenland im Detail anzuführen. Am 22. Dezember 1942 streikten 40.000 Menschen. Die Demonstrationen und Streiks, die der Ankündigung eines verpflichtenden Arbeitsdienstes in Deutschland folgten und die sich vom 24. Feber bis 5. März 1943 entwickelten, resultierten in dem einmaligen Fall, daß die Besatzungsmacht die Angelegenheit fallen ließ. Ab 1943 war der bewaffnete Kampf nicht länger die Arbeit von kleinen Gruppen, sondern von richtigen militärischen Einheiten. Wenn sie in einer Region mit dem Ziel der Ausweitung der befreiten Zonen ankamen, fand dort ein sofortiger Massenaufstand der bewaffneten Bevölkerung statt. Kedros erklärt, daß "die ganze Bevölkerung in den bewaffneten Widerstand eingebunden" war. Die Massenbewegungen in den Städten waren nicht zu unterdrücken. Am 25. Juni gab es in Athen einen Generalstreik gegen die Hinrichtung von Geiseln durch die Besatzungsmacht. Der Straßenbahnfahrerstreik, der am 12. Juni begann, hatte dazu geführt, daß 50 Straßenbahner zum Tod verurteilt wurden. Sie wurden durch den Generalstreik gerettet. Ab 1944 waren nicht nur große ländliche Gebiete befreit, sondern die deutschen Truppen konnten sich nur in bewachten Konvoys durch die Städte bewegen. Der "Rote Gürtel", die Arbeiterviertel um Athen, waren nichts anderes als Festungen der bewaffneten Bevölkerung.

Während all dem behaupteten die KKE-Führer, die die EAM und die ELAS kontrollierten, weiterhin, daß sie einen rein nationalen Kampf führten, und verneinten jeden Klassencharakter. Das war freilich in keinster Weise die Meinung der griechischen Exilregierung unter dem Schutz von Churchill. 1942 gruppierten sich Teile des Offizierkorps - "der letzte Schutz des Staates" wie Churchill (in der Zeit Francos!) sagte - in der Grivas Khi-Organisation, der Pan-Organisation, der Militärhierarchie, den Zervasites und den Dentirisites, verbunden mit dem Geheimdienst Metaxas, und organisierten einen Gegenangriff.

Sie versuchten eine "nationale Guerrilla" zu organisieren - mehr mit dem Ziel, die "kommunistische Guerrilla" zu bekämpfen als die Besatzer. Es handelte sich um das exakte Äquivalent zu Mihajlovic in Jugoslawien, dem serbischen Oberst, der die Cetniks anführte, der Minister in der Exilregierung des Königs war und der bewaffnet gegen Titos Partisanen kämpfte. Sie hatten keinen Mangel an Geld oder Ausrüstung. Sie wollten neue Formationen bilden, hofften aber auch, die schlechter ausgerüsteten Aktivisten der ELAS zu unterwandern. Einer der Führer der britischen Sondereinsatzkommandos, Eddie Myers, zitiert in seinen Memoiren ein Dokument zu diesen Fragen. Es bestätigt die trotzkistische Analyse (Notwendigkeit der permanenten Revolution versus stalinistische Etappentheorie/"nationale" Befreiung/Volksfront) und demonstriert, was für eine klare Sicht Churchill hatte, der Vorreiter der existierenden Ordnung, der Stratege der anderen Seite des Klassenkriegs. Myers` Offiziere informierten ihn im April 1943, daß "die Behörden in Kairo nach der Befreiung Griechenlands einen Bürgerkrieg für unvermeidlich halten".

Die Massenbewegung füllte die Reihen der EAM und der ELAS, die immer stärker wurden. Sie wischte die Unterwanderungsversuche vom Tisch und stellte ihre eindeutige Vorherrschaft klar. Oberst Saraphis, der "demokratische" Offizier, der als Mihajlovic von Griechenland ausgewählt wurde, entschied, in die ELAS einzutreten, weil er feststellte, wie effizient und repräsentativ sie war. Die italienische Kapitulation brachte mehr Waffen in die Hände der Andartes und ihrer zivilen Verbündeten, als die Alliierten mit Fallschirmen abwarfen.

