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Martin Seckendorf/ Vortrag am 20.5.03 in Jena

Gebirgsjäger der Wehrmacht in Griechenland 1941-1944

Heute vor 62 Jahren erfolgte der erste Großeinsatz deutscher Gebirgsjäger in Griechenland.

Unterstützt von Fallschirmjägern begann die 5. Gebirgsdivision(Geb.Div.) mit der Eroberung Kretas.

Während des Zweiten Weltkrieges waren in Griechenland zu verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlicher Aufgabenstellung zwei Gebirgsdivisionen und ein der Wehrmacht unterstelltesn SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment eingesetzt.

- Zwischen April und Oktober 1941 war die 5. Geb.Div. in Griechenland stationiert. Diese "Gams-Division" unter Generalmajor Ringel war mit annähernd 14000 Soldaten die militärische Hauptkraft zur Besetzung der Insel Kreta. Noch während der Kämpfe installierte die Division ein beispielloses Terrorregime gegen die Zivilbevölkerung der Insel. Die Division tauchte im November 1943 in Italien auf, wo sie nicht nur im infanteristischen Kampf gegen die Anglo-Amerikaner, sondern auch zur Bekämpfung der Zivilbevölkerung eingesetzt wurde.

- Ab Frühsommer 1943 rückte aus Jugoslawien kommend die 1. Geb.Div., die "Edelweis-Division", in Nordwestgriechenland und Albanien ein. Ihre Hauptaufgabe war anders als die der 5. die Abwehr einer von der deutschen Führung erwarteten alliierten Großlandung an der griechisch/albanischen Küste. Wesentlicher Bestandteil des militärischen Auftrages war die Vernichtung aller Widerstandskräfte schon vor der alliierten Landung. Außerdem glaubte man, die Zivilbevölkerung in den voraussichtlichen Landungsräumen sei "deutschfeindlich" eingestellt. Durch permanenten Terror sollte die Bevölkerung deshalb derart eingeschüchtert werden, dass sie im Invasionsfall nicht wage, sich gegen die Deutschen zu erheben. Durch die Vernichtung der Partisanen und die "Ruhigstellung" der Bevölkerung - so das Kalkül der deutschen Führung - hätte man alle Truppen zur Abwehr der alliierten Landung einsetzen könne und die Nachschubwege gesichert.

An dem Auftrag ersieht man schon, dass beide Divisionen nicht nur rein militärische, sondern auch gewichtige besatzungspolitische Aufgaben zu erfüllen hatten.

Um die Rolle der beiden Divisionen exakt einordnen zu können, soll nachstehend ein Schnelldurchlauf durch 42 Monate Besatzung Griechenlands gewagt werden.

42 Monate Okkupationsgeschichte im Schnelldurchlauf

Nach dem deutschen Sieg über Frankreich und Norwegen im Sommer 1940 verstärkte Deutschland seine Bemühungen, das neutrale Griechenland in den deutschgeführten europäischen Großraum einzugliedern. Da die griechische Führung ablehnte, wurde in der deutschen Führung eine Militäraktion erwogen. Der Krieg sollte die Briten aus dem östlichen Mittelmeer vertreiben, den traditionell starken britischen Einfluss in Griechenland beseitigen, den Deutschen Militärstützpunkte bringen und die Südostflanke des bevorstehenden deutschen Angriffs auf die Sowjetunion sichern. Griechenland sollte nach den deutschen Plänen hauptsächlich Absprungbasis für offensive Operationen östlich von Sizilien, in Nordafrika und Nahost werden. Am 28. Oktober 1940 fielen italienische Truppen von Albanien aus in Griechenland ein und erlitten eine blamable Niederlage. Die für Italien und die faschistische Achse desaströse militärische Entwicklung mit ihren unkalkulierbaren politischen Weiterungen für den ganzen Balkan so kurz vor dem Überfall auf die Sowjetunion bestärkte die deutsche Führung in ihren Aggressionsabsichten. Die deutschen Kriegspläne wurden nach dem Sturz der "deutschfreundlichen" Cvetkovic-Regierung in Jugoslawien am 27. März 1941 noch einmal modifiziert. Griechenland und Jugoslawien sollten nun zur gleichen Zeit überfallen werden.

