Vergeltungs- oder Sühnemaßnahmen auf meist
unbeschreibliche Weise ermordet
worden.
Bei alle dem ist zu beachten, dass die Verluste und die Zerstörungen
erfolgten, obwohl in Griechenland bis auf wenige Tage im April 1941
kein militärischer Großkampf stattgefunden hat. Die Toten
und Zerstörungen sind also nicht Folgen "normalen"
Kriegsgeschehens, wie die in Deutschland noch immer vorherrschende
Meinung besagt.
Es erhebt sich die Frage nach den Ursachen der Menschenverluste
und materiellen Schäden. Zwei Möglichkeiten sind denkbar:
Waren die oft unbeschreiblichen Massaker an Zivilisten Ausschreitungen
einzelner Soldaten bzw. Ausflüsse intensiver faschistischer
Aufhetzung der Soldaten gegen die Griechen? Oder - das ist die zweite
Möglichkeit - waren sie Ausdruck und Ergebnis einer politisch-militärischen
Konzeption zur Machtsicherung. Sichere Anhaltspunkte zur Beantwortung
der Fragen - ob Exzess oder Konzept - bietet ein Blick auf die den
deutschen Truppen erteilte Befehle, in denen sich die Strategie
für die Okkupationspolitik widerspiegeln muss. Denn, auch dass
gehört zu den historischen Rahmenbedingungen und den Grundtatsachen:
Im besetzten Griechenland gab es keine oberste zivile Okkupationsbehörde.
Die deutschen Besatzungszonen waren vom ersten bis zum letzten Tag
der Besetzung Operationsgebiet der Wehrmacht mit permanentem militärischem
Ausnahmezustand. Die Militärs hatten die oberste, die vollziehende
Gewalt. Wegen ihrer juristischen und tatsächlichen Stellung
im Okkupationsregime war die Wehrmacht nicht nur für die innere
und äußere Sicherheit des besetzten Gebietes zuständig.
Sie war u.a. auch wesentlich für die "wirtschaftliche
Ausnutzung" des Landes verantwortlich. Anders als in vielen
anderen besetzten Gebieten war die Wehrmacht in Griechenland entscheidend
auch an der "Endlösung der Judenfrage" beteiligt.
Als der Rabbi von Thessaloniki den Kollaborationsministerpräsidenten
darum bat, bei den Deutschen gegen die Deportation der fast 50000
Juden Salonikis und damit gegen die Vernichtung einer mehr als 2000
Jahre alten Kultur Einspruch zu erheben, wurde vom Befehlshaber
Saloniki-Ägäis veranlasst, ihn wegen Widerstands gegen
einen militärischen Befehl mit samt seiner Familie zu deportieren.
Nicht SS- oder NSDAP-Bonzen bestimmten in Griechenland. Alle für
die Griechen oder für Griechenland wichtigen Fragen wurden
von der Wehrmacht entschieden.
Die Befehlslage für die Wehrmacht, insbesondere für
die Gebirgstruppen
1.Kreta
Die ersten Befehle und Beispiele für kollektive Gewaltmaßnahmen
gegen Zivilisten sind aus Kreta überliefert. Im Mai 1941 brachte
eine kombinierte Luft- und Seelandung die Insel in deutschen Besitz.
Die Eroberung wird bis heute - leider nicht nur in der Trivialliteratur
- als einzigartige soldatische Leistung glorifiziert. Bei der Invasion
trafen die Deutschen auf nicht für möglich gehaltenen
Widerstand. Die deutschen Verluste bei der Eroberung Kretas waren
um ca. 20 Prozent höher als bei den vorausgegangenen Feldzügen
gegen Jugoslawien und das griechische Festland zusammen. Der Nimbus
der unbesiegbaren Wehrmacht so kurz vor dem großen Ostkrieg
war empfindlich beschädigt.