Das entscheidende Jahr war 1943. Ioannis Rallis, ein Politiker, von dem auch die Deutschen wußten, daß er in Kontakt mit dem britschen Geheimdienst war, wurde Premierminister des besetzten Griechenlands. Die herrschende Klasse bereitete aktiv und bewußt die Umwandlung des nationalen Krieges in einen Bürgerkrieg vor. In Athen existierten die Sicherheitsbataillons, Milizen mit einer finsteren reaktionären Reputation. Im Exil in Kairo gab es die Bergbrigade. Beide waren dazu gedacht, die Volksbewegung zu zerschlagen. Die KKE erklärte, daß sie mehr denn je die Zusammenarbeit mit der "nationalen Guerrilla" suche, und wünschte "Tolerierung", was bedeutete, auf eine Klassenhaltung zu verzichten, während sich zur selben Zeit die Bourgeoisie auf Angriffe gegen die Linke vorbereitete. Im März 1943 wurde Aris Velouchiotis aus seiner Basis in den Bergen nach Athen vorgeladen - trotz der Gefahren, die eine solche Reise beinhaltete - , um eine schwere Rüge zu erhalten.

Im selben Mai, in dem die Kommunistische Internationale aufgelöst wurde, nahm die KKE eine Orientierung an, von der sie nicht mehr abweichen sollte: "Die KKE unterstützt alle möglichen Kampfmittel für die nationale Befreiung und wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um alle patriotischen Kräfte in einer einzigen unzerbrechlichen nationalen Front zu sammeln, die das ganze Volk vereinen wird, um das ausländische Joch abzuschütteln und an der Seite unserer großen Alliierten die nationale Befreiung zu erlangen."

Zur gleichen Zeit entwickelte die KKE ihre eigene politische Polizei, die OPLA, rekrutiert aus zuverlässigen Mördern. Sie wurde mehr gegen "Trotzkisten" und Linke in den eigenen Reihen eingesetzt als gegen wirkliche Kollaborateure.

Meuterei in Ägypten

Die Politik aller politischen Strömungen wurde dem ersten Test unterzogen, als die griechische Armee in Ägypten meuterte. Die Geschichte dieser Vorgänge ist noch immer ziemlich unbekannt. Die Angelegenheit fand in dem statt, was in Analogie zu Frankreich als "freies Griechenland" bezeichnet werden könnte. Es bestand, nach der Niederlage der griechischen Streitkräfte im April 1941, aus den Resten der griechischen Armee und Flotte, aus führenden Staatsbeamten und Ministern von König Georgs Exilregierung.

Diese Persönlichkeiten, besonders die militärischen Führer, waren wichtige Figuren in der Diktatur Metaxas. Viele Leute glaubten, daß das der Grund für ihren "Verrat" angesichts der Nazi-Invasion war. Trotzdem, wie Dominic Eudes sagt: "Neben der royalen Clique von Offizieren und Politikern wurde in Ägypten jedenfalls der Embryo einer neuen griechischen Armee geformt." Sie war aus Leuten zusammengesetzt, die von Militäreinheiten über den Seeweg gekommen sind, aus Freiwilligen, die große Entbehrungen auf sich genommen hatten, um einzeln nach Ägypten zu gelangen, und aus Seeleuten der Handels- und Kriegsmarine. Es waren Leute, die "gegen Faschismus für Freiheit und Demokratie kämpfen" wollten, wie der neue "liberale" Regierungschef sagte. Ein Konflikt zwischen der Masse der 20.000 Männer, die nach Ägypten gegangen sind, um den Faschismus zu bekämpfen, und der monarchistischen Camarilla, der es wie Churchill vor allem darum ging, "Griechenland vom Kommunismus zu retten", war unvermeidlich.

Im Oktober 1941 wurde innerhalb der griechischen Armee im Nahen Osten eine Geheimorganisation gebildet, die Militärische Organisation für die Befreiung (ASO). Die Ziele waren einfach. Sie wollten griechische Einheiten an die Front schicken, um gemeinsam mit dem Widerstand zu kämpfen. Und sie wollte der Infiltration der Armee in Ägypten durch Sympathisanten Metaxas, die nach dem Krieg in Griechenland ihr Regime wiedererichten wollten, entgegentreten. Die metaxistischen Kader verlangten, daß Kader, die mit der ASO sympathisierten, in großen Umfang aus der Armee entfernt werden sollten. Die Offiziere, die aus der Zweiten Brigade entlassen werden sollten, wurden inhaftiert und ersetzt. Die Meuterer blieben angesichts der Bedrohung standhaft. Die Erste Brigade unterstützte sie. Die Regierung fügte sich dem und akzeptierte, daß die metaxistischen Offiziere isoliert werden sollten - einerseits um zu verhindern, daß die Dinge außer Kontrolle geraten, und andererseits um eine neue Attacke vorzubereiten. In den nächsten Monaten wurden Militäreinheiten aufgelöst, die Rebellen wurden durch Disziplinarmaßnahmen bestraft. Und schließlich wurden die subversiven Elemente hinausgesäubert, und die Offiziere, die isoliert worden waren, wurden zurück in Schlüsselpositionen gebracht.