Am Palmsonntag dem 6. April 1941 fielen deutsche Truppen von Bulgarien aus in Griechenland ein und warfen das Land in einem dreiwöchigen "Blitzkrieg" nieder. In der Zeit vom 20. bis 30. Mai 1941 wurde in einem Luftlandeunternehmen Kreta besetzt. Griechenland wurde in drei Zonen aufgeteilt:

Das Jahr 1943 brachte die Kriegswende, markiert durch die Begriffe Stalingrad, Kursker Bogen, Landung in Sizilien. Deutschland geriet grundsätzlich in die Defensive, konnte keine strategischen Operationen mehr durchführen. Dadurch änderte sich im strategischen Kalkül der Deutschen auch die Funktion Griechenlands. Aus der Absprungbasis für offensive Operationen des Jahres 1941 wurde eine Festung , die die weitgehend offene Südostflanke des deutschen Imperiums gegen eine alliierte Landung decken sollte.

Der Funktionswandel zur Festung hatte für die Griechen beträchtliche Auswirkungen:

Ab September 1944 zog sich die Wehrmacht aus Griechenland gegen die an der Donau vorrückende Rote Armee zurück.

 Während die Briten nach einem im Zweiten Weltkrieg einmaligen deutsch-britischen Abkommen die   Wehrmacht unbedrängt gegen die Rote Armee, ihren Verbündeten, abziehen ließen, lieferte die ELAS den   Deutschen schwere Gefechte. So geriet der deutsche Rückzug zur Flucht. Die Wehrmacht kam verspätet, abgekämpft und ohne schwere Waffen an der Donau an.

Die deutsche Herrschaft in Griechenland endete am 2. November 1944, auf einigen Inseln am 8. Mai 1945.

Während dieser 42 Monate Besatzungszeit sind in Griechenland Verbrechen an der Zivilbevölkerung verübt worden, die vor allem in der Begehungsweise, wie die Juristen sagen, durchaus mit den Untaten deutscher Besatzer in den besetzten Gebieten der SU und in Jugoslawien, um zwei Synonyme deutscher Okkuptionspolitik zu nennen, vergleichbar sind - Ein Tatbestand, der bis heute kaum in das öffentliche Bewusstsein in Deutschland gedrungen ist.

Um den Umfang des Problems deutlich zu machen, einige Grundzahlen:  

Der schwerwiegendste Posten in der Besatzungsbilanz waren die Menschenverluste:

      Wesentliche Ursachen der Hungerkatastrophen waren ein ungeheurer Raubzug der Deutschen gleich zu Beginn der Okkupation und Kontributionen der Besatzungsmacht, deren Höhe allen Kriegsbräuchen und internationalen Festlegungen eklatant widersprach. Der Raubzug veranlasste Mussolini, den faschistischen Führer Italiens und engsten Verbündeten Hitlers zu der sarkastischen Bemerkung, die Deutschen würden den Griechen auch noch den letzten Schnürsenkel davon tragen. Die Besatzungskosten als entscheidender Teil der den Griechen auferlegten Kontributionen betrugen Anfang 1943 pro Kopf und Monat 78,- RM und waren damit die höchsten in allen besetzten Gebieten.

         Vergeltungs- oder Sühnemaßnahmen auf meist unbeschreibliche Weise ermordet

          worden.

Bei alle dem ist zu beachten, dass die Verluste und die Zerstörungen erfolgten, obwohl in Griechenland bis auf wenige Tage im April 1941 kein militärischer Großkampf stattgefunden hat. Die Toten und   Zerstörungen sind also nicht Folgen "normalen" Kriegsgeschehens, wie die in Deutschland noch immer vorherrschende Meinung besagt.