Besonders schockierte die Deutschen, dass sich die Zivilbevölkerung
in großer Zahl an der Verteidigung beteiligte - ein von der
Haager Landkriegsordnung gedecktes Verfahren. Für deutsche
Militärs aber war bewaffneter Widerstand des Volkes eine kriminelle,
todeswürdige Handlung. Auf Kreta wurde die Wehrmacht zum ersten
Male im Zweiten Weltkrieg mit einem Volkskrieg konfrontiert.
Die Wehrmacht reagierte mit ungeheurer Brutalität. Noch während
der Kämpfe kam es zu Massenerschießungen und zur Zerstörung
von Dörfer. Der Kommandeur der 5. Geb.Div., Generalmajor Ringel,
befahl, "für jeden deutschen Verwundeten oder Gefallenen
10 Kreter zu erschießen, Gehöfte und Dörfer, in
denen deutsche Truppen beschossen werden, niederzubrennen, in allen
Orten Geiseln sicherzustellen."
Am 31.5.1941, nach Abschluss der Kämpfe, erhielt die 5. Geb.Div.,
der auch Fallschirmjäger unterstellt worden waren, einen umfassenden
Befehl zur Handhabung der Terrormaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung.
Der Grundsatzbefehl des auf Kreta führenden Generalkommandos
XI. Fliegerkorps unter General Student folgte dem Prinzip, Rache
für die unerwartet hohen Verluste und für die Auflehnung
der Zivilbevölkerung zu nehmen sowie in starkem Maße
durch wahrlich maßlosen Terror vorbeugend gegen möglichen
Widerstand zu wirken. Es ist der in der deutschen Militärgeschichte
bis dahin furchtbarste Befehl.
In dem Befehl heißt es: "Es ist einwandfrei festgestellt,...
dass sich die Bevölkerung von Kreta (auch Frauen u. Jugendliche)
im weitesten Umfange am direkten Kampfe beteiligt hat....Jetzt ist
die Zeit gekommen,... Vergeltung zu üben und Strafgerichte
abzuhalten, die auch als Abschreckungsmittel für die Zukunft
dienen sollen. Als Vergeltungsmaßnahmen kommen in Frage:
1.) Erschießungen
2.) Kontributionen
3.) Niederbrennen von Ortschaften(vorher Sicherstellung
aller Barmittel)
4.) Ausrottung der männlichen Bevölkerung
ganzer Gebiete..."
Die Maßnahmen sollten "mit größtmöglicher
Beschleunigung" durchgeführt werden "unter Beiseitelassung
aller Formalien u. unter bewusster Ausschaltung von Gerichten".
Danach kam es auf Kreta massenhaft zu Tötungsaktionen und
zu großflächigen Zerstörungen. Nach griechischen
Schätzungen wurden in Vollzug dieses Befehls innerhalb von
drei Monaten mindestens 2000 Kreter ermordet.
2. Radikalisierung der Befehle auf dem Festland nach dem Muster
von Kreta
Die Vorgänge auf Kreta beeinflussten in starkem Maße
auch die Befehlslage für die Bekämpfung von Widerstand
auf dem Festland. Obwohl dort keine Gebirgsjäger stationiert
waren, muß kurz auf diese Befehle eingegangen werden, da sie
ein Beispiel dafür sind, wie sich durch die Entwicklung der
Gesamtkriegslage und dem Anwachsen des Widerstandes gegen die Besatzer
das Befehlssystem und die Besatzungspolitik radikalisierten. Außerdem
schufen die Befehle der Jahre 1941/42 eine normative Grundlage für
das Wirken der Gebirgsjäger, als sie im Frühsommer 1943
wieder nach Griechenland zurückkehrten.
