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Kommando Theofilos Georgiadis

Erklärung zu dem Anschlag auf den türkischen Diplomat O.H. Sivahioglu

Athen - 04.Juli 1994

Sogar Leute, die nur sporadisch die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien, wie sie in den westlichen Medien berichtet werden, verfolgen, muss die Entstehung eines neuen technischen Begriffs aufgefallen sein, der entworfen wurde um große Verbrechen zu charakterisieren und damit alle früheren weit übertrifft. Die bloße Nennung dieses Begriffs, der dekoriert ist mit allen haarspalterischen Differenzierungen, seien es tatsächliche, angebliche oder einseitige, erzeugt einen Proteststurm in den westlichen Medien gegen die, welche verantwortlich gemacht werden.

Worüber wir reden ist nationale Reinigung oder ethnische Säuberung: Der Gebrauch von bewaffneter Gewalt von einer Nation gegen eine andere - die nur eine Minderheit in einem geographischen Gebiet ist - mit der Absicht, diese Leute aus dem gemeinsam genutzten Heimatland zu vertreiben, entweder durch physische Ausrottung oder durch die verstärkte Notwendigkeit, das Gebiet zu räumen.

Und so haben wir die westliche Presse beobachtet, die so grundsätzlich entschlossen wachsam gegenüber der Einhaltung internationalen Rechts und den Rechten von Minderheiten ist; und wir haben ebenfalls die westliche öffentliche Meinung gesehen, die diese westlichen Medien mit religiöser Hingabe studiert und in rechtschaffenem Zorn nach NATO-Truppen für eine "humanitäre" Intervention ruft, oder nach Luftschlägen gegen "serbische Kriminelle", die als Einzige verantwortlich sind für die "ethnischen Säuberungen" gegen die Moslems in Bosnien.

Aber sie ignorieren die Tatsache, dass sie die Serben für dasselbe anklagen, was die Kroaten und Moslems den Serben in Bosnien angetan haben. Wir haben gesehen, dass ein striktes ökonomisches Embargo eingesetzt wurde gegen Serbien als Bestrafung für die "ethnischen Säuberungen" in Bosnien. Wir sahen Ultimaten, Angriffsdrohungen und Luftschläge, die erst in letzter Minute abgesagt wurden.

Und während all das in Bosnien passiert, passiert dasselbe Verbrechen der "ethnischen Säuberung" auch seit 20 Jahren an einem nicht so weit davon entfernten Ort, nur hat das noch niemand im Westen gestört.

Alles was der türkische Imperialismus gegen die griechischen Zyprioten unternommen hat, passt in die Definition der "ethnischen Säuberungen".

Zypern

Militärische Intervention 1974. Die Besetzung von 1/3 des zyprischen Territoriums und die physischen Zerstörung von 2000 Zyprioten. 200 000 griechische Zyprioten werden von der türkischen Minderheit, die nur 18% der Bevölkerung ausmacht, gezwungen, sich im Norden der Insel anzusiedeln. Ansiedlung von 30 000 Kolonisten von der Türkei auf Zypern in der Absicht, die Balance der Bevölkerung zu ändern. Die Stationierung starker türkischer Truppen in den besetzten Teilen Zyperns, die die griechischen Zyprioten zu Geiseln oder Flüchtlingen auf Abruf machen.

Der Westen hat, anders als in Bosnien, keine Schritte unternommen, diesem offensichtlichen Verbrechen der "ethnischen Säuberung", welches türkische Imperialisten gegen die griechischen Zyprioten begingen, entgegenzutreten. Weder gab es ein ökonomisches Embargo gegen die Türkei noch ein Ultimatum, welches den Rückzug der türkischen Truppen von Zypern verlangte, geschweige denn einen militärischer Akt.

Wie kann das sein, wenn jeder Grieche weiß, dass dieses Verbrechen mit der moralischen, ökonomischen und militärischen Hilfe der USA und der westeuropäischen Mächten ausgeführt wurde, da sie zum militärischen Aufrüstung der Türkei beigetragen haben und die Türkei als Regional-Polizei handeln lassen.

Parallel dazu tragen sie zu einem anderen Verbrechen der "ethnischen Säuberung" durch den türkischen Militarismus bei, nämlich dem im türkisch besetzten Kurdistan.

Die türkischen bewaffneten Kräfte führen einen offenen Krieg gegen die Partisanen der Nationalen Befreiungsfront von Kurdistan, die für das heilige Recht der Selbstbestimmung kämpft, ein Recht, das im Sevres-Vertrag von 1920 garantiert ist, aber welches die Armenier, die sich nicht wehrten, verloren - und mehr und mehr wenden die türkischen bewaffneten Gruppen die Strategie der "verbrannten Erde" an. Hunderte kurdischer Dörfer wurden systematisch verbrannt und zerstört, und ihre Bewohner wurden entweder physisch ausgerottet oder mit Gewalt gezwungen in den irakischen Teil Kurdistans zu fliehen; und all das bezweckt, wie auf Zypern, die Änderung der Bevölkerungs-Balance im türkisch besetzten Kurdistan. Diese "ethnische Säuberung", die vor kurzem dramatisch an Intensität zugenommen hat und jetzt an Völkermord grenzt, interessiert die Leute im Westen nicht, obgleich nun einige zerstreute Stimmen beginnen, Fragen über die Unterdrückung der "Menschenrechte" in der Türkei zu stellen.