Es erhebt sich die Frage nach den Ursachen der Menschenverluste und materiellen Schäden. Zwei Möglichkeiten sind denkbar: Waren die oft unbeschreiblichen Massaker an Zivilisten Ausschreitungen einzelner Soldaten bzw. Ausflüsse intensiver faschistischer Aufhetzung der Soldaten gegen die Griechen? Oder - das ist die zweite Möglichkeit - waren sie Ausdruck und Ergebnis einer politisch-militärischen Konzeption zur Machtsicherung. Sichere Anhaltspunkte zur Beantwortung der Fragen - ob Exzess oder Konzept - bietet ein Blick auf die den deutschen Truppen erteilte Befehle, in denen sich die Strategie für die Okkupationspolitik widerspiegeln muss. Denn, auch dass gehört zu den historischen Rahmenbedingungen und den Grundtatsachen: Im besetzten Griechenland gab es keine oberste zivile Okkupationsbehörde. Die deutschen Besatzungszonen waren vom ersten bis zum letzten Tag der Besetzung Operationsgebiet der Wehrmacht mit permanentem militärischem Ausnahmezustand. Die Militärs hatten die oberste, die vollziehende Gewalt. Wegen ihrer juristischen und tatsächlichen Stellung im Okkupationsregime war die Wehrmacht nicht nur für die innere und äußere Sicherheit des besetzten Gebietes zuständig. Sie war u.a. auch   wesentlich für die "wirtschaftliche Ausnutzung" des Landes verantwortlich. Anders als in vielen anderen besetzten Gebieten war die Wehrmacht in Griechenland entscheidend auch an der "Endlösung der Judenfrage" beteiligt. Als der Rabbi von Thessaloniki den Kollaborationsministerpräsidenten darum bat, bei den Deutschen gegen die Deportation der fast 50000 Juden Salonikis und damit gegen die Vernichtung einer mehr als 2000 Jahre alten Kultur Einspruch zu erheben, wurde vom Befehlshaber Saloniki-Ägäis veranlasst, ihn wegen Widerstands gegen einen militärischen Befehl mit samt seiner Familie zu deportieren.

Nicht SS- oder NSDAP-Bonzen bestimmten in Griechenland. Alle für die Griechen oder für Griechenland wichtigen Fragen wurden von der Wehrmacht entschieden.

Die Befehlslage für die Wehrmacht, insbesondere für die Gebirgstruppen

1.Kreta

Die ersten Befehle und Beispiele für kollektive Gewaltmaßnahmen gegen Zivilisten sind aus Kreta überliefert. Im Mai 1941 brachte eine kombinierte Luft- und Seelandung die Insel in deutschen Besitz. Die Eroberung wird bis heute - leider nicht nur in der Trivialliteratur - als einzigartige soldatische Leistung glorifiziert. Bei der Invasion trafen die Deutschen auf nicht für möglich gehaltenen Widerstand. Die deutschen Verluste bei der Eroberung Kretas waren um ca. 20 Prozent höher als bei den vorausgegangenen Feldzügen gegen Jugoslawien und das griechische Festland zusammen. Der Nimbus der unbesiegbaren Wehrmacht so kurz vor dem großen Ostkrieg war empfindlich beschädigt.

Besonders schockierte die Deutschen, dass sich die Zivilbevölkerung in großer Zahl an der Verteidigung beteiligte - ein von der Haager Landkriegsordnung gedecktes Verfahren. Für deutsche Militärs aber war bewaffneter Widerstand des Volkes eine kriminelle, todeswürdige Handlung. Auf Kreta wurde die Wehrmacht zum ersten Male im Zweiten Weltkrieg mit einem Volkskrieg konfrontiert.

Die Wehrmacht reagierte mit ungeheurer Brutalität. Noch während der Kämpfe kam es zu Massenerschießungen und zur Zerstörung von Dörfer. Der Kommandeur der 5. Geb.Div., Generalmajor Ringel, befahl, "für jeden deutschen Verwundeten oder Gefallenen 10 Kreter zu erschießen, Gehöfte und Dörfer, in denen deutsche Truppen beschossen werden, niederzubrennen, in allen Orten Geiseln sicherzustellen."

Am 31.5.1941, nach Abschluss der Kämpfe, erhielt die 5. Geb.Div., der auch Fallschirmjäger unterstellt worden waren, einen umfassenden Befehl zur Handhabung der Terrormaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung. Der Grundsatzbefehl des auf Kreta führenden   Generalkommandos XI. Fliegerkorps unter General Student folgte dem Prinzip, Rache für die unerwartet hohen Verluste und für die Auflehnung der Zivilbevölkerung zu nehmen sowie in starkem Maße durch wahrlich maßlosen Terror vorbeugend gegen möglichen Widerstand zu wirken. Es ist der in der deutschen Militärgeschichte bis dahin furchtbarste Befehl.

