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in Athen 2006


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Die Klassenauseinandersetzungen in Griechenland spitzen sich zu. Auf der einen Seite gekennzeichnet durch Preiserhöhungen, Arbeitslosigkeit, sozialen Abbau, staatliche Rechtsentwicklung und auf der anderen Seite gekennzeichnet durch Massenstreiks, Massendemonstrationen und militante Aktionen gegen den Staat.

International in den Blickwickel gerückt sind dieses Auseinandersetzung" anläßlich einer Demonstration von 100 000 Menschen zum 12. Jahrestag eines Studentenaufstandes gegen die damalige griechische Obristendiktatur von Nov. 1973, bei der der 15jährige Michael Kalteza von der Polizei erschossen wurde. Die Gruppe "Revolutionäre Organisation 17. November" hat auf diesen Mord reagiert, in dem sie einen Bus, der mit Polizisten besetzt war sprengte.

Aus der Erklärung der Gruppe "Revolutionäre Organisation 17.November vom 26.11.1985 zum Anschlag auf einen Polizeibus

Der Mord an dem 15jährigen Schüler Michael Kalteza enthüllte die tragische Wahrheit der heutigen griechischen Gesellschaft, ihre politische und gesellschaftliche Schläfrigkeit. Er zeigt, dass die dem Faschismus immer näher kommende PASPK schlimmer ist, als wir dachten.

So passierte das Tragische, dass eine Gesellschaft einen 15jährigen Schüler durch ihre eigenen Leute ermordet - eine der schlimmsten Gewalttaten - es gibt nicht nur keine Reaktion aus breiten Teilen der Bevölkerung, sondern verschiedene Regierungsorgane und Parteien verbreiten auch Mythen, um den Mord zu entschuldigen; Mythen, die zum gesellschaftlichen Faschismus führen. Wir sagen gesellschaftlicher Faschismus, weil er im Gegenteil zum bekannten Faschismus auch verschiedenen politischen Richtungen kommt.

Der Schüler kann kein Anarchist gewesen sein, auch kein Kommunist oder Linker, weil man in seinem Alter noch keine festgesetzte Meinung hat. Er war ein Jugendlicher, der sich Gedanken macht. Er war unschuldig - und eine Gesellschaft, die statt Lösungen für seine Probleme zu suchen, ihn erschießt, ist keine Demokratie. Die Einzigen, die sonst noch 15jährige ermorden, sind Pinochet und Südafrika.

Michael soll einen Molotow - Cocktail geworfen haben. Zeugen sagen, dass es nicht stimmt, sonder dass der Polizist ihn einfach so erschossen hat und auf ihn gezielt hat. Was bestätigt wird, wenn man weiß, dass er zu den besten Schützen der internationalen Mannschaften gehört.

Aber dieser Mythos funktioniert nur zusammen mit der Theorie, dass die Aufgabe der Polizei nicht darin besteht, die Gesetzesbrecher festzunehmen und sie der Justiz zu übergeben, sondern dass ihre Aufgabe die direkte Strafe ist.

Das glauben sehr viele derjenigen Menschen, die in diesen Tagen auf den Straßen diskutieren. Die Methoden der Rechten werden jetzt von den Linken übernommen.

Der Mord an dem 15jährigen ist kein Zufall. Er kommt nach den Morden an Koumis und Kanelopoulos im November; den zehnfachen Schießereien von Seiten der Polizei gegen motorradfahrende Jugendliche;

der Verletzung von 3 Jugendlichen im Mai 83 bei einem Rockkonzert;

der schweren Magenverletzung eines 16jährigen durch Schußwaffe, der von der Polizei angehalten wurde und weiterfuhr;

der Schießerei gegen einen 14jährigen, der aus einem Heim abgehauen war;

der Schießerei gegen einen 17jährigfen, der versucht hatte, eine Apotheke zu beklauen;

und der Ermordung einer englischen Touristin während einer Personenkontrolle.

Sind diese keine Menschen oder nur solche, die man mit einen kleinem m schreibt?

Die Regierung ist verantwortlich für die Methoden der Polizei, die nicht davor zurückschreckt, Jugendliche für kleine Straftaten zu erschießen. Und diejenigen, die unsere Tat erschreckend finden, sollten uns sagen, was sie gemacht haben, um die Verhältnisse zu ändern. Die Akzeptierung solcher Verhältnisse führt nur zu noch mehr Morden.

Aber dieser Mord war ein Manöver, um von den Auseinandersetzungen am 18.11. abzulenken, um die brutalen Einsätze von Polizei und Militär zu decken. Diese Auseinandersetzungen sind nicht durch den Mord entstanden, aber genau wie in England sind die Ausgangspunkte immer Kleinigkeiten wie Personalienfeststellung usw. Der wahre Grund sind die großen gesellschaftlichen Klassenunterschiede in Griechenland, die Wirtschaftskrise, die neuen Maßnahmen, die Arbeitslosen und die aussichtslose Zukunft der Jugend.

Diese Arbeitslosen sind keine Anarchisten, es sind unorganisierte Linke. Die organisierten Anarchisten glänzen durch ihre Abwesenheit. Sie verbrachten ihre Zeit mit verbalen Auseinandersetzungen im Gebäude des Polytechnikums und versuchten, die Kämpfe zu verhindern. Sie waren die Straßenschlachten des 18.11. zusammen mit den Streiks die Reaktion auf eine Krise, die aufgrund der neuen Maßnahmen entstanden ist.

Die thatcherartige PASOK hat unseren Kampf dem der Engländer näher gebracht. Deswegen versucht die Regierung mit allen Mitteln, das zu verhindern, obwohl bekannt war, dass die Besetzungen nur für kurze Zeit geplant waren.

Unsere Bombenanschlag gegen den Bus ist eine Antwort auf den Mord, eine Antwort auf die milde Strafe für den Mörder, eine Antwort auf die Tatsache, dass die einzigen,, die auf den Mord regierten, zusammengeschlagen und festgenommen wurden.

vor 20 Jahren hat die Linke anders auf Morde reagiert.

Jetzt reagiert keine der linken Parteien, sondern mach mit in der Ausschließung aus der Gesellschaft bei denen, die nicht alles akzeptieren. Die PASOK arbeitet jetzt für die Rechte; so bleibt sich auch an der Macht. Und die beiden kommunistischen Parteien Griechenlands nehmen alles schweigend auf.

Für die Volksmacht und den Sozialismus!

Der Kampf geht weiter!

Athen den 26.11.1985

9.Irg. 22.1.1986 Nr.2