Auf dem Festland kam es ab Juli/August 1941 zu Unruhen. Ursache
war vor allem die immer schlechter werdende Lebenslage. Die Wehrmacht
reagierte nach dem auf Kreta praktizierten Modell. Mit Massenhinrichtungen
auf besonders grausame Weise sollten Widerstandsaktionen geahndet
und in breiten Bevölkerungskreisen lähmendes Entsetzen
erzeugt werden. Gegenüber Kreta gab es zwei Neuerungen: Die
Massaker wurden zunehmend auch mit dem Vorwurf "kommunistischer
Betätigung" begründet und die Wehrmacht errichtet
in Thessaloniki das erste nach deutschem Vorbild aufgebaute KZ auf
griechischem Boden, das als Haft- und Richtstätte sowie als
Geiselreservoire diente. Die deutsche Strategie zur Bekämpfung
jeglichen Widerstands auf dem Kriegsschauplatz Balkan ist deutlich
in den September-Befehlen des OKW zu erkennen. Hitler forderte,
"im Gesamtraum mit den schärfsten Mitteln die Ordnung
wieder herzustellen". Am 16.9.41, erließ der Chef des
Oberkommandos der Wehrmacht(OKW), Keitel, Richtlinien, wie der Hitlerbefehl
umzusetzen sei.
"Um die Umtriebe im Keime zu ersticken", heißt
es, "sind beim ersten Anlass unverzüglich die schärfsten
Mittel anzuwenden, um einem weiteren Umsichgreifen vorzubeugen.
Dabei ist zu bedenken, dass ein Menschenleben in den betroffenen
Ländern vielfach nichts gilt und eine abschreckende Wirkung
nur durch ungewöhnliche Härte erreicht werden kann. Als
Sühne für ein deutsches Soldatenleben muss im allgemeinen
die Todesstrafe für 50 bis 100 Kommunisten als angemessen gelten.
Die Art der Vollstreckung muss die abschreckende Wirkung noch erhöhen."
Auf der Grundlage der Septemberbefehle kam es in Griechenland
zu zahlreichen großen Tötungsaktionen. Allein im Oktober
1941 wurden im Bereich des Befehlshabers Saloniki-Ägäis
mehr als 800 Zivilisten umgebracht und mindestens 7 Dörfer
zerstört.
3. Kriegswende: Das OKW verlangt Friedhofsruhe in der Festung
Mit der Kriegswende wurden die Befehle weiter verschärft.
Vom OKW bis zur letzten Kreiskommandantur wurde unverblümt
zum Massenmord, auch an Frauen und Kindern, aufgefordert. In den
Einheiten erzeugte man eine dazu passende antikommunistische Hysterie,
die nun auch für Griechenland zunehmend mit rassistischen Argumenten
untermauert wurde. Nach den Lagebeurteilungen der Militärs
waren nämlich die Griechen in ihrer Mehrzahl "deutschfeindliche
händlerische Levantiner" und, was einem Todesurteil gleichkam,
zum größten Teil kommunistisch beeinflusst. Außerdem
tauchen in den Befehlen zwei neue, verhängnisvolle Elemente
auf: Den Soldaten wurde in jedem Fall Straffreiheit zugesichert
und eine "weichere" Kampfführung als " Verrat
am deutschen Volk " gebrandmarkt. Relativ neu in so hohen Befehlen
ist auch der völkerrechtswidrige Begriff "Mitläufer",
die wie Partisanen sofort und ohne Prüfung zu töten waren,
wodurch die Massaker eine neue Größenordnung erreichten..
Am 16.12.1942 erließ das OKW einen Befehl, in dem folgendes
angeordnet wurde:
Der Kampf gegen Partisanen solle "mit den allerbrutalsten
Mitteln" geführt werden. Die Truppe sei "berechtigt
und verpflichtet, ohne Einschränkung auch gegen Frauen und
Kinder jedes Mittel anzuwenden, was zum Erfolg führt. Rücksichten,
gleich welcher Art, sind ein Verbrechen gegen das deutsche Volk
und den Soldaten an der Front.... Kein in der Bandenbekämpfung
eingesetzter Deutscher darf wegen seines Verhaltens im Kampf gegen
die Banden und ihre Mitläufer disziplinarisch oder kriegsgerichtlich
zur Rechenschaft gezogen werden."