In dem Befehl heißt es: "Es ist einwandfrei festgestellt,... dass sich die Bevölkerung von Kreta (auch Frauen u. Jugendliche) im weitesten Umfange am direkten Kampfe beteiligt hat....Jetzt ist die Zeit gekommen,... Vergeltung zu üben und Strafgerichte abzuhalten, die auch als Abschreckungsmittel für die Zukunft dienen sollen. Als Vergeltungsmaßnahmen kommen in Frage:

            1.) Erschießungen

            2.) Kontributionen

            3.) Niederbrennen von Ortschaften(vorher Sicherstellung aller Barmittel)

            4.) Ausrottung der männlichen Bevölkerung ganzer Gebiete..."

Die Maßnahmen sollten "mit größtmöglicher Beschleunigung" durchgeführt werden "unter Beiseitelassung aller Formalien u. unter bewusster Ausschaltung von Gerichten".

Danach kam es auf Kreta massenhaft zu Tötungsaktionen und zu großflächigen Zerstörungen. Nach griechischen Schätzungen wurden in Vollzug dieses Befehls innerhalb von drei Monaten mindestens 2000 Kreter ermordet.

2. Radikalisierung der Befehle auf dem Festland nach dem Muster von Kreta

Die Vorgänge auf Kreta beeinflussten in starkem Maße auch die Befehlslage für die Bekämpfung von Widerstand auf dem Festland. Obwohl dort keine Gebirgsjäger stationiert waren, muß kurz auf diese Befehle eingegangen werden, da sie ein Beispiel dafür sind, wie sich durch die Entwicklung der Gesamtkriegslage und dem Anwachsen des Widerstandes gegen die Besatzer das Befehlssystem und die Besatzungspolitik radikalisierten. Außerdem schufen die Befehle der Jahre 1941/42 eine normative Grundlage für das Wirken der Gebirgsjäger, als sie im Frühsommer 1943 wieder nach Griechenland zurückkehrten.

Auf dem Festland kam es ab Juli/August 1941 zu Unruhen. Ursache war vor allem die immer schlechter werdende Lebenslage. Die Wehrmacht reagierte nach dem auf Kreta praktizierten Modell. Mit Massenhinrichtungen auf besonders grausame Weise sollten Widerstandsaktionen geahndet und in breiten Bevölkerungskreisen lähmendes Entsetzen erzeugt werden. Gegenüber Kreta gab es zwei Neuerungen: Die Massaker wurden zunehmend auch mit dem Vorwurf "kommunistischer Betätigung" begründet und die Wehrmacht errichtet in Thessaloniki das erste nach deutschem Vorbild aufgebaute KZ auf griechischem Boden, das als Haft- und Richtstätte sowie als Geiselreservoire diente. Die deutsche Strategie zur Bekämpfung jeglichen Widerstands auf dem Kriegsschauplatz Balkan ist deutlich in den September-Befehlen des OKW zu erkennen. Hitler forderte, "im Gesamtraum mit den schärfsten Mitteln die Ordnung wieder herzustellen". Am 16.9.41, erließ der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht(OKW), Keitel, Richtlinien, wie der Hitlerbefehl umzusetzen sei.

"Um die Umtriebe im Keime zu ersticken", heißt es, "sind beim ersten Anlass unverzüglich die schärfsten Mittel anzuwenden, um einem weiteren Umsichgreifen vorzubeugen. Dabei ist zu bedenken, dass ein Menschenleben in den betroffenen Ländern vielfach nichts gilt und eine abschreckende Wirkung nur durch ungewöhnliche Härte erreicht werden kann. Als Sühne für ein deutsches Soldatenleben muss im allgemeinen die Todesstrafe für 50 bis 100 Kommunisten als angemessen gelten. Die Art der Vollstreckung muss die abschreckende Wirkung noch erhöhen."

Auf der Grundlage der Septemberbefehle kam es in Griechenland zu zahlreichen großen Tötungsaktionen. Allein im Oktober 1941 wurden im Bereich des Befehlshabers Saloniki-Ägäis mehr als 800 Zivilisten umgebracht und mindestens 7 Dörfer zerstört.

