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Europäisches Sozialforum in Athen 2006
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Katharsis-Politiker
in Athen ermordet
Pavlos Bakojannis
war Abgeordneter und Sprecher der regierenden konservativen Nea
Demokratia / Die "Revolutionäre Organisation 17. November" bekennt
sich zu dem Attentat / Das Opfer wird als "Hauptverantwortlicher
des Koskotas-Skandals" bezeichnet
Aus Athen Robert Stadler
Der
konservative griechische Abgeordnete und Sprecher der Nea Demokratia,
Pavlos Bakojannis, ist gestern Morgen in Athen auf offener Straße
erschossen worden. Die drei Täter konnten anschließend mit einem
Auto flüchten. Am Tatort hinterließen sie ein 12seitiges Manifest,
worin sich die "Revolutionäre Organisation 17. November" zu dem
Attentat bekennt und den Politiker als "Hauptverantwortlichen
für den Koskotas-Skandal" bezeichnet.
Der Anschlag
auf Bakojannis wird in Zusammenhang gebracht mit der Parlamentsdebatte
über den Koskotas-Skandal, die nur wenige Stunden später begann.
Dabei wurde der Bericht des Untersuchungsausschusses über die
Verwicklungen von Ex -Regierungschef Andreas Papandreou und vier
weiteren Pasok -Ministern in den "Betrug des Jahrhunderts" vorgelegt.
In der für zwei Tage geplanten Debatte muss das Parlament entscheiden,
ob die Pasok-Politiker sich vor einem Sondergericht verantworten
müssen.
Bakojannis, Schwiegersohn
des Parteivorsitzenden der Nea Demokratia Konstantinos Mitsotakis,
wurde eine besonders enge Beziehung zu dem Ex-Bankier Giorgios
Koskotas nachgesagt, dessen Mitarbeiter er bis vor einigen Jahren
war. Als Koskotas 1982 auf dem griechischen Printmediensektor
aktiv wurde, beteiligte sich Bakojannis an der Gründung der Zeitschrift
'Ena' und wurde deren erster Direktor. 1985 verlor er - nach eigenen
Angaben aus "politischen Gründen" - den Posten. Der inzwischen
in den USA im Gefängnis sitzende Koskotas behauptet, Ex-Premier
Papandreou habe Bakojannis Entlassung verlangt. Bereits im Mai
1989 lagen den Behörden Hinweise vor, dass der 54jährige Bakojannis
auf der schwarzen Liste des "17. November" stehe. Der Journalist
Bakojannis war während der 60er und 70er Jahre Mitarbeiter des
Bayerischen Rundfunks. Nach dem Ende der Militärdiktatur kehrte
er nach Griechenland zurück. Im Juni 1989 war er für die Nea Demokratia
in das Parlament gewählt worden.
Mit dem gestrigen
Anschlag richtete sich die Organisation benannt nach dem Datum
der Studentenerhebung gegen die Militärjunta im Jahr 1973 - zum
zweiten Mal in diesem Jahr gegen einen Politiker. Der ehemalige
Pasok-Minister Giorgos Petsos war im Mai nur knapp dem Tod entgangen.
Der Mord an Bakojannis ist der 21. Anschlag des "17. November",
der Weihnachten 1975 mit der "Exekution" des CIA-Mannes Richard
Wells zum ersten Mal in Erscheinung trat. Das anfängliche Bild
des "17. November" in der griechischen Öffentlichkeit als reine
Mörderbande, wandelte sich später, als die Organisation unter
anderem 1976 den bekannten Folterer aus der Militärdiktatur, Evangelos
Mallios, ermordete. Die bei allen Anschlägen den Medien zugespielten
Manifeste mit polit -ökonomischen Analysen werden nach einer Umfrage
von 41 Prozent der Griechen gelesen. Bisher wurde kein Mitglied
des "17. Novembers" gefasst. Das ist auch der Grund, weshalb die
langjährige Regierungspartei Pasok in den Verdacht geriet, sie
unterhielte Kontakte zu der Organisation.
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