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Die Klassenauseinandersetzungen in Griechenland
spitzen sich zu. Auf der einen Seite gekennzeichnet durch Preiserhöhungen,
Arbeitslosigkeit, sozialen Abbau, staatliche Rechtsentwicklung und
auf der anderen Seite gekennzeichnet durch Massenstreiks, Massendemonstrationen
und militante Aktionen gegen den Staat.
International in den Blickwickel gerückt
sind dieses Auseinandersetzung" anläßlich einer
Demonstration von 100 000 Menschen zum 12. Jahrestag eines Studentenaufstandes
gegen die damalige griechische Obristendiktatur von Nov. 1973, bei
der der 15jährige Michael Kalteza von der Polizei erschossen
wurde. Die Gruppe "Revolutionäre Organisation 17. November"
hat auf diesen Mord reagiert, in dem sie einen Bus, der mit Polizisten
besetzt war sprengte.
Aus der Erklärung der Gruppe "Revolutionäre
Organisation 17.November vom 26.11.1985 zum Anschlag auf einen Polizeibus
Der Mord an dem 15jährigen Schüler
Michael Kalteza enthüllte die tragische Wahrheit der heutigen
griechischen Gesellschaft, ihre politische und gesellschaftliche
Schläfrigkeit. Er zeigt, dass die dem Faschismus immer näher
kommende PASPK schlimmer ist, als wir dachten.
So passierte das Tragische, dass eine Gesellschaft
einen 15jährigen Schüler durch ihre eigenen Leute ermordet
- eine der schlimmsten Gewalttaten - es gibt nicht nur keine Reaktion
aus breiten Teilen der Bevölkerung, sondern verschiedene Regierungsorgane
und Parteien verbreiten auch Mythen, um den Mord zu entschuldigen;
Mythen, die zum gesellschaftlichen Faschismus führen. Wir sagen
gesellschaftlicher Faschismus, weil er im Gegenteil zum bekannten
Faschismus auch verschiedenen politischen Richtungen kommt.
Der Schüler kann kein Anarchist gewesen
sein, auch kein Kommunist oder Linker, weil man in seinem Alter
noch keine festgesetzte Meinung hat. Er war ein Jugendlicher, der
sich Gedanken macht. Er war unschuldig - und eine Gesellschaft,
die statt Lösungen für seine Probleme zu suchen, ihn erschießt,
ist keine Demokratie. Die Einzigen, die sonst noch 15jährige
ermorden, sind Pinochet und Südafrika.
Michael soll einen Molotow - Cocktail geworfen
haben. Zeugen sagen, dass es nicht stimmt, sonder dass der Polizist
ihn einfach so erschossen hat und auf ihn gezielt hat. Was bestätigt
wird, wenn man weiß, dass er zu den besten Schützen der
internationalen Mannschaften gehört.
Aber dieser Mythos funktioniert nur zusammen
mit der Theorie, dass die Aufgabe der Polizei nicht darin besteht,
die Gesetzesbrecher festzunehmen und sie der Justiz zu übergeben,
sondern dass ihre Aufgabe die direkte Strafe ist.
Das glauben sehr viele derjenigen Menschen,
die in diesen Tagen auf den Straßen diskutieren. Die Methoden
der Rechten werden jetzt von den Linken übernommen.
Der Mord an dem 15jährigen ist kein Zufall.
Er kommt nach den Morden an Koumis und Kanelopoulos im November;
den zehnfachen Schießereien von Seiten der Polizei gegen motorradfahrende
Jugendliche;
der Verletzung von 3 Jugendlichen im Mai 83
bei einem Rockkonzert;
der schweren Magenverletzung eines 16jährigen
durch Schußwaffe, der von der Polizei angehalten wurde und
weiterfuhr;
der Schießerei gegen einen 14jährigen,
der aus einem Heim abgehauen war;
der Schießerei gegen einen 17jährigfen,
der versucht hatte, eine Apotheke zu beklauen;
und der Ermordung einer englischen Touristin
während einer Personenkontrolle.
Sind diese keine Menschen oder nur solche, die
man mit einen kleinem m schreibt?
Die Regierung ist verantwortlich für die
Methoden der Polizei, die nicht davor zurückschreckt, Jugendliche
für kleine Straftaten zu erschießen. Und diejenigen,
die unsere Tat erschreckend finden, sollten uns sagen, was sie gemacht
haben, um die Verhältnisse zu ändern. Die Akzeptierung
solcher Verhältnisse führt nur zu noch mehr Morden.
Aber dieser Mord war ein Manöver, um von
den Auseinandersetzungen am 18.11. abzulenken, um die brutalen Einsätze
von Polizei und Militär zu decken. Diese Auseinandersetzungen
sind nicht durch den Mord entstanden, aber genau wie in England
sind die Ausgangspunkte immer Kleinigkeiten wie Personalienfeststellung
usw. Der wahre Grund sind die großen gesellschaftlichen Klassenunterschiede
in Griechenland, die Wirtschaftskrise, die neuen Maßnahmen,
die Arbeitslosen und die aussichtslose Zukunft der Jugend.
Diese Arbeitslosen sind keine Anarchisten, es
sind unorganisierte Linke. Die organisierten Anarchisten glänzen
durch ihre Abwesenheit. Sie verbrachten ihre Zeit mit verbalen Auseinandersetzungen
im Gebäude des Polytechnikums und versuchten, die Kämpfe
zu verhindern. Sie waren die Straßenschlachten des 18.11.
zusammen mit den Streiks die Reaktion auf eine Krise, die aufgrund
der neuen Maßnahmen entstanden ist.
Die thatcherartige PASOK hat unseren Kampf dem
der Engländer näher gebracht. Deswegen versucht die Regierung
mit allen Mitteln, das zu verhindern, obwohl bekannt war, dass die
Besetzungen nur für kurze Zeit geplant waren.
Unsere Bombenanschlag gegen den Bus ist eine
Antwort auf den Mord, eine Antwort auf die milde Strafe für
den Mörder, eine Antwort auf die Tatsache, dass die einzigen,,
die auf den Mord regierten, zusammengeschlagen und festgenommen
wurden.
vor 20 Jahren hat die Linke anders auf Morde
reagiert.
Jetzt reagiert keine der linken Parteien, sondern
mach mit in der Ausschließung aus der Gesellschaft bei denen,
die nicht alles akzeptieren. Die PASOK arbeitet jetzt für die
Rechte; so bleibt sich auch an der Macht. Und die beiden kommunistischen
Parteien Griechenlands nehmen alles schweigend auf.
Für die Volksmacht und den Sozialismus!
Der Kampf geht weiter!
Athen den 26.11.1985
9.Irg. 22.1.1986 Nr.2
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