Infotour G8 2007 in Griechenland von Infotour AG dissent! -
11.05.2006
Veranstaltungen in Athen und Patra Rund um das Europäische Sozialforum
ESF gab es 4 Veranstaltungen der Infotour-AG in Athen und Patra.
In Athen fanden 3 statt: Auf dem Autonomous Playground, Autonomous
Spaces und dem Antiauthoritarian, Egalitarian, Anarchist and Libertarian
Forum.
Die griechische Linke ist stark segmentiert, das gilt ebenso für
anarchistische und autonome Gruppen. Daher gab es insgesamt 4 Gegenforen
zum offiziellen ESF (als viertes das antiimperialistische Forum,
wo wir nicht präsent waren).
Die Veranstaltungen waren mittelmäßig besucht, etwa 25 im Durchschnitt.
Dafür war das Interesse rege und es gab einige gute Diskussionen;
viele sind sehr interessiert an der Vorbereitung und wollen sich
einbringen. Das neue Anticapitalist Network will eigene Mobilisierungsveranstaltungen
z.B. in Mazedonien und Ungarn machen.
Von Thessaloniki nach Heiligendamm...
Eines unserer Anliegen war, die Mobilisierung gegen den G8 2007
in den Kontext vorangegangener Gipfelmobilisierungen zu stellen.
Für Griechenland ist hier vor allem der EU-Gipfel in Thessaloniki
2003 relevant. Dort gab es stundenlange Riots, in denen Polizei
und Banken massiv mit Molotovcocktails und Steinen angegriffen wurden.
Dabei brannte auch ein Buchladen, der sich einem Wohnhaus befand.
Viele griechische radikale Gruppen waren in Genua 2001, einige auch
in Gleneagles 2005.
Das entschlossene, radikale Auftreten vor allem anarchistischer
Gruppen auf Demonstrationen ist charakteristisch. Dies führt viel
seltener zu Verhaftungen als in z.B. Deutschland. Die griechische
Polizei ist weniger "präventiv" als es z.B. die deutsche
in den letzten Jahren entwickelt hat (und wofür sie international
Schulungen macht).
Daneben werden viele Verfahren wegen des Werfens von Molotovcocktails
oder Steinen nicht mit Gefängnis bestraft. Die griechische anarchistische
Szene kämpft hart um ihre Gefangenen. Nach Thessaloniki 2003 gab
es zuletzt 7 Inhaftierte.
Der massive "internationale "Druck (einer begann einen
Hungerstreik) erleichterte die Freilassung.
Eine andere Revolution ist unmöglich
Anarchistische, antiautoritäre Gruppen lehnen die Zusammenarbeit
mit Institutionen, Parteien und Gewerkschaften ab.
Während des ESF gab es eine offizielle Abschlussdemonstration,
aus der heraus AnarchistInnen Angriffe gegen Banken, das Polizeihauptquartier
(oft werden Polizeireviere mit Molotovcocktails angegriffen), die
US-Botschaft, das Hilton-Hotel, Mc Donalds sowie das Parlament gab.
Die Polizei reagierte mit Tränengas, was ebenfalls die Regel ist.
Auf der Demonstration gab es Streit mit der italienischen Gewerkschaft
COBAS.
Die griechische ESF-Vorbereitung distanzierte sich von den militanten
Aktionen und erklärte die anarchistischen Gruppen zu Kriminellen.
Dies vertieft die Gräben zwischen anarchistischen und reformistischen
Gruppen wie z.B. europäische Sozialforen. Heiligendamm 2007 ?
Parakalo!
Folglich drehten sich viele Fragen und Diskussionen zu Heiligendamm
um die deutsche Polizei, ihre Ausrüstung und Gegenstrategien bei
Aktionen und Demonstrationen.
Es zeigte sich wie wichtig es ist, ausländische Interessierte nicht
nur über "Legal Advices" zu informieren, sondern auch
über die Unterschiede der Polizeitaktik:
In Griechenland agiert die Polizei mit Gas, in Deutschland nie.
Dafür sind in Griechenland Wasserwerfer und BFE-Greiftrupps unbekannt.
Auch Kameraüberwachung von Demonstrationen ist unüblich (radikale
Gruppen haben allein in Athen in der letzten Zeit über 150 Kameras
zerstört, indem sie die Kontrollkästen abbrannten).
Weitere Diskussionen gab es über die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften
oder der Linkspartei, was aus dem anarchistische Kontext heraus
inakzeptabel ist. Allerdings war die Situation in Deutschland vermittelbar:
der Gipfel findet auf dem Land statt, wo es keine linken Strukturen
gibt.
Zudem ist es hilfreich, wenn es neben der dissent!-Organisierung
(mit Orientierung an Hierarchiefreiheit und gegen Lobbyismus) noch
ein breiteres Bündnis gibt, in dem auch linksradikale Gruppen beteiligt
sind.
Es gab Statements, die das Blockadekonzept und die dissent!-Mobilisierung
2005 als gescheitert betrachten. Dafür wurde positiv aufgenommen,
inhaltliche (internationale) Auseinandersetzungen zu forcieren.
Viele griechische Gruppen interessieren sich für die Themen Migration
und Antimilitarismus. Auch die geografische Beschaffenheit der Region
um Heiligendamm war von Interesse.
Die Idee des internationalen Mobilisierungscamps 2006 lobten alle.
Es wird mehr und mehr offensichtlich dass es eine mindestens englischsprachige
Webseite für radikalere Gruppen braucht.
Was bleibt?
Etliche Kontakte und Ideen, die Zusammenarbeit ist ein großes Stück
weiter. Die Mobilisierung in Deutschland ist am Zug, mehr und mehr
internationalen Gruppen die Integration in Debatte und Praxis zu
erleichtern.
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