Die zweite Meuterei war ernsthafter und bedeutender. Die Forderungen der Offiziere unter dem Einfluß der ASO waren zweifellos politischer als zuvor. Unter dem Druck der Mannschaften präsentierte das Komitee für die bewaffnete Koordination - sobald die wirkliche provisorische Regierung des Widerstands in Griechenland, die PEEA, gebildet wurde - eine Petition, die von der Mehrheit der griechischen Soldaten unterzeichnet war. Sie verlangte, daß eine wirkliche Regierung der "nationalen Einheit" auf der Basis der Vorschläge der PEEA gebildet werden sollte. Die Initiative kam weder von der EAM und der ELAS noch von Griechenland, sondern von den Ideen der Soldaten - entsprechend der Situation in ihrem Land und den Bedingungen, unter denen sie wirklich "den Faschismus bekämpfen" könnten.

Am selben Tag, dem 31. März 1944, verlangten die Delegierten der Soldaten und das gemischte Komitee, mit ihrer Petition in der sowjetischen Botschaft empfangen zu werden. Der Botschafter ließ die Tore vor ihnen verschließen. Sie fanden kein Echo und keine Unterstützungszusagen außer vom linken Flügel der britischen Labour Party. In Ägypten aber genossen sie die Sympathie der ägyptischen Bevölkerung, die immer ein nahes Verhältnis zu den griechischen Arbeitern hatte. Es gab eine Serie von Kundgebungen und Demonstrationen in Alexandria und Kairo. Am 4. April intervenierte die ägyptische Polizei, Seite an Seite mit der griechischen Exilregierung und den Briten, und inhaftierte etwa 50 kämpferische Arbeiter und Gewerkschaftsführer, besonders die Führer der griechischen Hafenarbeiter. Das britische Oberkommando seinerseits entwaffnete zwei Regimenter und brachte 280 "Rädelsführer" in Konzentrationslager. Am 5. April entwaffnete es die Einheit, die dem Oberkommando der griechischen Armee angeschlossen war, und internierte die Meuterer. Ab diesem Zeitpunkt standen die Meuterer mit dem Rücken zur Wand. Die Erste Brigade verhaftete dennoch ihre metaxistischen Offiziere, reorganisierte ihr Kommando und verweigerte die Waffenübergabe, die sie als Vorspiel der Internierung betrachtete. Die Bewegung weitete sich auf die Marine aus, auf den Zerstörer Pindos, den Kreuzer Averoff, auf die Ajax und einige andere. Die Besatzungen wählten gemischte Komitees aus Mannschaften und Offizieren, um das Kommando zu übernehmen. Der britische Botschafter bei der griechischen Regierung in Kairo, Reginald Leeper, telegraphierte an Churchill: "Was hier unter den Griechen passiert, ist nichts anderes als eine Revolution."

Churchill übernahm direkt und persönlich die Kontrolle über die Repression. Die Ankunft von König Georg II. war gleichzeitig ein Symbol und eine Provokation. Die Unterstützung der ägyptischen Jugend für die Meuterer war eine Hoffnung. Aber am 13. April erklärte Admiral Cunningham, daß er entschieden habe, die Rebellion mit Gewalt niederzuschlagen und, falls notwendig, die griechischen Schiffe im Hafen von Alexandria zu versenken. Die meuternden Landeinheiten wurden umstellt, das Wasser abgeschnitten, die Eingeschlossenen ausgehungert. Am 22. April wurde vom führenden Metaxisten, Admiral Voulgaris, eine erfolgreicher Überfall auf die Ajax durchgeführt. Auf die anderen Schiffe waren britische Kanonen gerichtet und sie gaben auf. General Paget fuhr seine Panzer gegen die Erste Brigade auf, die in der Folge auch kapitulierte. Innerhalb von wenigen Tagen fanden sich etwa 20.000 griechische Freiwillige der Armee des Nahen Ostens in Konzentrationslagern in Libyen und Eritrea wieder.

