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junge Welt, 04.06.2004
Heike Schrader ,
Athen
Guantanamo auf Griechisch
Widerstand
gegen "Sonderhaftbedingungen" für politische Gefangene formiert
sich Die Suche nach den Verantwortlichen, die am Pfingstsamstag
eine Bombe im Gerichtsgebäude der griechischen Stadt Larisa
zur Explosion gebracht haben, läuft auf Hochtouren. Allerdings gibt
es bislang keine Hinweise auf die Täter. Zumindest wurde nichts
in dieser Hinsicht bekannt - die griechische Polizei hält sich zu
den Ermittlungen bedeckt. Offensichtlich will man keine neuen Diskussionen
über die Sicherheitslage vor Olympia aufkommen lassen.
Der aus Campinggaskartuschen gebaute Sprengkörper hatte nur Sachschaden
angerichtet. Da die Täter die Bombe nach Schließung der Büros zündeten,
gab es keine Verletzten. Obwohl sich bisher niemand zu dem Anschlag
bekannte, vermuten die Behörden einen Zusammenhang mit dem Bau des
neuen Hochsicherheitstraktes im Gefängnis von Larisa .
In diesem Fall wäre der Anschlag der bisher drastischste Ausdruck
des Widerstandes gegen das Vorhaben und die geplante Verlegung politischer
Gefangener in den Isolationstrakt von Larisa .
Fensterlose Zellen, meterhohe Mauern und blickdichter Maschendraht
beim Hofgang, Besuche nur hinter Trennscheibe, lückenlose Überwachung
durch Kameras und Mikrofone, Besuchsverbot und vollständige Isolierung
von allen Mitgefangenen sind schon jetzt die Haftbedingungen für
die Gefangenen aus dem Prozeß gegen mutmaßliche Mitglieder der "Revolutionären Organisation
17. November" (17N). Auch die seit mehr als anderthalb Jahren inhaftierten
Angeklagten im derzeit laufenden Prozeß
gegen mutmaßliche Mitglieder des "Revolutionären Kampfes" (ELA)
sind diesen Haftbedingungen unterworfen.
Im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses von Koridallou ,
einem Stadtteil von Piräus, sitzen bereits 17 Menschen ein, die
ersten politischen Gefangenen in Griechenland seit dem Ende der
Militärdiktatur vor 30 Jahren. Vierzehn der Häftlinge, die in den
unterirdischen Verliesen des Koridallou-Gefängnisses eingesperrt sind, wurden zu langjährigen
Haftstrafen von bis zu 21mal lebenslänglich verurteilt. Den Angeklagten
im laufenden Prozeß gegen mutmaßliche
Mitglieder des ELA droht ebenfalls lebenslanges Gefängnis. Wahrscheinlich
nach Beendigung des für 2005 geplanten Berufungsverfahrens
im Fall 17N soll auch ein Teil dieser Gefangenen in das Isolationsgefängnis
Larissa verlegt werden.
Eine von den Angehörigen der politischen Häftlinge initiierte Kampagne
zur Solidarität mit den Gefangenen zeigt inzwischen erste Erfolge.
Mehr als 1 000 Unterschriften gegen ein "griechisches Guantanamo "
und für die Aufhebung der Sonderhaftbedingungen wurden bisher gesammelt.
Unterzeichnet haben auch bekannte Journalisten, Intellektuelle,
Bürgermeister und Distriktbürgermeister. Auf einer Demonstration
in Larissa am 8. Mai protestierten zudem Hunderte Menschen gegen
die Inbetriebnahme des Hochsicherheitsgefängnisses. Sie forderten
die sofortige Schließung der "weißen Zellen" und die Aufhebung der
"Sonderhaftbedingungen" für politische Gefangene.
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