Die Ungeheuerlichkeit des Befehls, der mit dem überhöhten
Superlativ eigentlich schon nicht mehr in einer militärischen
Sprache geschrieben ist, wird bei einem Blick auf die Entstehungsgeschichte
deutlich. Am 1.12.42 kam es im "Führerhauptquartier"
zu einer Diskussion über einen Befehlsentwurf zur verschärften
Partisanenbekämpfung. Hitler forderte von der Generalität,
der Befehl dürfe für das Verhalten der Soldaten keinerlei
Beschränkungen erhalten, er müsse die Soldaten generell
vor kriegsgerichtlicher oder disziplinarischer Bestrafung schützen,
aber alle die nicht so brutal vorgingen, als Volksverräter
diskriminieren. Der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, Jodl
versicherte, die "Truppe" unterläge keinerlei Beschränkungen.
Die Soldaten könnten auch mit Frauen und Kindern "machen,
was sie wollen". Jodl hob hervor: "Sie dürfen sie
aufhängen, verkehrt aufhängen oder vierteilen."
Der Tenor dieser zentralen Vorschrift setzte sich in den Befehlen
der Regionen fort. So erließ der Oberbefehlshaber Südost
am 14.Juli 1943 einen Befehl an die neu zugeführten Verbände,
darunter an die 1. Gebirgsdivision, zur Vorbereitung auf eine alliierte
Invasion, in dem es hauptsächlich um die Einschüchterung
der Bevölkerung ging - Partisanen spielen in dem Befehl kaum
keine Rolle. Außerdem wird das OKW Muster übernommen
- ("schärfste Maßnahmen" gegen die Bevölkerung,
Straffreiheit für Maßnahmen der Deutschen, "weiches"
Verhalten von Kommandeuren und Soldaten wird als Verrat gebranntmarkt.)
In
dieser radikalisierten Atmosphäre wurde die 1.Geb.Div., die
"Edelweis-Division" vom "Osten" auf den Balkan
verlegt mit der Aufgabe, eine alliierte Landung abzuwehren, zuvor
die Partisanenbewegung zu zerschlagen und die Bevölkerung derart
einzuschüchtern, dass sie sich im Invasionsfall nicht gegen
die Deutschen erhebe. Die Befehle der 1.Geb.Div. für ihren
neuen Einsatzraum lagen ganz im Kontext der geltenden Bestimmungen.
Am 8. April 1943 erließ der Kommandeur der 1. Geb.Div. einen
Sühnebefehl für das Operationsgebiet der Division in Serbien.
Darin heißt es, nicht nur Partisanen, sondern auch deren "Helfer"
seien sofort zu erschießen. Unter dem Kapitel "Sühnequoten"
wurde befohlen: Für einen getöteten Deutschen fallen 50
Sühnegefangene, für einen verwundeten Deutschen fallen
25 Sühnegefangene. Für jeden Anschlag gegen geschützte
Objekte fallen bis zu 100 Sühnegefangene.
Im Frühsommer zog die Div. mit der gleichen Aufgabenstellung
weiter in Richtung Griechenland. Für den Einmarsch in Griechenland
hatte der Kommandeur am 7.Juli 1943 einen gesonderten Befehl erlassen.
Darin werden folgende Richtlinien für die "Kampfführung"
angewiesen: "Bei Säuberung bandengefährdeter Gebiete
ist schärfstens durchzugreifen. Alle Ortschaften, die den Banden
als Zuflucht dienen können, sind zu zerstören, die männliche
Bevölkerung ist, soweit sie nicht wegen Verdachts der Teilnahme
am Kampf oder Unterstützung der Banden erschossen wird, restlos
zu erfassen und als Gefangene abzuschieben. Bei Sabotagefällen ...