Die griechische Armee im Nahen Osten existierte nicht länger. Der Weg war frei für die Bildung von speziell vorbereiteten Stoßtruppen - technisch ausgerüstet und politisch trainiert für den Bürgerkrieg nach der "Befreiung". Die britische Zensur unterdrückte Presseberichte über diese Vorgänge. Es handelte sich nicht um eine kleine Episode, sondern um ein bedeutendes Alarmsignal, was die gewaltsame Antwort der britischen Behörden erklärt. Es entlarvt den Mythos über die "nationale Verteidigung" und die "nationale Einheit". Die 20.000 Freiwilligen wollten "Verteidigung" und "Einheit". Aber ihre Führer wollten nicht und zerschlugen die Freiwilligenverbände. Diese Vorgänge enthüllen die Lüge vom "Krieg gegen Faschismus und für Freiheit und Demokratie". Die Griechen betrachteten Metaxa als erwiesenen faschistischen Diktator. Churchills Politik hatte die Restauration der Herrschaft der Kräfte zum Ziel, auf die sich Metaxa gestützt hatte.

Trotzkis Äußerungen von 1940 über den Krieg wurden konkret. Die griechischen Soldaten im Nahen Osten wollten - mit der Waffe in der Hand - gegen den Faschismus kämpfen. Sie forderten deshalb Offiziere, denen sie vertrauen konnten, verbündeten sich mit der Arbeiterbewegung und bildeten ihre eigenen räteähnlichen Organisationen. Das waren genau die Linien, die Trotzki entwickelte, als er schrieb, daß die Verteidigung der "Demokratie" nicht Leuten wie Marschal Petain überlassen werden könne. Die Massenbewegung, die aus dem Krieg entstand, drückte sich entlang dieser Linien aus - auch in der Armee, dem zentralen Teil der militarisierten Gesellschaft, der nicht weniger wichtig war als die Fabriken.

Revolution und Konterrevolution

Die Gespräche in Moskau und die darauffolgenden Verhandlungen führten zu der Vereinbarung, daß Churchill in Griechenland freie Hand haben sollte. Die KKE und damit die EAM sollte schließlich der Massenbewegung in Griechenland selbst das Genick brechen, nachdem sie der Unterdrückung der Meuterer politisch zugestimmt hatten.

Nach der Krise im April 1944 wurde die Exilregierung in Kairo George Papandreou (einem Konservativen, der nicht durch eine reaktionäre Vorgeschichte völlig diskreditiert war) anvertraut, der half, die antikommunistischen Formationen zu entwickeln. Unter seinem Druck unterzeichneten die Führer von EAM und ELAS am 30. Mai 1944 die Libanon Charter, die den "Terrorismus" der ELAS und die Disziplinlosigkeit der Meuterer verurteilte, die die Frage der Monarchie offen ließ und die einem einzigen Kommando der griechischen Streikräfte und der Wiederherstellung der Ordnung "gemeinsam mit den alliierten Truppen" zustimmte. Die EAM und die ELAS waren damit nicht glücklich, verhandelten einige Wochen und verlangten Ministerposten und einen Wechsel des Premierministers.

Jedenfalls kam dann eine sowjetische Mission, geführt von Oberst Popov, nach Griechenland und machte den Widerständen ein Ende. Die KKE und die EAM traten bedingungslos in die Regierung ein. Als die deutschen Truppen am 12. Oktober 1944 Athen verließen, rief die KKE die griechische Bevölkerung auf, "die öffentliche Ordnung sicherzustellen". Sie stellte auch sicher, daß Papandreou an die Macht gelangte. Dieser kam mit den britischen Truppen an - zu einem Zeitpunkt, als die ELAS im ganzen Land die reale Macht ausübte.

