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So oder So - Die Libertad!-Zeitung - Nr. 7 / Herbst 2000 - Seite
5
Anfang Oktober hatte das Athener Solidaritätskomitee einen Libertad!-Vertreter
zu einer Veranstaltung über Antiterrorgesetz in Europa eingeladen.
Bei dieser Gelegenheit war es möglich,
ein telefonisches Interview mit Abraham Lesperoglou zu führen.
Wie sind deine Haftbedingungen?
A. Lesperoglou: Ich habe im wesentlichen die gleichen Haftbedingungen
wie alle Gefangenen. In den ersten Monaten waren die Postkontrolle
und die Genehmigungsverfahren für Besuche langwieriger als dies
üblich ist. Das hat sich inzwischen soweit normalisiert, als dass
es keine Sonderbehandlung gibt - wobei das Leben hier schlimm genug
ist. In den Medien wird behauptet, den Polizeibehörden sei dein
Aufenthaltsort schon seit geraumer Zeit bekannt gewesen.
Wie ordnest Du den Zeitpunkt deiner Verhaftung politisch ein?
A. Lesperoglou: Ich war sehr lange illegal. Ich habe zwar im Ausland
gelebt, trotzdem musste ich immer damit rechnen, verhaftet zu werden.
Dass es jetzt geschah, sehe ich im Rahmen der Anstrengungen der
USA und der griechischen Regierung, ein neues politisches Klima
in Griechenland herbeizuführen. Das ist in ihren Stellungnahmen
in den Zeitungen nachzulesen. 18 Jahre lang hat die Polizei meinen
Namen mit dem bewaffneten Kampf in Verbindung gebracht, weil sie
keine wirklichen Spuren hatten. Und heute brauchen sie mehr denn
je Schuldige, um das Antiterrorgesetz politisch zu verkaufen. Die
Anklagen, die sie gegen mich vorbringen, gehen - bis auf eine Sache
aus dem Jahr 1992 - auf Aktionen aus der Zeit vor 1985 zurück. Trotzdem
hat mein Verfahren diese aktuelle und öffentliche Bedeutung.
Ein neues politisches Klima - willst Du damit sagen, dass sich
das Antiterrorgesetz nur vordergründig gegen Gruppen wie der "Revolutionären
Organisation 17. November" richtet?
A. Lesperoglou: Die USA und die griechische Regierung sind sehr
daran interessiert, die bewaffneten Gruppen auszuschalten. Aber
es geht, so glaube ich, um mehr: Die USA wollen sich Möglichkeiten
schaffen, die politische Entwicklung in Griechenland, eine für die
US-Globalstrategie wichtige Region, zu beeinflussen und zu kontrollieren.
Man muss annehmen, dass das Antiterrorgesetz dazu eines der Mittel
ist und dass es sich gegen die Gesamtheit der Linken richtet. Die
starke Feindschaft der griechischen Linken gegenüber dem US-Imperialismus
spielt da sicherlich eine Rolle.
Die Öffentlichkeit stand in der Vergangenheit der Terrorismusbekämpfung
kritisch gegenüber. Wie ist es in deinem Fall?
A. Lesperoglou: Ich habe, weil ich lange Zeit außerhalb Griechenlands
lebte, keine präzise Auffassung von den heutigen Verhältnissen.
Allgemein gesagt, die Lage ist nicht gut. Die Linke ist geschwächt,
die Klassenkämpfe und sozialen Bewegungen sind zurückgegangen.
Das sind schlechtere Ausgangsbedingungen für die Solidarität
als noch vor einigen Jahren. Deshalb glaube ich, dass die öffentliche
Meinung tendenziell negativ zu mir steht. Trotzdem gibt es eine
gute Basis für die Arbeit in meinem konkreten Fall wie im allgemeinen
gegen das Antiterrorgesetz: in der Vergangenheit sind die Angeklagten
in solchen Antiterrorverfahren immer freigesprochen worden. Der
Polizei und ihrer Version wird deshalb auch in der Öffentlichkeit
wenig Glauben geschenkt.
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