sind strengste Sühnemaßnahmen gegen die Bevölkerung
zu treffen ... .Jede Weichheit in der Behandlung der Bevölkerung
wird der Truppe als Schwäche ausgelegt ... " Bemerkenswert
an dem Befehl ist, dass schon der "Verdacht" ausreichte,
um die gesamte männliche Bevölkerung einer Ortschaft zu
erschießen. Die Tötungsquote, die vorher (s.o. Befehl
v. 8.4.43) noch penibel festgelegt worden war, blieb nun nach oben
offen und wurde nur begrenzt durch die Zahl der habhaft gewordenen
Männer. Das traf auch auf die angeordneten "Sühnemaßnahmen"
bei Sachbeschädigung durch Griechen zu, die als Sabotagefälle
kriminalisiert wurden. Schwerwiegend war auch die Festlegung, alle
Ortschaften, die den Partisanen als Zuflucht dienen können,
zu zerstören und die männliche Bevölkerung, soweit
sie nicht erschossen wird, in die Gefangenschaft abzuführen,
wo sie nach einem Befehl Hitlers als militärische Zwangsarbeiter
eingesetzt werden sollten. Ob erschossen oder zur Zwangsarbeit abgeschoben
wird, lag im Ermessen des jeweiligen Einheitsführers der 1.Geb.Div.
Nur bei "Erschießungen in größerer Anzahl"
musste die Genehmigung eines Regimentskommandeurs eingeholt werden.
Der Befehl sagt nichts aus, was mit den Frauen und Kindern eines
so ausgelöschten Dorfes geschehen sollte. Außerdem hatte
das OKW die Kommandeure auf dem Balkan ausdrücklich ermächtigt,
anzuordnen, "dass keine Gefangene gemacht werden bzw. dass
Gefangene und im Kampfraum ergriffene Bevölkerung erschossen
werden dürfen."
Wie diese Befehle umgesetzt wurden, wie also die okkupationspolitische
Praxis war, möchte ich an einem Dokument zeigen, dessen Verfasser
nicht verdächtigt werden kann, ein Feind der Deutschen oder
ein Sympathisant der Partisanen gewesen zu sein. Am 19. Dezember
1943 schrieb der Ministerpräsident der von den Deutschen eingesetzten
griechischen Kollaborationsregierung seinem deutschen Dienstherrn,
dem Militärbefehlshaber Griechenland, General Speidel, einen
Brief. Darin beklagt er die Art des Kampfes der Deutschen gegen
die Partisanen. Er wies Speidel darauf hin, dass bei Fortsetzung
dieser Kampfführung Griechenland in kurzer Zeit vollkommen
zerstört sei. Über Vorkommnisse im Operationsgebiet der
1. Gebirgsdivision berichtete der Grieche: "Bei dieser Gelegenheit
sei es mir gestattet, Ihnen mitzuteilen, dass einige Dörfer
des griechischen Epirus, infolge von Erschießungen völlig
ausgerottet wurden. So wurde das Dorf Komeno bei Arta, welches 1000
Einwohner zählte, das Opfer einer furchtbaren Dezimierung.
750 Einwohner dieses Dorfes wurden von deutschen Soldaten erschossen.
In dem Dorf Lyngiades bei Paramythia wurden 82 Einwohner erschossen,
unter diesen 42 Kinder unter 15 Jahren. ... So wurden in einem nur
kleinen Gebiet über 1000 griechische Bürger getötet...Obige
Dörfer wurden zur Gänze in Brand gesteckt, aber die Zahl
der in dem Bereich des Generalgouvernements Epirus in Brand gesteckten
Dörfer beträgt nach offiziellen Meldungen an mich, mehr
als 100." Der Grieche weist hier schon auf Komeno hin, das
erst viel später in der historischen Literatur als eines der
furchtbarsten Massaker an Frauen und Kindern bezeichnet wurde -
ein Massaker verübt von einer Kompanie der 1. Geb.Div. am 16.
August 1943.
Es gibt aber auch indirekte Belege dafür, dass die Kampfführung
der Gebirgsjäger in Griechenland im Kontext mit der schriftlichen
Befehlslage ungeheuer grausam gewesen sein muss. U nter dem Punkt
'Erfahrungen allgemeiner Art' beschreibt der evangelische Pfarrer
der 1. Geb.Div. Rudolf Schwarz einen Ausschnitt seinen Tätigkeiten
als Feldgeistlicher der Division. in der Zeit vom 21. Juni bis 30.
September 1943 in Griechenland wie folgt: "Eine schwere innere
Belastung ihres Gewissens bedeutet für viele das Töten
müssen von Frauen und Kindern bei den Unternehmen gegen die
Banden. Darüber wurde dem Pfarrer gegenüber des öfteren
geklagt.