Churchill provozierte den Widerstand, indem er General Scobie, dem Befehlshaber der alliierten Truppen, befahl, die militärischen Formationen der Kollaborateure als "Sicherheitsbataillone" beizubehalten, zu verbieten, daß sie gesäubert wurden, und dafür zu sorgen, daß die Papandreou-Regierung am 2. Dezember 1944 die ELAS-Einheiten entwaffnen konnte. In eine Demonstration am 3. Dezember in Athen gegen die Entwaffnung der ELAS wurde von der Polizei hineingeschossen. Dieser Überfall auf die größte Demonstration der griechischen Geschichte hinterließ dutzende Tote und hunderte Verwundete. Dem folgten in Athen 33 Tage bewaffneter Kampf zwischen den "Ordnungskräften" um Scobie und denen des lokalen Widerstands. Diese "Ordnungskräfte" gegen die Athener Arbeiterschaft bestanden aus etwa 50.000 britischen Soldaten, die zu großen Teilen von der Front gegen Nazideutschland (besonders aus Italien) abgezogen wurden, und aus griechischen monarchistischen und faschistischen Todeskommandos. Churchill telegraphierte an Scobie: "Zögern Sie nicht zu handeln, als befänden Sie sich in einer eroberten Stadt, in der eine lokale Rebellion im Gange ist. Wir müssen Athen halten und beherrschen."

Schließlich konnte Churchill seinen Plan, die griechische Revolution zu zerschlagen, durchziehen. Er erklärte, daß er interveniert habe, um ein "schreckliches Massaker" zu verhindern und um das aufzuhalten, was er den Sieg des "triumphierenden Trotzkismus" nannte - mit einem komplizenhaften Grinsen in Richtung Stalin. Vom 3. Dezember an waren die ELAS-Einheiten, deren Führer sich entschieden hatten, die Waffen nicht auszuliefern, durch die Befehle paralysiert, nicht auf britische Truppen zu schießen, die - wie Churchill es ausdrückte - durch den "goodwill" von Roosevelt und Stalin in Griechenland waren. Den Andartes in Makedonien, den Stoßtruppen und den Kräften in den Bergen wurde von der KKE-Führung befohlen, ruhigzuhalten und der Ausrottung der Kämpfer in Athen zuzusehen. Der Heroismus, mit dem diese kämpften, konnte gegen die Politik der Führer nicht die Oberhand gewinnen. Letztere hatten sich entschlossen, die Kämpfer in die Kapitulation zu führen, die von Moskau verlangt wurde.

Die Varkiza-Vereinbarung vom 15. Feber 1945 sah vor, daß alle Kräfte des Widerstands entwaffnet werden sollten, aber die ELAS-Kräfte in Athen unterwarfen sich dem nicht. Die Kräfte am Land unterstützten sie nicht. Zu diesem Zeitpunkt verstand Aris Velouchiotis das Ausmaß des Verrats der KKE. Am 12. Juni wurde er in der KKE-Zeitung Rizospastis angegriffen. Am 16. Juni wurde er ermordet, und am 18. Juni wurde sein Kopf öffentlich in den Dörfern ausgestellt. Es ist nicht klar, wie viele Widerstandskämpfer in dieser Zeit im Feuer der britischen Armee und der konterrevolutionären Formationen, die die Deutschen in Athen und die Briten in Kairo gebildet hatten, gefallen waren. Trotzdem waren auch nach dieser Niederlage noch einige weitere Jahre Bürgerkrieg und stalinistischer Verrat notwendig, um das Kampfpotential der griechischen Revolution in dieser Periode zu erschöpfen.

Literatur zum Widerstand und zur Revolution in Griechenland: * A.Kedros, La Resistance Greque: 1940-44; * S.Vukmanovic-Tempo, How and Why the People`s Liberation Struggle of Greece Met With Defeat, London 1985; * D.Eudes, The Kapetanios, 1972; * W.Churchill, The Second World War, Volume 5, London 1952; * M.Spiro, The Greek Revolution, Quatrieme Internationale 1945;* L.Trotzki, Schriften zum imperialistischen Krieg, Frankfurt/Main 1978; * L.Karliaftis, Stalinism and Trotskyism in Greece, 1924-1949, in: RH V.3 No.3 Spring 1991; * L.Karliaftis, On War and Revolution, in: RH V.3 No.3 Spring 1991; * L.Karliaftis, In Devotion to P Pouliopoulos and the Militant Trotskyists/Archeiomarxists Killed by the Fascists and the Stalinists; * D.G.Kousoulas; Revolution and Defeat: The Story of the Greek Communist Party, Oxford 1965; * A.Stinas, Memoires, Montreuil 1990; *Ê P.Broue, How Trotsky and the Trotskyists confronted the Second World War, in: RH, V.3, No.4, Autumn 1991

http://www.agmarxismus.net/vergrnr/m04_2_griechenl.htm