3. Kriegswende: Das OKW verlangt Friedhofsruhe in der Festung

Mit der Kriegswende wurden die Befehle weiter verschärft. Vom OKW bis zur letzten Kreiskommandantur wurde unverblümt zum Massenmord, auch an Frauen und Kindern, aufgefordert. In den Einheiten erzeugte man eine dazu passende antikommunistische Hysterie, die nun auch für Griechenland zunehmend mit rassistischen Argumenten untermauert wurde. Nach den Lagebeurteilungen der Militärs waren nämlich die Griechen in ihrer Mehrzahl "deutschfeindliche händlerische Levantiner" und, was einem Todesurteil gleichkam, zum größten Teil kommunistisch beeinflusst. Außerdem tauchen in den Befehlen zwei neue, verhängnisvolle Elemente auf: Den Soldaten wurde in jedem Fall Straffreiheit zugesichert und eine "weichere" Kampfführung als " Verrat am deutschen Volk " gebrandmarkt. Relativ neu in so hohen Befehlen ist auch der völkerrechtswidrige Begriff "Mitläufer", die wie Partisanen sofort und ohne Prüfung zu töten waren, wodurch die Massaker eine neue Größenordnung erreichten..

Am 16.12.1942 erließ das OKW einen Befehl, in dem folgendes angeordnet wurde:

Der Kampf gegen Partisanen solle "mit den allerbrutalsten Mitteln" geführt werden. Die Truppe sei "berechtigt und verpflichtet, ohne Einschränkung auch gegen Frauen und Kinder jedes Mittel anzuwenden, was zum Erfolg führt. Rücksichten, gleich welcher Art, sind ein Verbrechen gegen das deutsche Volk und den Soldaten an der Front.... Kein in der Bandenbekämpfung eingesetzter Deutscher darf wegen seines Verhaltens im Kampf gegen die Banden und ihre Mitläufer disziplinarisch oder kriegsgerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden."

Die Ungeheuerlichkeit des Befehls, der mit dem überhöhten Superlativ eigentlich schon nicht mehr in einer militärischen Sprache geschrieben ist, wird bei einem Blick auf die Entstehungsgeschichte deutlich. Am 1.12.42 kam es im "Führerhauptquartier" zu einer Diskussion über einen Befehlsentwurf zur verschärften Partisanenbekämpfung. Hitler forderte von der Generalität, der Befehl dürfe für das Verhalten der Soldaten keinerlei Beschränkungen erhalten, er müsse die Soldaten generell vor kriegsgerichtlicher oder disziplinarischer Bestrafung schützen, aber alle die nicht so brutal vorgingen, als Volksverräter diskriminieren. Der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, Jodl versicherte, die "Truppe" unterläge keinerlei Beschränkungen. Die Soldaten könnten auch mit Frauen und Kindern "machen, was sie wollen". Jodl hob hervor: "Sie dürfen sie aufhängen, verkehrt aufhängen oder vierteilen."

Der Tenor dieser zentralen Vorschrift setzte sich in den Befehlen der Regionen fort. So erließ der Oberbefehlshaber Südost am 14.Juli 1943 einen Befehl an die neu zugeführten Verbände, darunter an die 1. Gebirgsdivision, zur Vorbereitung auf eine alliierte Invasion, in dem es hauptsächlich um die Einschüchterung der Bevölkerung ging - Partisanen spielen in dem Befehl kaum keine Rolle. Außerdem wird das OKW Muster übernommen - ("schärfste Maßnahmen" gegen die Bevölkerung, Straffreiheit für Maßnahmen der Deutschen, "weiches" Verhalten von Kommandeuren und Soldaten wird als Verrat gebranntmarkt.)  

In dieser radikalisierten Atmosphäre wurde die 1.Geb.Div., die "Edelweis-Division" vom "Osten" auf den Balkan verlegt mit der Aufgabe, eine alliierte Landung abzuwehren, zuvor die Partisanenbewegung zu zerschlagen und die Bevölkerung derart einzuschüchtern, dass sie sich im Invasionsfall nicht gegen die Deutschen erhebe. Die Befehle der 1.Geb.Div. für ihren neuen Einsatzraum lagen ganz im Kontext der geltenden Bestimmungen. Am 8. April 1943 erließ der Kommandeur der 1. Geb.Div. einen Sühnebefehl für das Operationsgebiet der Division in Serbien. Darin heißt es, nicht nur Partisanen, sondern auch deren "Helfer" seien sofort zu erschießen. Unter dem Kapitel "Sühnequoten" wurde befohlen: Für einen getöteten Deutschen fallen 50 Sühnegefangene, für einen verwundeten Deutschen fallen 25 Sühnegefangene. Für jeden Anschlag gegen geschützte Objekte fallen bis zu 100 Sühnegefangene.

