1939-45: Partisanenkrieg in Griechenland
Nach der Besetzung Griechenlands im Frühjahr 1941 begann
in den italienisch, deutsch und bulgarisch kontrollierten griechischen
Gebieten ein Partisanenkrieg. Aus der linksgerichteten Widerstandsgruppe
EAM ging im Frühjahr 1942 die paramilitärische Organisation
ELAS unter Führung des Kommunisten Aris Velouchiotis hervor.
Nach seiner Absetzung übernahm Stephanos Seraphis das Kommando
über die kommunistische ELAS. Im Epirusgebirge gründete
der ehemalige Oberst der griechischen Armee Napoleonas Zervas die
national-republikanische EDES. Daneben gab es noch zahlreiche kleinere
und unabhängig voneinander operierende Widerstandsgruppen.
Die beiden "großen"
Partisanenverbände ELAS und EDES verfügten anfangs über nur wenige
Waffen und Kämpfer - 1942 waren es jeweils einige hundert. Auch
die Unterstützung aus der Bevölkerung war zurückhaltend. Nachdem
jedoch eine für den deutschen Nachschub wichtige Eisenbahnbrücke
bei den Schluchten von Gorgopotamos gesprengt wurde, erhielten die
Untergrundkämpfer verstärkt Zulauf. Im Sommer 1943 verfügte die
ELAS über rund 16.000 Kämpfer, die EDES über etwa 7.000. Ein Jahr
später hatte sich die Anzahl bei der ELAS verdreifacht, bei der
EDES verdoppelt. Die Briten unterstützten beide Partisanenverbände
mit Waffen, Kleidung, Schuhen und Nahrungsmitteln. Allerdings konnten
die britischen Verbindungsoffiziere die Parteien nur zeitweise für
operative Bündnisse zusammenbringen.
Bei vielen Griechen war die ELAS aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit
auch gegenüber eigenen Landsleuten verhaßt. Dennoch verfügte
sie über den weitaus größeren Rückhalt in der
Bevölkerung. Insgesamt wurden die ELAS und ihre "Dachorganisation"
EAM von Hunderttausenden Griechen auf irgendeine Weise unterstützt.
Nach dem Sturz von Benito Mussolini als Folge der alliierten Landung
auf Sizilien im Juli 1943 und dem Bruch der Achse Berlin-Rom fielen
die Waffen von 270.000 kapitulierenden Italienern hauptsächlich
der ELAS in die Hände. Aufgrund von Rivalitäten zwischen
der monarchischen EDES und der kommunistischen ELAS begannen im
Winter 1943/44 heftige Kämpfe innerhalb der griechischen Partisanenbewegung.
Um klare Machtverhältnisse in Griechenland nach einem Abzug
der deutschen Truppen zu schaffen, hatten ELAS-Kämpfer die
schwächeren EDES-Truppen Ende 1943 angegriffen. Die Kämpfe
wurden von der Wehrmacht zu einem umfassenden Schlag gegen beide
Gruppen genutzt. Die EDES stand danach kurz vor ihrem Zusammenbruch
und handelte Waffenstillstände mit den Deutschen aus, von denen
sie sich im Kampf gegen die ELAS mit Waffen und Gerät unterstützen
ließ.
Die Herrschaftspraxis
der Besatzer auf dem Peloponnes war vom Terror gegen Zivilisten
geprägt. Zumeist deklarierten sie ihn als "gerechte Vergeltungsmaßnahmen"
für Aktionen der Partisanen, so auch in dem Dorf Kalavryta. Dort
verübte die Wehrmacht am 13. Dezember 1943 ein grausames Massaker.
Nach griechischen Angaben wurden rund 1.200 Dorfbewohner systematisch
ermordet, nachdem Partisanen der ELAS zuvor etwa 80 deutsche Soldaten
gefangengenommen und rücksichtslos erschossen hatten. Insgesamt
wurden etwa 70.000 bis 80.000 Griechen im Partisanenkrieg oder bei
Vergeltungsaktionen von deutschen, italienischen und bulgarischen
Truppen getötet, rund 1.700 griechische Dörfer zerstört.
(tj)
http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/partisanengrie/
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