Und jetzt bekommt der Skandal des westlichen Schweigens einen tragisch-komischen Charakter, wenn der Westen die türkische Armee um Teilnahme an den friedensstiftenden Blauhelm-Truppen für Bosnien bittet. Mit anderen Worten, dieselben Truppen, die "ethnische Säuberungen" auf Zypern und in Kurdistan betreiben. Dieses eine Beispiel illustriert klar das Ausmaß des Zusammenbruchs, der Zerstörung, der Verderbtheit und des politischen Bankrotts der heutigen Praxis der führenden westlichen Mächte und ihrer "Neuen Weltordnung".

Es ist nicht genug, dass die Schuldigen ihre Besatzungsarmee nicht zurückziehen, stattdessen werden neue Forderungen an dieses Land gestellt mit der vollen Unterstützung unserer Freunde, der USA.

Die Ägäis - Drohungen - Kränkungen

Die Ägäis: Verletzungen des Luftraums und Drohungen gegen die Inseln des Dodekanes und Thrakiens. Als Antwort auf diese Situation kann die einzige politische Reaktion einer wirklich unabhängigen griechischen Regierung sein, keine Verhandlungen mit der Türkei aufzunehmen, bevor sie nicht ihre Besatzungs-Truppen zurückzieht und gleichzeitig Vorbereitungen für die Verteidigung Zyperns zu treffen. Aber im Gegensatz dazu haben die Ausverkaufs-Regierungen von Nea Demokratia und PASOK heute zusammen mit der Mafia der Massen-Medien ein neues Davos vorbereitet. Der Schurke Papandreou bereitet sich auf Gespräche mit der Türkei vor, die alle Fragen einbeziehen. Ein Dialog, in welchem die Kriminellen die bessere Position haben, von welcher aus sie drohen können, ganz Zypern zu besetzen und so die Opfer zwingen können eine Einigung im Namen des "Realismus" zu unterschreiben. Und soweit es das gemeinsame Verteidigungsdogma zwischen Griechenland und Zypern betrifft, war es nur ein falscher Alarm um die Köpfe der ahnungslosen PASOK-Mitglieder zu erleichtern.

Öffentliche Meinung

Hier wollen wir einen kurzen Überblick über die Ergebnisse einer Studie der zypriotischen öffentlichen Meinung geben, die vom zypriotischen Zentrum für strategische Studien im Verlauf der letzten zehn Jahre gemacht wurde. Diese Umfrage zeigt klar den Graben zwischen dem Bewusstsein und den Wünschen der griechischen Zyprioten und ihren abgehalfterten Politiker, sowohl in Griechenland, als auch auf Zypern selber.

Gefragt über die Bemerkung, dass die Präsenz türkischer Truppen auf Zypern eine Tatsache ist, der sie "gar nicht" oder "nicht gänzlich" ablehnend gegenüberstehen, 67% antworteten 1992 mit ja, im Vergleich zu 70% 1982. Bei der Frage, ob sie die Gefahr spürten, dass die ganze Insel eines Tages besetzt sein würde, antworteten 19922 58% mit ja im Vergleich zu 48% 1982!!! Gefragt über ihren Grad an Zufriedenheit über die Unterstützung durch Griechenland, antworteten 1982 29% sie wären wenig bis gar nicht zufrieden, nach der Davos Konferenz 1988 stieg das Level auf 49% und 1992 waren 46% unzufrieden.

Auf die Frage, wie ein starkes Verteidigungsprogramm unsere Verhandlungsposition mit der Türkei beeinflussen würde, erwiderten 1992 67%, dass es einen signifikanten oder ausreichenden Einfluss hätte, verglichen mit 63% 1982.

Gefragt, ob der Staat mehr Maßnahmen ergreifen soll, um unsere Verteidigung zu sichern, bejahten 85% 1992, verglichen mit 90% 1982. Und schließlich, auf die Frage, ob der Staat mehr finanzielle Opfer bringen soll um unsere Verteidigung zu sichern, bejahten 76% 1992, verglichen mit 89% 1982.

Wir haben entschieden, O.H. Sivahioglu zu exekutieren, einen der bedeutendsten Kader des türkischen diplomatischen Corps. Als solcher und als Mitglied der türkischen politisch-militärischen Maschine, deren imperialistische Politik er sowohl auf dem politischen als auch auf dem diplomatischen Level repräsentierte, war er teilweise verantwortlich für die Verbrechen der "ethnischen Säuberungen" gegen die griechisch-zypriotische Gemeinde, wie für die gegen die Kurden.

Wir werden andere Repräsentanten dieser politisch-militärischen Maschine angreifen und wir werden damit fortfahren bis konkrete Maßnahmen von ihnen ergriffen werden, allermindestens bis sie ihre kriminelle Praxis der "ethnischen Säuberungen" auf Zypern einstellen indem sie ihre Besatzungsarmee abziehen.

Wir senden warme und revolutionäre Grüsse an die Partisanen der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans, und wir wollen auch betonen, dass unsere Aktionen nicht gegen die türkischen Menschen, die unsere Brüder sind, sondern einzig gegen die faschistische Praxis der türkischen politisch-militärischen Maschine gerichtet sind.

Athen - 4. Juli 1994

Revolutionäre Organisation November 17

Kommando Theofilos Georgiadis

P.S. Der zypriotische Kämpfer Theofilos Georgiadis wurde am 20. März von Mitgliedern des türkischen geheimen Polizei-Service MIT auf Zypern ermordet.

Er wurde ermordet, weil er, als wahrer Patriot und Internationalist, dem Kampf des kurdischen Volks gegen den faschistischen türkischen Imperialismus bedeutende politische und materielle Hilfe gab.