Im Frühsommer zog die Div. mit der gleichen Aufgabenstellung weiter in Richtung Griechenland. Für den Einmarsch in Griechenland hatte der Kommandeur am 7.Juli 1943 einen gesonderten Befehl erlassen. Darin werden folgende Richtlinien für die "Kampfführung" angewiesen: "Bei Säuberung bandengefährdeter Gebiete ist schärfstens durchzugreifen. Alle Ortschaften, die den Banden als Zuflucht dienen können, sind zu zerstören, die männliche Bevölkerung ist, soweit sie nicht wegen Verdachts der Teilnahme am Kampf oder Unterstützung der Banden erschossen wird, restlos zu erfassen und als Gefangene abzuschieben. Bei Sabotagefällen ... sind strengste Sühnemaßnahmen gegen die Bevölkerung zu treffen ... .Jede Weichheit in der Behandlung der Bevölkerung wird der Truppe als Schwäche ausgelegt ... " Bemerkenswert an dem Befehl ist, dass schon der "Verdacht" ausreichte, um die gesamte männliche Bevölkerung einer Ortschaft zu erschießen. Die Tötungsquote, die vorher (s.o. Befehl v. 8.4.43) noch penibel festgelegt worden war, blieb nun nach oben offen und wurde nur begrenzt durch die Zahl der habhaft gewordenen Männer. Das traf auch auf die angeordneten "Sühnemaßnahmen" bei Sachbeschädigung durch Griechen zu, die als Sabotagefälle kriminalisiert wurden. Schwerwiegend war auch die Festlegung, alle Ortschaften, die den Partisanen als Zuflucht dienen können, zu zerstören und die männliche Bevölkerung, soweit sie nicht erschossen wird, in die Gefangenschaft abzuführen, wo sie nach einem Befehl Hitlers als militärische Zwangsarbeiter eingesetzt werden sollten. Ob erschossen oder zur Zwangsarbeit abgeschoben wird, lag im Ermessen des jeweiligen Einheitsführers der 1.Geb.Div. Nur bei "Erschießungen in größerer Anzahl" musste die Genehmigung eines Regimentskommandeurs eingeholt werden. Der Befehl sagt nichts aus, was mit den Frauen und Kindern eines so ausgelöschten Dorfes geschehen sollte. Außerdem hatte das OKW die Kommandeure auf dem Balkan ausdrücklich ermächtigt, anzuordnen, "dass keine Gefangene gemacht werden bzw. dass Gefangene und im Kampfraum ergriffene Bevölkerung erschossen werden dürfen."

Wie diese Befehle umgesetzt wurden, wie also die okkupationspolitische Praxis war, möchte ich an einem Dokument zeigen, dessen Verfasser nicht verdächtigt werden kann, ein Feind der Deutschen oder ein Sympathisant der Partisanen gewesen zu sein. Am 19. Dezember 1943 schrieb der Ministerpräsident der von den Deutschen eingesetzten griechischen Kollaborationsregierung seinem deutschen Dienstherrn, dem Militärbefehlshaber Griechenland, General Speidel, einen Brief. Darin beklagt er die Art des Kampfes der Deutschen gegen die Partisanen. Er wies Speidel darauf hin, dass bei Fortsetzung dieser Kampfführung Griechenland in kurzer Zeit vollkommen zerstört sei. Über Vorkommnisse im Operationsgebiet der 1. Gebirgsdivision berichtete der Grieche: "Bei dieser Gelegenheit sei es mir gestattet, Ihnen mitzuteilen, dass einige Dörfer des griechischen Epirus, infolge von Erschießungen völlig ausgerottet wurden. So wurde das Dorf Komeno bei Arta, welches 1000 Einwohner zählte, das Opfer einer furchtbaren Dezimierung. 750 Einwohner dieses Dorfes wurden von deutschen Soldaten erschossen. In dem Dorf Lyngiades bei Paramythia wurden 82 Einwohner erschossen, unter diesen 42 Kinder unter 15 Jahren. ... So wurden in einem nur kleinen Gebiet über 1000 griechische Bürger getötet...Obige Dörfer wurden zur Gänze in Brand gesteckt, aber die Zahl der in dem Bereich des Generalgouvernements Epirus in Brand gesteckten Dörfer beträgt nach offiziellen Meldungen an mich, mehr als 100." Der Grieche weist hier schon auf Komeno hin, das erst viel später in der historischen Literatur als eines der furchtbarsten Massaker an Frauen und Kindern bezeichnet wurde - ein Massaker verübt von einer Kompanie der 1. Geb.Div. am 16. August 1943.

