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Griechisches Watergate
Abhörskandal
größer als angenommen. Nicht nur Regierungsmitglieder, sondern auch
Geschäftsleute und Bürgerrechtler wurden über Monate hinweg abgehört.
Heike Schrader,
Athen
Was haben der griechische
Ministerpräsident, eine auf den Irak-Krieg spezialisierte Journalistin,
ein arabischer Geschäftsmann und ein bekannter Menschenrechtsaktivist
gemeinsam? Ihre Telefone wurden über einen Zeitraum von etwa neun
Monaten hinweg abgehört.
Der von den einheimischen Medien als »griechisches Watergate« bezeichnete
Skandal wurde am Donnerstag durch einen Bericht in der Tageszeitung
Ta Nea bekannt. Auf der daraufhin kurzfristig veranstalteten Pressekonferenz
gab der griechische Minister für öffentliche Ordnung zu, daß die
Mobiltelefone von etwa 100 Personen während eines Zeitraumes von
kurz vor Beginn der Olympischen Spiele von Athen im August 2004
bis zum März 2005 abgehört worden waren. Neben Georgios Voulgarakis
selbst befinden sich unter den Opfern der
griechische Ministerpräsident, die halbe Ministerriege, darunter
die Minister für Verteidigung, Außenpolitik und Justiz sowie verschiedene
hohe Staatsbeamte.
Aber nicht nur Regierungsmitglieder wurden abgehört, sondern auch
- vorzugsweise arabische - Geschäftsleute, ausländische und einheimische
Journalisten, sowie bekannte Persönlichkeiten der außerparlamentarischen
Opposition. So finden sich auf der Liste die Athener Bürgermeisterin,
der Korrespondenten von Al Dschasira, der Gewerkschaftsvorsitzende
beim Geheimdienst EYP und die politische Rechtsanwältin und Witwe
des vor zwei Jahren verstorbenen deutschen APO-Aktivisten Rolf Pohle.
Bereits im März 2005 hatte die Firma Vodafone das Büro des Ministerpräsidenten
über die Abhöraktion informiert, nachdem auf den Rechnern der Telefongesellschaft
eine Spionagesoftware entdeckt worden war. Das Programm sandte die
Gespräche der Abgehörten per Konferenzschaltung weiter an 14 Mobilfunkgeräte.
Die Übertragung dorthin erfolgte über Antennen, die ein Dreieck
um die US-Botschaft in Athen herum ergeben. Auch die Zusammensetzung
der Gruppe der Abgehörten, sowie die Tatsache, daß die verwendete
Technik extrem teuer und schwer zugänglich ist, deutet
auf eine Täterschaft ausländischer Geheimdienste hin.
Trotz einer sofort eingeleiteten und während der vergangenen zehn
Monate andauernden Ermittlung wäre es den griechischen Behörden
jedoch nicht möglich gewesen, die Täter ausfindig zu machen, erklärte
Voulgarakis. Dabei deutete manches darauf hin, daß eine Aufklärung
des Falles gar nicht im Interesse der Ermittelnden liegt. Nicht
nur, daß der Minister für öffentliche Ordnung jeder Frage nach einer
Verstrickung der US-amerikanischer Geheimdienste auswich. Auch wurden
Spuren, die zur Feststellung der Täter hätten führen können, dadurch
verwischt, daß Vodafone die eingeschmuggelte Software nach Aussage
der Geschäftsleitung unmittelbar nach der Entdeckung löschte.
Das US-amerikanische State Department lehnte jede Stellungnahme
ab. Sprecher der beiden linken Oppositionsparteien im Parlament
forderten eine lückenlose Aufklärung des Skandals. Dabei wies Liana
Kanelli von der KKE darauf hin, daß ähnliche Aktionen in Zukunft
fast legal seien. »Dieselbe Regierung, die sich heute als Opfer
präsentiert, hat erst vor wenigen Monaten der lückenlosen Überwachung
von Telefon- und Internetverbindungen im Rahmen der EU-Gesetzgebung
zugestimmt«, erklärte die kommunistische Abgeordnete.
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