Aber auch die nüchterne Diktion der schriftlichen Befehle
ist Beweis genug. Gegen alle Kriegsbräuche und die primitivsten
Regeln modernen Kriegsrechts befahl der Kommandierende General des
XXII. Gebirgsarmeekorps, Lanz, einen ungehemmten Rachefeldzug gegen
ein Gebiet, in dem ein Regimentskommandeur. der 1. Geb.Div. im Oktober
43 mehr durch einen Verkehrsunfall als durch Einwirkung der Partisanen
ums Leben gekommen war. In Vollzug dieses Befehls wurden von der
Edelweis-Division im Gebiet um Arta etwa 200 Zivilisten umgebracht
und 7 Dörfer ausgelöscht.
4.Mord an italienischen Soldaten
Ein
weiteres blutiges Kapitel des Einsatzes deutscher Gebirgsjäger
in Griechenland bildeten die Mordaktionen an Soldaten des ehemaligen
Verbündeten Italien. Innerhalb weniger Wochen nach dem Austritt
Italiens aus dem faschistischen Bündnis am 8. 9. 1943 wurden
an der griechischen Westküste und in Südalbanien von deutschen
Soldaten, vorwiegend aus Einheiten der 1. Geb.Div., etwa 5000 italienische
Militärangehörig ermordet. Die Italiener wurden nach der
Gefangennahme umgebracht. Soldaten der 1.Geb. Div. richteten in
diesem Zusammenhang auf der ionischen Insel Kefalonia das größte
Einzelmassaker auf griechischem Boden an. Mehr als 4000 italienische
Soldaten wurden dort nach der Gefangennahme erschossen. Natürlich
lagen diesen Massakern Befehle von ganz "oben" zugrunde(Befehle
des OKW vom 15.und 18.9.1943). Aber bei dem Verhalten der deutschen
Gebirgsjäger spielten auch rassistische und volkskulturelle
Ressentiments, verbunden mit Rachegefühlen gegen die "Verräter
vom 8. September", eine große Rolle. Geschürt wurden
diese Ressentiments durch die deutsche Propaganda und das hohe Offizierkorps.
Beide Komponenten - der Befehl und die Hetze der Propaganda und
der Offiziere, u.a. vom Oberbefehlshaber der Heeresgruppe E, Generaloberst
Löhr, - führten dazu, dass die Massaker am einstigen Verbündeten
so entsetzlich grausam abliefen, vielfach sadistische Züge
aufwiesen.
5. Eskalation 1944
Ende 1943 wurde die Befehlslage zur Bekämpfung des Widerstandes
modifiziert. Die Partisanen hatten 75% Griechenlands befreit und
fügten den deutschen Truppen empfindliche Verluste zu. Eine
alliierte Invasion wurde immer wahrscheinlicher. Die Gesamtkriegslage
erlaubte aber keine Verstärkung der deutschen Truppen. Man
verfiel auf die Idee, das ungünstige Kräfteverhältnis
durch verstärkte Propaganda auszugleichen. Ziel war, den Zustrom
zu den Partisanen zu stoppen und immer mehr Griechen zur Zusammenarbeit
mit den Deutschen auch im bewaffneten Bereich zu bewegen. Die Partisanen
sollten vorrangig nicht mehr von Deutschen sondern von Griechen
bekämpft werden. Das wichtigste Mittel dazu war eine bis dahin
beispiellose antikommunistische Propaganda, verbunden mit der Darstellung
des deutschen Kampfes als Schlacht für ein geeintes, vom Bolschewismus
befreites Europa. Um mehr Griechen auf die deutsche Seite zu ziehen,
war es aber auch erforderlich, dass das bislang politisch völlig
undifferenzierte Töten, bei dem oft auch Kollaborateure und
deren Angehörige nicht verschont wurden, aufhörte. Der
Terror sollte sich wie die Propaganda zielgenauer gegen die linken
Kräfte des Widerstandes richten und kollaborationsbereiten
Griechen das Leben garantieren. Am 8. Dezember 1943 sagte der Generalstabschef
der Heeresgruppe E auf einer Besprechung zu den deutschen Planungen:
"Es geht leider nicht an, alle Leute zu köpfen",
da dies nur immer mehr Griechen zu den Partisanen treibt. Man brauche
nicht unbedingt weniger zu töten. Es komme darauf an, die politisch
richtigen Griechen zu treffen, die "wahrhaft Schuldigen".