Es gibt aber auch indirekte Belege dafür, dass die Kampfführung der Gebirgsjäger in Griechenland im Kontext mit der schriftlichen Befehlslage ungeheuer grausam gewesen sein muss. U nter dem Punkt 'Erfahrungen allgemeiner Art' beschreibt der evangelische Pfarrer der 1. Geb.Div. Rudolf Schwarz einen Ausschnitt seinen Tätigkeiten als Feldgeistlicher der Division. in der Zeit vom 21. Juni bis 30. September 1943 in Griechenland wie folgt: "Eine schwere innere Belastung ihres Gewissens bedeutet für viele das Töten müssen von Frauen und Kindern bei den Unternehmen gegen die Banden. Darüber wurde dem Pfarrer gegenüber des öfteren geklagt.

Aber auch die nüchterne Diktion der schriftlichen Befehle ist Beweis genug. Gegen alle Kriegsbräuche und die primitivsten Regeln modernen Kriegsrechts befahl der Kommandierende General des XXII. Gebirgsarmeekorps, Lanz, einen ungehemmten Rachefeldzug gegen ein Gebiet, in dem ein Regimentskommandeur. der 1. Geb.Div. im Oktober 43 mehr durch einen Verkehrsunfall als durch Einwirkung der Partisanen ums Leben gekommen war. In Vollzug dieses Befehls wurden von der Edelweis-Division im Gebiet um Arta etwa 200 Zivilisten umgebracht und 7 Dörfer ausgelöscht.

4.Mord an italienischen Soldaten

Ein weiteres blutiges Kapitel des Einsatzes deutscher Gebirgsjäger in Griechenland bildeten die Mordaktionen an Soldaten des ehemaligen Verbündeten Italien. Innerhalb weniger Wochen nach dem Austritt Italiens aus dem faschistischen Bündnis am 8. 9. 1943 wurden an der griechischen Westküste und in Südalbanien von deutschen Soldaten, vorwiegend aus Einheiten der 1. Geb.Div., etwa 5000 italienische Militärangehörig ermordet. Die Italiener wurden nach der Gefangennahme umgebracht. Soldaten der 1.Geb. Div. richteten in diesem Zusammenhang auf der ionischen Insel Kefalonia das größte Einzelmassaker auf griechischem Boden an. Mehr als 4000 italienische Soldaten wurden dort nach der Gefangennahme erschossen. Natürlich lagen diesen Massakern Befehle von ganz "oben" zugrunde(Befehle des OKW vom 15.und 18.9.1943). Aber bei dem Verhalten der deutschen Gebirgsjäger spielten auch rassistische und volkskulturelle Ressentiments, verbunden mit Rachegefühlen gegen die "Verräter vom 8. September", eine große Rolle. Geschürt wurden diese Ressentiments durch die deutsche Propaganda und das hohe Offizierkorps. Beide Komponenten - der Befehl und die Hetze der Propaganda und der Offiziere, u.a. vom Oberbefehlshaber der Heeresgruppe E, Generaloberst Löhr, - führten dazu, dass die Massaker am einstigen Verbündeten so entsetzlich grausam abliefen, vielfach sadistische Züge aufwiesen.

5. Eskalation 1944

Ende 1943 wurde die Befehlslage zur Bekämpfung des Widerstandes modifiziert. Die Partisanen hatten 75% Griechenlands befreit und fügten den deutschen Truppen empfindliche Verluste zu. Eine alliierte Invasion wurde immer wahrscheinlicher. Die Gesamtkriegslage erlaubte aber keine Verstärkung der deutschen Truppen. Man verfiel auf die Idee, das ungünstige Kräfteverhältnis durch verstärkte Propaganda auszugleichen. Ziel war, den Zustrom zu den Partisanen zu stoppen und immer mehr Griechen zur Zusammenarbeit mit den Deutschen auch im bewaffneten Bereich zu bewegen. Die Partisanen sollten vorrangig nicht mehr von Deutschen sondern von Griechen bekämpft werden. Das wichtigste Mittel dazu war eine bis dahin beispiellose antikommunistische Propaganda, verbunden mit der Darstellung des deutschen Kampfes als Schlacht für ein geeintes, vom Bolschewismus befreites Europa. Um mehr Griechen auf die deutsche Seite zu ziehen, war es aber auch erforderlich, dass das bislang politisch völlig undifferenzierte Töten, bei dem oft auch Kollaborateure und deren Angehörige nicht verschont wurden, aufhörte. Der Terror sollte sich wie die Propaganda zielgenauer gegen die linken Kräfte des Widerstandes richten und kollaborationsbereiten Griechen das Leben garantieren. Am 8. Dezember 1943 sagte der Generalstabschef der Heeresgruppe E auf einer Besprechung zu den deutschen Planungen: "Es geht leider nicht an, alle Leute zu köpfen", da dies nur immer mehr Griechen zu den Partisanen treibt. Man brauche nicht unbedingt weniger zu töten. Es komme darauf an, die politisch richtigen Griechen zu treffen, die "wahrhaft Schuldigen". Ein Grundsatzbefehl vom 22.12.1943 fasste die neue Linie zusammen.

