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telepolis, 31.03.2004
von Heike Schrader
Olympische Spiele im Schatten des "Krieges gegen
den Terror"
Griechenland:
NATO Kräfte und ausländische Geheimdienste sollen für sichere Spiele
sorgen
Schon
der bisherige Kostenvoranschlag für die Sicherheit der Olympischen
Spiele im August dieses Jahres in Athen betrug mehr als eine Milliarde
Euro. Nach dem Anschlag vom 11. März in Madrid ist diese Summe um
weitere 500 Millionen angewachsen. Soviel wird der neu vorgesehene
Einsatz von Bodentruppen und Seestreitkräften der NATO kosten.
Von
internationalen Gewässern aus soll die Flotte der NATO das Eindringen
von Terroristen auf dem Seeweg verhindern. Zu Lande dagegen soll
den Einheiten der NATO vor allem die Aufgabe obliegen, den Folgen
eines eventuellen Anschlages mit biologischen, chemischen oder radioaktiven
Waffen zu begegnen. Bisher war der NATO nur die Überwachung des
griechischen Luftraumes durch fliegende Radare vom Typ AWACS zugedacht.
Im Prinzip haben sich NATO und Griechenland auf die Erweiterung
geeinigt. Offen ist, wer für die aufkommenden Kosten bezahlen soll.
Als Athen im Jahre
1996 den Zuschlag für die olympischen Spiele 2004 bekam, lagen der
11. September und der 11. März noch vor uns. Niemand hatte gedacht,
dass ausgerechnet das kleine Griechenland Olympische Sommerspiele
unter der Furcht vor Terroranschlagen vorher nie gekannten Ausmaßes
ausrichten wurde. Seit Bekanntwerden des Sicherheitskonzeptes argwöhnt
denn auch die ausländische Presse in aller Welt, ob die Griechen
den Anforderungen überhaupt gerecht werden können. USA und Großbritannien
drohen immer wieder damit, ihre Sportler nicht nach Athen zu schicken.
Dabei stellen die
Briten und US-Amerikaner die bedeutendsten Kontingente der ausländischen
Spezialeinheiten und Geheimdienstmitarbeiter zum Schutze der Athleten
und Besucher. An allen Schaltstellen des Sicherheitssystems findet
man ihre Mitarbeiter. Auch bei den bisherigen Übungen nahmen Briten
und US Amerikaner eine herausragende Rolle ein. Dabei wird sowohl
von der vormaligen Regierungspartei PASOK als auch von der jetzt
regierenden Nea Dimokratia übergangen, dass die Präsenz und Aktivitäten
ausländischer bewaffneter Kräfte auf griechischem Territorium nach
der Verfassung nur mit einem entsprechenden Gesetz zulässig ist .
Weitere wichtige
"Partner" im Sicherheitskonzept sind der israelische Geheimdienst
Mossad sowie der russische KGB Nachfolger SVR. Von ihnen erhoffen
sich die griechischen Behörden vor allem Informationen über potenzielle
Attentäter. Im Gegenzug für die russische Hilfe, das Einsickern
von Terroristen über ehemalige Staaten und Verbündete der Sowjetunion
zu verhindern, wird der griechische Staat seine etwa 1.500 tschetschenischen
Einwanderer unter besondere Beobachtung nehmen. Neben den ausländischen
Unterstützern hat Griechenland insgesamt etwa 40.000 Leute, darunter
6.000 Freiwillige der Armee aufgeboten, um die Spiele gegen "ausländische
Terroristen und einheimische Anarchisten" zu schützen. Mehr
als 1.600 Kameras an Sportstätten, Straßen und Platzen werden alle
Bewegungen erfassen und aufzeichnen. 1.000 der Kameras sollen nach
den Olympischen Spielen im Einsatz bleiben. Die neuen Kenntnisse
und technischen Möglichkeiten eignen sich hervorragend, um zukünftig
Demonstrationen gegen Sozialabbau zu kontrollieren und helfen außerdem
bei der Schaffung "sauberer Innenstädte" ohne Bettler
und fliegende Händler.
Einen Vorgeschmack
dessen, was uns bei den Spielen erwartet, konnte man bei der Feier
zur Entzündung des Olympischen Feuers am 25. März im Stadion des
antiken Olympia bekommen. Mehr als tausend Polizisten hatten das
Gelände vom Vortag an abgeriegelt. Hunderte von uniformierten und
bewaffneten Beamten, Sprengstoffhunde und Zivilpolizisten kontrollierten
die Szenerie. Jeder der etwa 1.500 Besucher musste eine Leibesvisitation
und Taschenkontrolle über sich ergehen lassen. Gegen die "Errichtung
eines Polizeistaates" fanden in Griechenland bereits mehrfach
Demonstrationen statt. An der bisher größten am 11. März dieses
Jahres nahmen mehrere tausend Menschen teil.
Heike Schrader,
Athen
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