Ein Grundsatzbefehl vom 22.12.1943 fasste die neue Linie zusammen.
Danach war nach einer Partisanenaktion in folgender Reihenfolge
zu töten:
1.Die Täter. 2. Wenn diese nicht fassbar waren - was meist
der Fall war -, sollten Mitschuldige erschossen werden, nämlich
Personen, bei denen man eine "offene oder versteckte Mitwirkung
oder ein bewusst passives Verhalten gegenüber den Tätern"
vermutete. 3. Schließlich heißt es: "Lassen sich
derartige Mitschuldige nicht finden, so muss auf Personen zurückgegriffen
werden, die ohne mit der einzelnen Tat in Verbindung zu stehen,
trotzdem als mitverantwortlich anzusehen sind. Mitverantwortlich
sind in erster Linie solche Personen, die sich zum Kommunismus bekennen."
Damit war die Dimension des Vernichtungskrieges gegen Links umrissen.
Zur damaligen Zeit gehörten 1,6 Mill. Griechen (von rd. 6,5
Mill. Einwohnern) den als kommunistisch bezeichneten politischen
und militärischen Verbänden des Widerstandes an. Die nationale
Befreiungsfront EAM, die Gesamtvereinigung des "linken"
Widerstandes, war die größte politische Organisation,
die es je in der griechischen Geschichte gegeben hat.
Trotz des Bemühens, gezielter vorzugehen, eskalierten die
Todeszahlen. Aktionen mit 100 und mehr Toten sowie riesigen Verwüstungen
wurden 1944 fast alltäglich In den drei Sommermonaten des Jahres
1944 sind im statistischen Mittel täglich 106 bis 110 Griechen
als Geiseln oder bei Sühnemaßnahmen ermordet worden.
Eine Ursache für die Eskalation der Opferzahlen, die eigentlich
wegen der auf "chirurgisch saubere Schnitte" angelegten
Orientierung gegenüber vorher sinken sollte, war, dass der
Befehl am Prinzip Prävention durch Abschreckung festhielt.
Die massenhafte Tötung auch von Frauen und Jugendlichen war
zwingend vorgeschrieben, der "sühnefähige" Personenkreis
durch den Straftatbestand "passives Verhalten" deutlich
erweitert und für Erschießungen keine Obergrenzen festlegt
worden. So wurden am 3. Mai 1944 für einen bei einer Partisanenaktion
umgekommenen Divisionskommandeur 325 Griechen umgebracht - eine
Quote, die selbst im "Osten" selten erreicht wurde. Eine
weitere Ursache für die Eskalation des Terrors war die Festlegung,
in Kampfgebieten gelten die alten Bestimmungen. d.h. in den von
der Wehrmacht als "partisanenverseucht" bezeichneten Regionen
waren weiterhin alle Einwohner, unabhängig von ihrer politischen
Haltung, "sühnefähig".
Der Befehl blieb bis zum deutschen Rückzug die Grundlage
der Okkupationspolitik.
Schluss
Der kurze Blick auf die Strategien zur Sicherung der deutschen
Herrschaft in Griechenland zeigt:
die massenhafte Tötung von Zivilisten sowie umfangreiche
Zerstörungen angeordnet.
Der Überfall aber war die Voraussetzung, in vielen Fällen
auch direkte Ursache für alle anderen den Griechen zugefügten
Leiden und auferlegten Lasten.
Autor zu erreichen über
Berliner Initiative "Griechenland unterm Hakenkreuz"
www.geocities.com/hellasunterdemhakenkreuz
E-mail
hellasunterdemhakenkreuz@yahoo.de