Danach war nach einer Partisanenaktion in folgender Reihenfolge zu töten:

1.Die Täter. 2. Wenn diese nicht fassbar waren - was meist der Fall war -, sollten Mitschuldige erschossen werden, nämlich Personen, bei denen man eine "offene oder versteckte Mitwirkung oder ein bewusst passives Verhalten gegenüber den Tätern" vermutete. 3. Schließlich heißt es: "Lassen sich derartige Mitschuldige nicht finden, so muss auf Personen zurückgegriffen werden, die ohne mit der einzelnen Tat in Verbindung zu stehen, trotzdem als mitverantwortlich anzusehen sind. Mitverantwortlich sind in erster Linie solche Personen, die sich zum Kommunismus bekennen." Damit war die Dimension des Vernichtungskrieges gegen Links umrissen. Zur damaligen Zeit gehörten 1,6 Mill. Griechen (von rd. 6,5 Mill. Einwohnern) den als kommunistisch bezeichneten politischen und militärischen Verbänden des Widerstandes an. Die nationale Befreiungsfront EAM, die Gesamtvereinigung des "linken" Widerstandes, war die größte politische Organisation, die es je in der griechischen Geschichte gegeben hat.

Trotz des Bemühens, gezielter vorzugehen, eskalierten die Todeszahlen. Aktionen mit 100 und mehr Toten sowie riesigen Verwüstungen wurden 1944 fast alltäglich In den drei Sommermonaten des Jahres 1944 sind im statistischen Mittel täglich 106 bis 110 Griechen als Geiseln oder bei Sühnemaßnahmen ermordet worden.

Eine Ursache für die Eskalation der Opferzahlen, die eigentlich wegen der auf "chirurgisch saubere Schnitte" angelegten Orientierung gegenüber vorher sinken sollte, war, dass der Befehl am Prinzip Prävention durch Abschreckung festhielt. Die massenhafte Tötung auch von Frauen und Jugendlichen war zwingend vorgeschrieben, der "sühnefähige" Personenkreis durch den Straftatbestand "passives Verhalten" deutlich erweitert und für Erschießungen keine Obergrenzen festlegt worden. So wurden am 3. Mai 1944 für einen bei einer Partisanenaktion umgekommenen Divisionskommandeur 325 Griechen umgebracht - eine Quote, die selbst im "Osten" selten erreicht wurde. Eine weitere Ursache für die Eskalation des Terrors war die Festlegung, in Kampfgebieten gelten die alten Bestimmungen. d.h. in den von der Wehrmacht als "partisanenverseucht" bezeichneten Regionen waren weiterhin alle Einwohner, unabhängig von ihrer politischen Haltung, "sühnefähig".

Der Befehl blieb bis zum deutschen Rückzug die Grundlage der Okkupationspolitik.

Schluss

Der kurze Blick auf die Strategien zur Sicherung der deutschen Herrschaft in Griechenland zeigt:

die massenhafte Tötung von Zivilisten sowie umfangreiche Zerstörungen angeordnet.

Der Überfall aber war die Voraussetzung, in vielen Fällen auch direkte Ursache für alle anderen den Griechen zugefügten Leiden und auferlegten Lasten.

Autor zu erreichen über

Berliner Initiative "Griechenland unterm Hakenkreuz"
www.geocities.com/hellasunterdemhakenkreuz

E-mail

hellasunterdemhakenkreuz@yahoo.de